Nachlass-Markt, LegacyGuard

Nachlass-Markt boomt: LegacyGuard startet im Juli mit KI-Schutz

01.06.2026 - 00:33:10 | boerse-global.de

Indisches Gericht erklärt iCloud-Daten zum Nachlass. Tencent patentiert Spielerbe. Start-ups bieten Lösungen für digitale Vermächtnisse.

KI-Kahlschlag bei Block: 4.000 Jobs fallen für mehr Effizienz - Foto: über boerse-global.de
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Gerichte und Konzerne definieren neu, was nach dem Tod mit digitalen Daten geschieht.

Der Umgang mit digitalen Hinterlassenschaften gewinnt rasant an Bedeutung. Während sich die Rechtslage weltweit verändert, stellen sich immer drängendere Fragen: Wer erbt das iCloud-Konto? Was passiert mit Spielkonten und Kryptowerten? Und wie schützt man digitale Vermächtnisse vor Betrügern?

Indisches Gericht: Datenschutz erlischt mit dem Tod

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Ein wegweisendes Urteil aus Indien sorgt für Aufsehen. Das Gericht in Gandhinagar entschied Anfang Mai, dass digitale Daten – konkret Informationen aus einem Apple iCloud-Konto – Teil des Nachlasses sind. Richter Himanshu Choudhary stellte klar: „Das Recht auf Privatsphäre überdauert den Tod nicht."

Apple muss nun der Tochter von Shaishav Dineshbhai Shah helfen, der am 24. April 2025 verstarb. Das Unternehmen soll den Zugriff auf die Daten des Verstorbenen ermöglichen. Die Entscheidung folgt dem Grundsatz, dass persönliche Rechtsansprüche mit dem Tod erlöschen – Erben können digitale Vermögenswerte künftig wie physisches Eigentum verwalten.

Tencent patentiert Spielerbe – Milliarden liegen brach

Auch die Industrie reagiert. Der chinesische Technologieriese Tencent erhielt im Mai 2026 ein Patent zur Vererbung digitaler Gegenstände – angemeldet bereits 2019. Es regelt die Übertragung von Spielkonten und virtuellen Items. Hintergrund: Kunden fordern zunehmend Klarheit über wertvolle digitale Assets nach dem Tod.

Die Dimension ungeordneter Nachlässe ist gewaltig. In Malaysia etwa liegen eingefrorene Erbvermögen umgerechnet rund 19 Milliarden Euro brach, weitere 2,7 Milliarden Euro sind unbeansprucht. Viele glauben fälschlich, Nachlassplanung sei nur etwas für Reiche – dabei landen Vermögenswerte dann oft bei gesetzlichen Erben statt bei den Wunschadressaten.

Start-ups erobern den Markt für digitale Nachlässe

Die Abwicklung eines Nachlasses ist aufwendig: Vermögensberater beziffern den Zeitaufwand auf 540 bis 570 Stunden. Ein neuer Geschäftszweig entsteht. Das 2021 gegründete Startup Clarmont aus San Francisco sicherte sich kürzlich umgerechnet 1,8 Millionen Euro Startkapital für eine sichere digitale Familien-Tresorlösung.

Ein weiterer Dienst bereitet den Markteintritt vor: LegacyGuard von California Trust and Legacy startet im Juli 2026. Die Plattform kombiniert Hardware-Sicherheitsschlüssel, verschlüsselte Dokumententreuhand und Verifikationsprotokolle – speziell gegen Identitätsdiebstahl durch Künstliche Intelligenz.

Experten raten, zentrale Verzeichnisse für digitale Bezahldienste wie PayPal, Fahrzeug-Identifikationsnummern und Patientenverfügungen anzulegen. Das erleichtert Hinterbliebenen die Orientierung enorm.

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Phishing-Welle bedroht digitale Vermächtnisse

Die Kehrseite: Je mehr Menschen Passwort-Manager und digitale Backups für die Nachlassplanung nutzen, desto gezielter greifen Kriminelle an. Am 27. Mai 2026 wurden raffinierte Phishing-Angriffe auf Signal-Nutzer bekannt. Täter verschickten gefälschte Support-Nachrichten, um 64-stellige Wiederherstellungsschlüssel zu ergaunern – damit ließen sich komplette Nachrichtenarchive kapern.

Das FBI warnt zudem vor der Kali365-Phishing-Plattform. Sie kapert Microsoft-365-Konten inklusive Teams, Outlook und OneDrive, indem sie die Multi-Faktor-Authentifizierung über Geräte-Code-Logins umgeht. Sicherheitsexperten empfehlen, keine Authentifizierungscodes aus unerwarteten E-Mails einzugeben und auf Hardware-Sicherheitsschlüssel oder spezielle Authentifikator-Apps zu setzen.

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