Nachtkerze als Heilpflanze: Warum pflanzliche Mittel genauer geprüft werden
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klinische Studien belegen die therapeutische Wirksamkeit pflanzlich basierter Wirkstoffe bei gynäkologischen Beschwerden wie Myomen und Endometriose. Angesichts einer oft langwierigen Diagnostik und therapiebedingter Nebenwirkungen konventioneller Medikamente rücken komplementäre phytotherapeutische Optionen zunehmend in das Blickfeld der gynäkologischen Forschung und Praxis.
Hohe Krankheitslast und Lücken in der Versorgung
Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose sind weit verbreitet und bedeuten für Betroffene erhebliche Einschränkungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 10 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter weltweit von Endometriose betroffen, was etwa 190 Millionen Patientinnen entspricht.
Zu den charakteristischen Symptomen gehören starke Menstruationsschmerzen, ausgeprägte Blutungen, chronische Beckenschmerzen, Infertilität sowie Blähbauch und Übelkeit.
Wie schwierig der Weg zur gesicherten Diagnose oft verläuft, illustriert der Fall der 23-jährigen Ally Ostedt aus Kalifornien: Nach einer Diagnose im Alter von etwa 12 Jahren und jahrelanger Behandlung mit der Antibabypille litt sie über elf Jahre hinweg an Magen-Darm-Beschwerden, die von Medizinern zunächst auf Stress und Reizdarm zurückgeführt wurden.
Nach dem Absetzen des Präparats mit 21 Jahren verschlimmerten sich Symptome wie schmerzhafte Regelblutungen, chronische Beckenschmerzen und Erschöpfung, sodass sie ihre Erwerbstätigkeit aufgeben musste. Eine spätere Bauchspiegelung durch Spezialisten brachte schließlich Endometriose im Stadium 2 an insgesamt 22 Stellen zutage.
Regulierung und Grenzen hormoneller Standardtherapien
In der konventionellen Therapie kommen neben chirurgischen Eingriffen vor allem hormonelle Ansätze zum Einsatz. Am 22. September 2026 legte die brasilianische Regulierungsbehörde ANS fest, dass Krankenkassen ab dem 1. Oktober die Kosten für hormonelle Spiralen bei Endometriose übernehmen müssen, sofern Kontraindikationen oder eine mangelnde Therapietreue bezüglich kombinierter oraler Kontrazeptiva vorliegen.
Dr. Marcos Tcherniakovsky von der brasilianischen Endometriose-Gesellschaft SBE erläuterte, dass entsprechende Systeme die Gebärmutterschleimhaut ohne Estrogenwirkung verdünnen, Beckenschmerzen sowie Schmerzen bei sexueller Aktivität lindern und Rezidiven nach Operationen vorbeugen.
Das Modell Mirena werde am häufigsten empfohlen. Allerdings handele es sich um eine Symptomlinderung und keine Heilung der Endometriose. Ein Rechtsanwalt wies darauf hin, dass Implantat und Einsetzen nun Pflichtleistungen seien, weshalb Krankenkassen Ablehnungen explizit begründen müssten.
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Pflanzliche Wirkstoffe und Qualitätsanforderungen
Parallel zu hormonellen Behandlungen gewinnen pflanzliche Präparate an Bedeutung. So wurde die Nachtkerze zur Heilpflanze des Jahres 2026 gewählt; das zweijährige Kraut zeichnet sich durch gelbe Blüten aus, die sich bei Dunkelheit für wenige Stunden öffnen.
Auch in verwandten Indikationsbereichen der Frauenheilkunde liefert die Forschung neue Daten: Ein chinesisches Forschungsteam untersuchte in der Fachzeitschrift Phytomedicine die traditionelle Gengnianshou-Formel bei postmenopausaler Osteoporose.
Im Tiermodell verbesserte die Rezeptur die Knochenmikroarchitektur signifikant und senkte die Aktivität knochenabbauender Osteoklasten. Als wesentlicher Wirkstoff erwies sich Magnoflorin, das direkt mit dem Protein CCDC88A interagierte und die Osteoklastendifferenzierung hemmte.
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Mit der wachsenden Beliebtheit pflanzlicher Extrakte steigen jedoch auch die Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Reinheit frei verkäuflicher Erzeugnisse.
Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer warnten in einem Schreiben an die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung und Wirtschaft vor Qualitäts- und Sicherheitsdefiziten bei Nahrungsergänzungsmitteln mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Stoffen.
Prof. Andreas Hensel, Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie an der Universität Münster, hob hervor, dass allein im Jahr 2025 über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland angemeldet wurden.
Vor dem Markteintritt finde lediglich eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ohne behördliche Vorabprüfung statt – im Unterschied zu strengeren Dokumentationspflichten in Frankreich, Belgien oder der Schweiz. Fachleute fordern daher verlässliche Angaben, kontinuierliche Kontrollen von Rohstoffen sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen irreführende Wirkversprechen.
