Nachtlicht erhöht Herzrisiko: Studie zeigt +33% Schlaganfall-Gefahr
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen der Tulane University geben neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen nächtlicher Lichtexposition und strukturellen Veränderungen des Herzens. Die im European Heart Journal veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits geringe Lichtmengen während der Nachtruhe das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.
Strukturelle Herzveränderungen durch nächtliche Lichtexposition
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Lu Qi untersuchte Daten von 11.017 Teilnehmern der UK-Biobank mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren. Die Probanden trugen über einen Zeitraum von sieben Tagen Lichtsensoren am Handgelenk. Nach etwa drei Jahren erfolgte eine Untersuchung mittels Herz-Magnetresonanztomographie (MRT).
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Lichtintensität und dem sogenannten Cardiac Remodeling. Teilnehmer, die einer nächtlichen Lichtbelastung von mehr als 3 Lux ausgesetzt waren – was in etwa der Helligkeit eines Smartphone-Displays auf niedriger Stufe oder Mondlicht entspricht –, wiesen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe in nahezu vollständiger Dunkelheit (0 Lux) signifikante Veränderungen auf.
Demnach stieg die Masse der linken Herzkammer um 2,4 % und die Wanddicke um 1,5 %. Gleichzeitig sank die myokardiale Kontraktionsfraktion um 1,9 %. Auch die rechte Herzkammer sowie der linke Vorhof waren von den Veränderungen betroffen.
Langfristige Gesundheitsrisiken und statistische Trends
In einer ergänzenden Auswertung, die rund 73.000 Menschen über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren begleitete, wurden die klinischen Folgen dieser Belastung deutlich. Laut den vorliegenden Daten stieg bei erhöhter Nachtlichtexposition das Risiko für eine Herzschwäche um 29 % und für Vorhofflimmern um 15 %. Das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhte sich um 24 %, für einen Schlaganfall um 33 % und für einen kardiovaskulär bedingten Tod um 26 %.
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Lu Qi bewertet den Nachweis des Cardiac Remodeling als erstmalig erbracht und stuft Lichtverschmutzung als einen neuen, modifizierbaren Risikofaktor für die Herzgesundheit ein. Dieser Einschätzung schloss sich auch Prof. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz an, der die Anerkennung von Nachtlicht als modifizierbaren Risikofaktor forderte.
Ein wesentlicher Teil des beobachteten Effekts – zwischen 24 % und 49 % – lässt sich durch eine verkürzte Schlafdauer von unter fünf bis sechs Stunden erklären.
Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass insbesondere Blaulicht von Fernsehgeräten oder Smartphones die Melatoninausschüttung unterdrückt, während warmes, gedimmtes Rotlicht einen geringeren Einfluss hat. Globale Daten belegen zudem eine Zunahme der Lichtemissionen der Erde um 16 % im Zeitraum von 2014 bis 2022.
Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu
Die Relevanz gesunden Schlafs wird auch durch aktuelle Erhebungen im Jugendbereich unterstrichen. Der DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2025/2026, für den mehr als 30.000 Schulkinder befragt wurden, zeigt, dass 46 % der Schüler unter Schlafproblemen leiden. Im Zeitraum 2019/2020 lag dieser Wert noch bei 36 %. Fast 70 % der Kinder gaben an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein.
Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sieht einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Schlafproblemen und einer übermäßigen Mediennutzung. Eine Übersichtsarbeit der University of Southampton, die im Oktober 2026 in Sleep Medicine Reviews erscheint, bestätigt zudem, dass sozialer Jetlag eng mit Angstzuständen bei Jugendlichen korreliert.
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Präventionsstrategien und gesellschaftliches Bewusstsein
Trotz der zunehmenden Erkenntnisse über die Bedeutung der Schlafhygiene zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit vom August 2026 ein geteiltes Bild in der Bevölkerung. Zwar sehen 69 % der Befragten Potenzial in Longevity-Strategien und 59 % möchten ihren Schlaf verbessern, doch scheitert die Umsetzung oft an Zeitmangel oder fehlender Motivation.
Auf politischer Ebene befassen sich die Fachausschüsse des Bundesrates aktuell mit dem GeDIG-Entwurf. Dieser sieht vor, dass Krankenkassen ihre Versicherten bei erhöhten Gesundheitsrisiken gezielter ansprechen dürfen.
Zudem sollen Apotheken verstärkt in Präventionsangebote eingebunden werden. Im Bereich der digitalen Versorgung ist die Einführung der E-Überweisung bis September 2029 sowie der E-Verordnung für häusliche Krankenpflege ab September 2028 geplant.
