Nachsalzen: Analyse mit 440.000 Menschen zeigt 37 Prozent mehr Depressionsrisiko
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Berichte internationaler Institutionen verdeutlichen den massiven Einfluss von Ernährungsgewohnheiten und präventiven Maßnahmen auf die Herzgesundheit. Neue Daten weisen dabei nicht nur auf physische Risiken hin, sondern zeigen auch Korrelationen zwischen der Lebensweise und der psychischen Verfassung auf.
Ernährungsgewohnheiten und psychische Gesundheit
Ein Forscherteam der Huazhong University in Wuhan untersuchte im Rahmen einer großangelegten Analyse die Daten von fast 440.000 Menschen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Personen, die ihre Mahlzeiten nahezu immer nachsalzen, eine um 37 % höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, an Depressionen zu erkranken, verglichen mit jenen, die konsequent auf zusätzlichen Salzkonsum verzichten. Über die psychischen Auswirkungen hinaus vermuten die Forscher, dass ein hoher Salzkonsum die biologische Alterung beschleunigen könnte.
Diese Erkenntnisse ergänzen die globale INTERHEART-Studie, die Teilnehmende aus 52 Ländern einbezog. Ein Kardiologe verwies in diesem Kontext darauf, dass die Kontrolle von neun zentralen Risikofaktoren das Herzinfarktrisiko um mehr als 90 % senken könne.
Zu diesen Faktoren zählen neben dem Rauchen, erhöhten Blutfetten, Bluthochdruck und Diabetes auch bauchbetonte Adipositas, psychosoziale Belastungen, Bewegungsmangel sowie eine unzureichende Zufuhr von Obst und Gemüse.
Strategien zur Risikominimierung und Früherkennung
Um die Herzgesundheit zu erhalten, empfehlen Mediziner eine Kombination aus mediterraner Ernährung, reduzierter Salzzufuhr und regelmäßiger Bewegung. Idealerweise sollten mindestens fünf Tage pro Woche jeweils mindestens 30 Minuten körperliche Aktivität in den Alltag integriert werden.
Die EU-Kommission legte zudem eine Empfehlung für regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker vor, insbesondere für Risikogruppen. Hintergrund sind die erheblichen gesellschaftlichen Kosten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen in der EU jährlich rund 1,7 Millionen Todesfälle und Kosten von mehr als 282 Milliarden Euro.
Experten gehen davon aus, dass bis zu 80 % dieser Fälle durch ein konsequentes Vorgehen gegen Risikofaktoren vermeidbar wären. Ein besonderes Problem stellt laut der International Diabetes Federation die Dunkelziffer bei Stoffwechselerkrankungen dar; in Europa bleibe jeder vierte Diabetesfall undiagnostiziert.
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Die Rolle von Diabetes und spezifischen Zielwerten
Das Vorliegen eines Diabetes mellitus verschärft das kardiovaskuläre Risiko erheblich. Laut der Deutschen Herzstiftung verdoppelt Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine dänische Studie, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, beziffert das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei Typ-1-Diabetes auf das 3,7-Fache und bei Typ-2-Diabetes auf das 6,5-Fache im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.
Der Gesundheitsbericht Diabetes 2026 führt an, dass in Deutschland jährlich rund 137.000 Todesfälle auf Typ-2-Diabetes zurückzuführen sind, was etwa 16 % aller Sterbefälle entspricht.
Im Rahmen des Cholesterin-Dialogs zum Weltherztag betonten Fachleute, dass besonders das LDL-Cholesterin im Blick behalten werden müsse, da erhöhte Werte oft symptomlos bleiben. Es wurden konkrete Zielwerte definiert:
* Personen ohne weitere Risikofaktoren sollten einen LDL-Wert unter 116 mg/dl anstreben.
* Bei bestehendem Diabetes liegt der Zielwert unter 100 mg/dl.
* Besteht eine Diabetes-Erkrankung seit mehr als zehn Jahren, wird ein Wert unter 70 mg/dl empfohlen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Herzprävention
In der Prävention rücken zunehmend geschlechtsspezifische Faktoren in den Fokus. Die Initiative #GoRed Austria warnt davor, dass Herz-Kreislauf-Risiken bei Frauen häufig unterschätzt werden. In Österreich sterben jährlich mehr als 16.000 Frauen an diesen Erkrankungen.
Eine Kardiologin rät zur individuellen Risikoabklärung, bei der neben Blutwerten auch die Familiengeschichte, Schwangerschaftskomplikationen und die Wechseljahre berücksichtigt werden sollten.
Mediziner weisen zudem darauf hin, dass Frauen Herzinfarkte im Durchschnitt etwa zehn Jahre später erleiden als Männer. Nach der Menopause nehmen die Risikofaktoren deutlich zu. Symptome können sich bei Frauen untypisch äußern; neben Brustschmerzen treten häufig Kurzatmigkeit, Schweißausbrüche, Oberbauchschmerzen, Übelkeit oder unerklärliche Müdigkeit auf.
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Alltagsnahe Bewegung und Schlafhygiene
Schon einfache Anpassungen des Lebensstils können signifikante Effekte erzielen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von neun Studien und über 480.000 Teilnehmenden ergab, dass regelmäßiges Treppensteigen mit einem um 39 % geringeren Risiko für den kardiovaskulären Tod verbunden ist. Das Gesamtsterberisiko sank um rund 24 %.
Zusätzlich zur Bewegung gewinnt die Schlafqualität an Bedeutung. Ein Kardiologe empfiehlt eine tägliche Schlafdauer von sieben bis neun Stunden und rät dazu, bereits eine Stunde vor dem Schlafengehen keine digitalen Geräte mehr zu nutzen.
In Bezug auf die tägliche Bewegung deuten Studien darauf hin, dass der größte Nutzen bei etwa 7.000 Schritten pro Tag erreicht wird, wobei bei älteren Menschen bereits 6.000 Schritte deutliche Vorteile bringen können. Weitere Steigerungen der Schrittzahl seien zwar unschädlich, der zusätzliche Nutzen für die Herzgesundheit nehme jedoch ab.
