Nahrungsergänzung: 415 Millionen Packungen trotz fehlender Belege
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Fälle zeigen: Vermeintlich harmlose Empfehlungen aus dem Internet oder dem Freundeskreis können lebensgefährliche Substanzen enthalten.
Fachleute warnen vor Präparaten aus unklaren Quellen. Diese enthalten oft Inhaltsstoffe, die in der EU oder anderen Regionen seit Jahren verboten sind.
Verbotene Wirkstoffe mit fatalen Folgen
Ein medizinischer Vorfall im Juli 2026 zeigt die drastischen Konsequenzen. Ein Patient wurde mit schwerem Nierenversagen und Schocksymptomen in eine Klinik eingeliefert. Er hatte ein online gekauftes Mittel gegen Gelenkschmerzen eingenommen.
Untersuchungen ergaben: Das Präparat enthielt den Wirkstoff Phenylbutazon. Diese Substanz ist in Vietnam seit 2001 verboten. Auch in den USA und Europa besitzt sie keine Zulassung mehr.
Mediziner des Bach-Mai-Krankenhauses warnen vor den schweren Nebenwirkungen. Dazu zählen Organversagen, Knochenmarksuppression und schwere Blutungen. Sie raten dringend davon ab, Medikamente auf Basis von Empfehlungen aus dem Freundeskreis oder von nicht verifizierten Online-Plattformen zu kaufen.
Die Gefahr sei besonders groß bei Mitteln, deren Zusammensetzung nicht deklariert ist. Auch Produkte, die als rein pflanzlich vermarktet werden, aber heimlich starke Pharmazeutika enthalten, sind riskant.
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Boom bei Nahrungsergänzungsmitteln – oft ohne Nutzen
Parallel zur Problematik illegaler Substanzen wächst der Markt für legale Nahrungsergänzungsmittel massiv. Verbraucherschützer beobachten die Entwicklung kritisch.
2025 wurden bundesweit rund 415 Millionen Packungen dieser Mittel verkauft. Das ist eine Verdopplung gegenüber 2022. Die Verbraucherzentrale Berlin rät: Vitamin D, Kreatin oder Kollagen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Besonders umstritten sind Produkte ohne wissenschaftlich belegten Nutzen. Das Konzentrat LaVita stufte Foodwatch 2026 als besonders irreführend ein. Ernährungswissenschaftler betonen: Solche Konzentrate ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Der Preis von rund 100 Euro pro Liter stehe in keinem Verhältnis zum gesundheitlichen Mehrwert.
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Viele gesundheitsbezogene Werbeaussagen bezögen sich nur auf beigemischte Einzelvitamine – nicht auf das Produkt als Ganzes. Auch für die Wirksamkeit von Kollagendrinks zur Hautglättung fehlen belastbare Belege.
Gefährliche Trends aus sozialen Netzwerken
Neben oralen Substanzen verbreiten sich über soziale Medien riskante Anwendungen für Haushalt und Garten. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus warnte im Juli 2026 vor sogenannten Internet-Hacks.
Ein Beispiel: Essig, Kaffee und Zucker zur Rasenpflege. Das sei meist wirkungslos oder schädlich für die Umwelt. Der Einsatz von Essig zur Unkrautbekämpfung unterliegt zudem strengen rechtlichen Vorgaben.
Noch gravierender sind Trends mit unmittelbarer Lebensgefahr. Schornsteinfegermeister wiesen im Juli 2026 auf gefährliche Praktiken hin: Mobile Klimaanlagen werden an Schornsteine angeschlossen. Solche Installationen können zu tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen führen.
Rückrufe im Lebensmittelhandel
Auch im regulierten Lebensmittelhandel treten regelmäßig Sicherheitsrisiken auf. Im Juli 2026 kam es zu mehreren Rückrufen bei großen Handelsketten wie Lidl. Betroffen waren Tiefkühl-Beerenmischungen mit Noroviren sowie Gewürzprodukte mit Salmonellen.
Die Behörden reagieren mit strengeren Vorgaben. Seit Juli 2025 gilt für Listerien in Weichkäse eine Nulltoleranz-Grenze. Hintergrund: Todesfälle durch kontaminierte Produkte.
Diese Maßnahmen zeigen: Die kontinuierliche Überwachung der Produktionsketten ist notwendig, um Verbraucher vor biologischen und chemischen Gefahren zu schützen.
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