Nackenschmerzen: Gezieltes Training der Tiefenmuskulatur hilft
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rahmenbedingungen für die Heilmittelbranche stehen vor einem umfassenden Wandel. In aktuellen Stellungnahmen richtet der Verband Physikalische Therapie (VPT) deutliche Erwartungen an den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Im Zentrum stehen dabei die Korrektur geplanter Vergütungsbegrenzungen sowie eine grundlegende Modernisierung der gesetzlichen Grundlagen, die im Kern noch aus dem Jahr 1994 stammen.
Politische Forderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Der VPT dringt auf eine zügige Reform der Berufsgesetze und die Einführung eines Direktzugangs zur Physiotherapie in der Primärversorgung. Insbesondere bei klar definierten muskuloskelettalen Beschwerden soll eine Behandlung künftig ohne vorherige ärztliche Verordnung möglich sein.
Die VPT-Bundesvorsitzende Manuela Pintarelli Rauschenbach bezeichnet die Physiotherapie in diesem Zusammenhang als wesentlichen Hebel für ein effizienteres Versorgungssystem.
Kritik übt der Verband vor allem an den geplanten Vergütungsbegrenzungen im Heilmittelbereich. Gefordert wird entweder eine vollständige Rücknahme oder zumindest eine enge zeitliche Befristung der Deckelungsmechanismen.
Laut Steffen Gabriel, dem stellvertretenden Bundesgeschäftsführer des VPT, entlasten Kürzungen in diesem Sektor die Krankenkassen lediglich um minimale Beträge im Nachkommastellenbereich.
Demgegenüber stünden jedoch potenzielle Belastungen für das Gesamtsystem in Höhe von mehreren Milliarden Euro, falls die präventive und rehabilitative Wirkung der Physiotherapie durch restriktive Finanzierung geschwächt werde.
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Ausbildungsoffensive und Fachkräftesicherung
Trotz der politischen Debatten zeigt sich am Arbeitsmarkt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Fachkräften, was zu einem Ausbau der Ausbildungskapazitäten führt. So plant das Sana Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Hameln zum 1. November 2026 erstmals einen eigenen Ausbildungsgang für Physiotherapie mit 16 Plätzen.
Die dreijährige Ausbildung kombiniert theoretischen Unterricht mit Praxiseinsätzen im Sana Klinikum sowie bei externen Partnern. Auch das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim schreibt bereits Ausbildungsplätze für den 1. August 2027 aus.
An bestehenden Standorten wie der Physiotherapieschule Bad Säckingen spiegelt sich die angespannte Fachkräftesituation in einer hundertprozentigen Erfolgsquote der Prüflinge des Jahres 2026 wider. Die dortige Geschäftsführung verwies auf eine faktische Jobgarantie für Absolventen.
Ergänzend dazu streben 20 Diplomanden einen Bachelor-Abschluss im Frühjahr 2027 an. Ähnliche Erfolge meldete der Campus Ludmillenstift in Meppen, wo im Jahr 2026 Absolventen nach dreijähriger Ausbildung in den Beruf starteten.
Die wirtschaftliche Attraktivität des Berufsfeldes zeigt sich auch in aktuellen Stellenausschreibungen. Die Klinik Bavaria in Bad Kissingen bietet beispielsweise für Positionen in der Neurologie und Geriatrie ein Jahresbruttogehalt zwischen 39.500 Euro und 55.500 Euro an, abhängig von der jeweiligen Qualifikation. Dies steht im Kontrast zu Beobachtungen in akademischen Berufsfeldern außerhalb des Gesundheitswesens, wo laut Analysen des Handelsblatts die Stellenausschreibungen seit 2022 teilweise deutlich zurückgegangen sind.
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Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Schmerztherapie
Parallel zu den strukturellen Fragen liefern aktuelle Studien neue Erkenntnisse für die therapeutische Praxis. Eine im September 2026 im European Spine Journal veröffentlichte Untersuchung des Rabin Medical Centers analysierte die Langzeitwirkung von Medizinalcannabis bei chronischen Rückenschmerzen.
Bei den 1.000 beobachteten Patienten sank der tägliche Opioidverbrauch im Untersuchungszeitraum signifikant von 62,8 auf 6,4 mg Morphin-Äquivalent. Dennoch mahnten die Autoren zur Vorsicht, da aufgrund der fehlenden Kontrollgruppe weitere randomisierte Studien notwendig seien.
In Bezug auf chronische Kreuzschmerzen kommt eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Lendenstützen ohne zusätzliche Maßnahmen kaum eine Schmerzlinderung bewirkt. Auch ergänzend zu Bewegung oder Physiotherapie zeige sich nach drei Monaten kein Mehrwert.
Experten empfehlen stattdessen häufig eine Kombination aus Kräftigung und Mobilisation. Besonders bei Nackenbeschwerden, die oft durch Fehlhaltungen im Büroalltag entstehen, deuten Fachberichte darauf hin, dass gezielte Übungen für die tiefe Muskulatur die Belastung der Halswirbelsäule massiv reduzieren können.
