Nahrungsergänzung, Pflanzenstoffe

Nahrungsergänzung: Acht Pflanzenstoffe mit dokumentierten Leberschäden

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 23:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Experten warnen vor unkontrollierten Wechselwirkungen und Überdosierungen bei pflanzlichen Supplementen. Neue Studien hinterfragen gängige Trends.

Nahrungsergänzungsmittel: Risiken und Wechselwirkungen im Fokus
Eine Hand greift nach Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamentenblistern auf einem Tisch, im Hintergrund verschwommen medizinische Unterlagen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während NAD+-Präparate in der Longevity-Forschung für Aufsehen sorgen, warnen Experten vor unkontrollierten Wechselwirkungen mit Medikamenten und gefährlichen Überdosierungen.

Die Annahme, dass rein pflanzliche Inhaltsstoffe grundsätzlich sicher seien, ist ein gefährlicher Trugschluss. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und Verbraucherzentralen schlagen Alarm. Ein Problem: Es fehlen umfassende gesetzliche Verbotslisten für Pflanzenstoffe in Supplementen. Bisher sind lediglich Ephedra-Kraut, Yohimbe und Anthrachinone untersagt.

Acht Pflanzenstoffe mit dokumentierten Leberschäden

Besondere Vorsicht gilt bei acht Pflanzenstoffen, für die Leberschäden nachgewiesen wurden. Dazu zählen Schlafbeere (Ashwagandha), Baikal-Helmkraut, Grüntee-Extrakt (EGCG), Kurkuma, Kratom und Garcinia cambogia. Das BfR stuft zudem Eisenhut, Fingerhut und Wurmfarn als gesundheitsschädlich für Lebensmittel ein.

Das eigentliche Risiko liegt jedoch oft in den Wechselwirkungen. Pflanzliche Wirkstoffe beeinflussen die Verstoffwechselung von Arzneimitteln in der Leber – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen.

Vitamin D und K2: Ein teurer Mythos?

Ein besonders hartnäckiger Trend ist die Kombination von Vitamin D mit Vitamin K2. Eine Studie aus dem Jahr 2026 liefert jedoch keine Belege für eine verbesserte Knochengesundheit durch die Kombination. Auch die aktuelle Osteoporose-Leitlinie (2023–2026) rät von Vitamin K2 zur Therapie ab.

Medizinisch relevant ist Vitamin K2 vor allem wegen seiner Wechselwirkung mit Gerinnungshemmern vom Cumarintyp. Fachleute betonen: Für eine Dauersupplementierung reicht Vitamin D allein aus. Werden Kombinationspräparate verwendet, sollte die tägliche Dosis 25 µg K2 nicht überschreiten.

Rotschimmelreis: Das Lovastatin-Problem

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Noch heikler ist die Lage bei Rotschimmelreis-Präparaten (Monascus Purpureus). Sie enthalten Monacolin K, das chemisch identisch mit dem Arzneistoff Lovastatin ist. Die Risiken: Muskelschäden und gefährliche Wechselwirkungen.

Die EU hat die tägliche Aufnahme bereits 2022 auf weniger als 3 mg begrenzt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte in Bewertungen von 2018 und 2025 keine sichere Tagesdosis ableiten. In der Schweiz sind solche Produkte weder als Lebensmittel noch als Arzneimittel zugelassen – auch wegen des giftigen Beiprodukts Citrinin.

Wenn die empfohlene Dosis zur Überdosis wird

Selbst etablierte Anbieter geraten in die Kritik. Foodwatch rügte das Unternehmen LaVita 2026 für irreführende Gesundheitsversprechen. Bei der empfohlenen Dosis überschreiten 8 von 10 untersuchten Nährstoffen die Referenzmengen, bei doppelter Dosis sind es 14. Solche Überdosierungen können bei langfristiger Einnahme klinisch relevant werden.

Doch es gibt auch vielversprechende Ansätze. Eine im Juli 2026 in JAMA Dermatology veröffentlichte Fallserie der University of Illinois deutet darauf hin, dass hoch dosiertes Vitamin D Hauttoxizitäten lindern könnte – als Nebenwirkung von Chemo- oder Strahlentherapien. Die Ergebnisse basieren auf experimentellen Modellen und kleineren Humanstudien, benötigen aber weitere Validierung.

Was wirklich hilft: Ernährung statt Pillen

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Bei der aktuellen Diskussion um das CKM-Syndrom (kardio-renale-metabolische Erkrankung) setzen neue Leitlinien vom Juli 2026 primär auf Lebensstiländerungen und spezifische Medikamente – nicht auf Supplemente. SGLT2-Hemmer können das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent senken, doch die Basis bleibt das HEAL-Konzept: mediterrane Ernährung und Bewegung.

Eine Studie der Tufts University (2026) unterstreicht die Bedeutung der Ballaststoffvielfalt: Wer 30 verschiedene Pflanzen pro Woche isst, senkt sein Krankenhausrisiko durch entzündliche Erkrankungen um 31 Prozent. Die Botschaft ist klar: Pillen können keine ausgewogene Ernährung ersetzen.

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