Nahrungsergänzung, Supplemente

Nahrungsergänzung: 50% verwechseln Supplemente mit Arzneimitteln

06.06.2026 - 07:33:07 | boerse-global.de

Eine Umfrage zeigt: Rund die Hälfte der Bundesbürger hält Nahrungsergänzungsmittel fälschlich für geprüfte Medikamente. Experten warnen vor Risiken.

Studie: Viele Deutsche verwechseln Supplements mit Arzneimitteln
Nahrungsergänzung - Nahaufnahme von verschiedenen Nahrungsergänzungsmittelflaschen und Kapseln, die auf einer sauberen, sterilen Oberfläche verstreut sind. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Dabei unterliegen die Produkte lediglich dem Lebensmittelrecht. Das belegen Daten vom Anfang Juni 2026.

Prof. Dr. Mona Tawab, wissenschaftliche Leiterin des Zentrallabors Deutscher Apotheker (ZL), weist darauf hin: Krankheitsbezogene Werbung für diese Mittel ist gesetzlich verboten. Doch die Fehlvorstellung bleibt weit verbreitet.

Hochdosierte Präparate: Mehr Risiko als Nutzen?

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Die unkritische Einnahme birgt gesundheitliche Risiken. Hochdosierte Präparate können nicht nur Schäden verursachen, sondern auch die Wirkung echter Arzneimittel stören. Experten kritisieren zudem unhaltbare Werbeversprechen und fingierte Fakten in sozialen Netzwerken.

Ihre Empfehlung: Vor der Einnahme sollte eine fundierte Blutwertmessung erfolgen. Nur so lässt sich eine tatsächliche Unterversorgung feststellen.

Vitamin D und Omega-3: Wann Supplemente wirklich sinnvoll sind

Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel. Ein Mangel kann zu verminderter Knochendichte und Osteoporose führen. Weltweit sind schätzungsweise eine Milliarde Menschen betroffen – definiert bei einem Blutwert unter 20 ng/ml.

Die empfohlene Tagesdosis liegt laut Fachkreisen bei 20 µg (800 IE). Besonders gefährdet: ältere Menschen, Übergewichtige und Personen mit geringer Sonnenexposition.

Bei Omega-3-Präparaten mit EPA und DHA raten Fachleute zur Einnahme bei spezifischen Indikationen. Dazu zählen chronische Entzündungen wie Arthritis oder die Unterstützung der Gehirnentwicklung während der Schwangerschaft. Die Einnahme während oder nach den Mahlzeiten verbessert die Aufnahme.

Vorsicht vor Überdosierung: Sie erhöht das Blutungsrisiko und kann Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern hervorrufen.

Lebensstil als Prävention: 90.000 Schlaganfälle vermeidbar

Eine Publikationssammlung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom Juni 2026 zeigt: 80 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf 23 modifizierbare Risikofaktoren zurück. Allein durch Anpassungen des Lebensstils ließen sich jährlich 90.000 von rund 270.000 Schlaganfällen vermeiden.

14 Risikofaktoren sind zudem für 45 Prozent der Demenzfälle verantwortlich. Intensiver Sport kann das Parkinson-Risiko um bis zu 60 Prozent senken.

Das Timing der Mahlzeiten beeinflusst den BMI

Auch kleine Gewohnheiten wirken sich auf die metabolische Gesundheit aus. Eine Studie mit über 7.000 Erwachsenen im „International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity“ untersuchte den Zusammenhang zwischen Mahlzeiten-Timing und Body-Mass-Index (BMI).

Die Daten deuten darauf hin: Ein frühes Frühstück gegen 7:30 Uhr und eine nächtliche Essenspause von etwa 10,5 Stunden korrelieren mit einem niedrigeren BMI.

Apotheken als erste Anlaufstelle? Ärzte warnen

In der Debatte um Gesundheitsvorsorge zeichnet sich ein Strukturwandel ab. Apotheken streben eine stärkere Rolle in der Primärversorgung an. Ein Positionspapier der ABDA sieht sie als erste Anlaufstelle für unkomplizierte Beschwerden und Präventionsangebote wie Impfungen oder Früherkennungstests.

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In der Grippesaison 2025/2026 führten Apotheken bereits rund 44.000 Impfungen durch – eine deutliche Steigerung zum Vorjahr.

Die Pläne stoßen jedoch auf Widerstand in der Ärzteschaft. Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer kritisieren das Vorhaben als gesundheitspolitische Fehlsteuerung. Diagnosen müssten Ärzten vorbehalten bleiben, da Apothekern das tiefe Verständnis für komplexe medizinische Fragestellungen fehle.

Trotz der Differenzen bleibt die diagnostische Absicherung zentraler Baustein einer evidenzbasierten Gesundheitsvorsorge. Dazu gehören etwa die in der EU zugelassenen ersten Alzheimer-Bluttests.

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