Nachhaltigkeit, Inflation

Nachhaltigkeit: Inflation bricht Umweltbewusstsein bei 73% der Deutschen

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 15:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hohe Preise lassen Umweltbewusstsein schwinden. Nur überzeugte Öko-Käufer bleiben ihren Prinzipien treu, zeigt eine aktuelle Untersuchung.

Inflation bremst Nachhaltigkeit: Studie zeigt Kauftrends
Eine Hand legt einen Bio-Apfel in eine wiederverwendbare Einkaufstasche, umgeben von verschwommenen Supermarktregalen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

73 Prozent der Deutschen halten Nachhaltigkeit für wichtig – doch die Inflation macht den meisten einen Strich durch die Rechnung. Eine aktuelle Studie zeigt: Umweltbewusstsein schützt nicht vor Preisschmerz. Nur hartgesottene Öko-Käufer bleiben ihren Prinzipien treu.

Umweltbewusstsein als Preispuffer

Forscher der Universität Leipzig und des IWH haben untersucht, wie die Inflation nachhaltige Kaufentscheidungen beeinflusst. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht Mitte Juli im Journal of Economic Behavior & Organization, zeichnen ein klares Bild: Wer sein Umweltbewusstsein tief verankert hat, ändert sein Kaufverhalten bei Bio-Lebensmitteln kaum – selbst wenn die Preise steigen.

Anders sieht es bei Konsumenten mit geringerem ökologischem Fokus aus. Sie reagieren deutlich sensibler auf Preissteigerungen und reduzieren ihre Ausgaben für nachhaltige Produkte massiv. Dabei bleibt das Thema relevant: Laut GfK-Daten vom Juli bezeichnen 73 Prozent der Verbraucher Nachhaltigkeit als wichtigen Kaufentscheidungsfaktor. 65 Prozent wären grundsätzlich bereit, höhere Preise zu zahlen.

Eigenmarken sparen bis zu 1.000 Euro jährlich

Der Preisvergleich der AK Oberösterreich zeigt, wo die größten Sparpotenziale liegen. Wer von Markenprodukten zu Eigenmarken wechselt, kann jährlich bis zu 1.000 Euro sparen. Bei Billa und Spar lag die Preisdifferenz im Juni bei über 20 Euro pro Einkauf. Bei Discountern wie Hofer dagegen gleicht sich das Preisniveau bis auf wenige Cent an.

Auch die Verpackung wird zum Kostenfaktor. Eine Umfrage von Pro Carton aus dem Juli belegt: 88 Prozent der deutschen Verbraucher bevorzugen Kartonverpackungen gegenüber Kunststoff – wenn die Produkte identisch sind. Für 64 Prozent ist Recyclingfähigkeit das wichtigste Kriterium. Rund ein Drittel der Befragten hat wegen der Verpackung bereits die Marke gewechselt. Bei Shrinkflation sucht fast die Hälfte nach günstigeren Alternativen.

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Labels wirken oft kontraproduktiv

Nachhaltigkeitslabels sind nicht die erhoffte Lösung. Eine Analyse der Universität Kiel, veröffentlicht im Juli, liefert ernüchternde Ergebnisse. Die Forscher untersuchten über drei Jahre rund 1,7 Millionen Essenskäufe in Universitätsmensen. Explizite Nachhaltigkeitslabels führten nicht automatisch zu häufigerer Wahl der entsprechenden Gerichte. In einigen Fällen bewirkten sie sogar das Gegenteil: Sie weckten die Erwartung höherer Preise.

Die Fachdiskussion warnt zudem vor Greenwashing. Eine Analyse vom 13. Juli zeigt: Bei Unternehmen klaffen externe Nachhaltigkeitskommunikation und internes Arbeitsklima oft auseinander. Konsumenten reagieren darauf zwar mit Markenwechseln – die erweisen sich jedoch meist als kurzfristig.

Modebranche: Nutzungsdauer verlängern statt neu kaufen

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Nachhaltigkeitslabels sind oft irreführend – eine aktuelle Studie zeigt, dass sie sogar kontraproduktiv wirken können. Statt auf Greenwashing hereinzufallen, erfahren Sie in diesem Ratgeber, worauf es wirklich ankommt: unabhängige Zertifikate, Shrinkflation-Fallen und konkrete Spartipps. Echten Nachhaltigkeits-Kompass jetzt sichern

Die Modeindustrie verursacht rund 10 Prozent der weltweiten CO?-Emissionen. Experten fordern daher einen radikalen Kurswechsel: Die Verlängerung der Nutzungsdauer von Kleidung sei der effektivste Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Zur Orientierung empfehlen sie unabhängige Zertifikate wie den Global Organic Textile Standard (GOTS).

Doch die Realität sieht anders aus. Eine YouGov-Umfrage vom Juli zeigt: Bei Anbietern wie Temu oder Shein ist die Preissensibilität hoch. Die Hälfte der Kunden würde bei möglichen Zollaufschlägen ihre Bestellfrequenz reduzieren. Strategie-Workshops in München fordern deshalb, Nachhaltigkeit stärker mit sozialen Bedürfnissen wie Gemeinschaft und Ästhetik zu verknüpfen. Nur so bleibt sie über kurzfristige Trends hinaus attraktiv.

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