Nackenschmerzen, Akupunktur

Nackenschmerzen: Akupunktur senkt Schmerzwerte stärker als Celecoxib

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine klinische Untersuchung fand stärkere Schmerzreduktion durch Akupunktur als durch Celecoxib; für Akupressur ist die Studienlage weniger belastbar.
Symbolbild: getrocknete Heilkräuter mit Mörser und Tee Illustration mit AI erstellt.

Verfahren wie Akupunktur, Akupressur sowie gezielte Massagen an Triggerpunkten oder Ahshi-Punkten finden breite Anwendung bei der Behandlung myofaszialer Schmerzen und chronischer Verspannungen. Klinische Studien und Metaanalysen liefern differenzierte Erkenntnisse darüber, wie wirksam und sicher die verschiedenen Reizungen von Gewebe- und Reflexpunkten tatsächlich sind.

Klinische Studien und Langzeiteffekte bei Nackenschmerzen

In einer multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie von Lin et al. (Journal of Pain Research, 2026) wurden 252 Patienten mit zervikaler Spondylose und Nackenschmerzen (Werte von 4 bis 6 auf der visuellen Analogskala von 0 bis 10) untersucht, von denen 238 ausgewertet werden konnten.

Das Protokoll sah den Einsatz von sterilen Einwegnadeln (0,25 mm x 25 mm) vor, die in einem Einstichwinkel von 10 bis 25 Grad ausschließlich in Haut und oberflächliche Faszie an individuell palpierten Ahshi-Punkten gesetzt wurden. Die Behandlung erfolgte über 15 Minuten unter aktiver schmerzfreier Bewegung in sechs Sitzungen über zwei Wochen.

Im Vergleich zu einer Gruppe, die 14 Tage lang zweimal täglich 100 mg Celecoxib einnahm, sank der Schmerzwert unter Akupunktur an Tag 14 von 5,27 auf 2,23, während er in der Medikamentengruppe von 5,30 auf 3,83 zurückging.

Die Gesamteffektivität lag bei 90,12 Prozent (73 von 81 Patienten) gegenüber 77,22 Prozent (61 von 79) unter Celecoxib und 17,95 Prozent (14 von 78) auf der Warteliste. Eine vollständige Beschwerdefreiheit erreichten 19 Personen (23,5 Prozent), eine deutliche Besserung 39 Personen (48,1 Prozent).

Der Neck Disability Index (NDI) verbesserte sich von 45,60 auf 32,07 gegenüber 47,85 auf 41,34 in der Vergleichsgruppe. Nach drei Monaten lag der Schmerzwert bei 2,52 gegenüber 3,97, der NDI bei 33,68 gegenüber 41,90, begleitet von einer mittels EasyAngle-Goniometer gemessenen Verbesserung der Halswirbelsäulen-Beweglichkeit.

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Eine Metaanalyse von Vickers et al. (The Journal of Pain, 2018) mit 39 Studien und 20.827 Patienten belegte zudem moderate Vorteile der Akupunktur gegenüber Behandlungen ohne Nadelung sowie kleine Vorteile gegenüber Scheinakupunktur bei chronischen Muskel- und Knochenschmerzen, Arthrose, Kopf- und Schulterschmerzen. Nach einem Jahr war der therapeutische Effekt um etwa 15 Prozent geringer.

Evidenz zur Akupressur und Sicherheitsaspekte

Die Datenlage zur nichtinvasiven Akupressur, die dieselben Punkte per Hand oder Daumen statt Nadeln stimuliert, fällt im Vergleich schwächer aus. Zwar fielen Übersichtsarbeiten zu Kreuzschmerzen positiv aus, jedoch meist ohne Kontrollgruppen mit Scheindruck.

Bei Menstruationsbeschwerden zeigte sich eine Überlegenheit gegenüber Scheinanwendungen bei allerdings niedriger Evidenzqualität. Bei postoperativer Übelkeit erweist sich die Reizung des Punktes P6 als ähnlich wirksam wie Medikamente, während die Wirkung bei Schlaflosigkeit unklar bleibt.

Hinsichtlich der Sicherheit belegte eine Analyse von White (Acupuncture in Medicine, 2004) anhand von zwölf prospektiven Studien mit über einer Million Behandlungen eine Rate schwerer Komplikationen von etwa 5 pro Million Interventionen, zumeist Pneumothorax, Nervenverletzungen oder Infektionen. In manchen Ländern, etwa in Serbien, erfordert die Ausübung der Akupunktur eine behördliche Sondergenehmigung.

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Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin und Triggerpunkt-Diagnostik

Fachkliniken wie das Beijing TCM Hospital Huairou ordnen Methoden wie Ohrakupressur (mit Wangbuliuxing-Samen an Punkten wie Shenmen oder Sympathikus), Moxibustion an Shenshu oder Zusanli sowie Schröpfen (8 bis 10 Minuten) und Gua Sha in die traditionelle Schmerzlehre von Blockaden oder Mangelzuständen ein.

Bei der manuellen Triggerpunktbehandlung zeigen Fallberichte, dass Schmerzursachen teils weit vom Schmerzort entfernt liegen können. So führten Triggerpunkte im geraden Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis), die im Sitzen deutlich besser tastbar sind als in Rückenlage, bei Patientinnen zu strahlenden Rückenschmerzen unterhalb des Schulterblatts.

Für Selbstanwendungen gilt jedoch die Maßgabe, bei Warnzeichen wie plötzlichen stechenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Fieber, Schwellungen oder Lähmungserscheinungen auf Manipulationen zu verzichten und eine ärztliche Abklärung vorzunehmen.

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