Nahrungsergänzung, Online-Produkte

Nahrungsergänzung: 80% der Online-Produkte sind unsicher

03.06.2026 - 13:39:28 | boerse-global.de

Neue Studien belegen kognitive Effekte von Kreatin, während Verbraucherschützer massive Mängel im Online-Handel aufdecken.

Nahrungsergänzung: 80% der Online-Produkte sind unsicher - Bild: über boerse-global.de
Nahrungsergänzung: 80% der Online-Produkte sind unsicher - Bild: über boerse-global.de

Unter dem Schlagwort „Nahrungsergänzung 2.0“ setzen Hersteller zunehmend auf messbare Evidenz, strenge Zertifizierungen wie GMP oder ISO und digitale Rückverfolgbarkeit per Blockchain und QR-Codes. Gleichzeitig decken Verbraucherschützer erhebliche Sicherheitsdefizite auf, vor allem im Online-Handel.

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Jedes fÜnfte Produkt im Netz ist verkehrsfähig

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einen alarmierenden Befund vorgelegt: Rund 80 Prozent der geprüften Internetseiten für Nahrungsergänzungsmittel sind nicht verkehrsfähig. Die häufigsten Beanstandungen: unzulässige Gesundheitsversprechen und mangelhafte Kennzeichnungen.

Die Liste konkreter Warnungen ist lang. Ende Mai warnte die US-Arzneimittelbehörde FDA vor einem Kratom-Elixier und Moringa-Kapseln mit Salmonellen. Bereits Mitte Mai gab es Hinweise auf Produkte zur sexuellen Leistungssteigerung, die den nicht deklarierten Arzneistoff Sildenafil enthielten. Auch in Deutschland schlugen Behörden Alarm: Im April und Mai wurden Präparate beanstandet, die verschreibungspflichtige Substanzen wie Dexamethason oder Sibutramin enthielten. Hinzu kommen Risiken durch Schwermetallbelastungen – etwa Blei in liposomalen Zink-Produkten oder Verunreinigungen in ayurvedischen Mitteln.

Kreatin: Mehr als nur ein Muskel-Booster

Die Aminosäure Kreatin steht im Zentrum der aktuellen Forschung. Drei bis fÜnf Gramm Kreatin-Monohydrat täglich für den Muskelaufbau – das gilt als belegt. Doch die Wissenschaft blickt längst über den Tellerrand.

Die CABA-Studie der Universität Kansas zeigt: Eine hochdosierte Gabe von 20 Gramm täglich über acht Wochen steigerte den Kreatinspiegel im Gehirn von Alzheimer-Patienten um elf Prozent. Die Folge: Verbesserungen bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit 492 Teilnehmenden bestätigte positive Effekte auf die Kognition – besonders unter metabolischem Stress oder Schlafmangel. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2025 deutete darauf hin, dass Kreatin als Zusatz zur kognitiven Verhaltenstherapie depressive Symptome lindern könnte.

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Trotz dieser vielversprechenden Befunde hat die EU bislang keine gesundheitsbezogenen Angaben für kognitive Funktionen zugelassen.

Neue Technologien für bessere BioverfÜgbarkeit

Die Industrie reagiert auf den Wunsch nach Nachhaltigkeit und effizienterer Wirkstoffaufnahme. Pflanzliche Filmüberzugspulver aus Celluloseethern ersetzen zunehmend synthetische Hilfsstoffe. Sie dienen dem Magensaftschutz oder der gezielten Wirkstofffreisetzung im Darm.

Auch bei den Inhaltsstoffen tut sich etwas:

  • Hefeextrakt mit Beta-Glucan (13 Prozent Anteil) soll Immunsystem und Darmgesundheit unterstützen
  • Stabile Vitamin-C-Ester fördern in Hautpflege und Anti-Aging-Präparaten die Kollagensynthese
  • Indol-3-Carbinol wird wegen seiner antioxidativen Eigenschaften sowohl in der Lebensmittelkonservierung als auch als funktioneller Inhaltsstoff diskutiert

Lifestyle ist nicht gleich Medizin

Branchenexperten ziehen eine klare Grenze zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln. Prof. Dr. Arya M. Sharma warnt davor, Adipositas-Medikamente wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten als kurzfristige Diäthilfe zu missbrauchen. Sie seien verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Behandlung chronischer Erkrankungen – mit potenziellen Nebenwirkungen wie Pankreatitis oder Gallensteinen.

Gleichzeitig geraten offizielle Ernährungsempfehlungen unter Beschuss. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfahl im März 2024, den Eierverzehr auf ein Ei pro Woche zu beschränken. Fachleute kritisieren: Diese Vorgabe basiere primär auf Nachhaltigkeitsaspekten, während klinische Studien einen deutlich höheren Verzehr für unbedenklich halten. Auch die pauschale Empfehlung einer fettarmen Ernährung wird zunehmend hinterfragt – schließlich habe sie die Zunahme von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 nicht verhindert.

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