Operation, Schritte

Nach einer Operation: 1.000 Schritte mehr senken Komplikationen um 18 Prozent

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 1.965 Patienten verbindet zusätzliche Schritte nach Operationen mit weniger Komplikationen und kürzeren Klinikaufenthalten.
Ein heller, leerer Krankenhausflur mit natürlichem Lichteinfall und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Fachartikel befassen sich mit der Bedeutung einer frühzeitigen Mobilisation und gezielter pflegerischer Maßnahmen, um schwerwiegende postoperative Komplikationen wie tiefe Venenthrombosen bei älteren Patienten nach orthopädischen Eingriffen zu vermeiden.

Medizinische Auswertungen und klinische Fallbeispiele verdeutlichen, dass das Zusammenspiel aus medikamentöser Vorsorge, konsequenter Bewegung und strukturierter Nachsorge entscheidend für den Heilungserfolg ist.

Klinische Risiken bei mangelnder Bewegung

Wie gravierend die Folgen unzureichender Mobilisation sein können, zeigt der Fall einer 57-jährigen Patientin in Changhua in Taiwan. Nach der Fixierung einer Kniescheibenfraktur mittels Gips erkrankte die Frau zwei Monate später an einer akuten beidseitigen Lungenembolie.

Bei der Einlieferung wies sie eine Sauerstoffsättigung von 88 %, eine Herzfrequenz von 138 Schlägen pro Minute, eine Atemfrequenz von 30 bis 40 Atemzügen pro Minute sowie ein geschwollenes linkes Bein auf. Die Laboranalyse ergab einen D-Dimer-Wert von 12.770 ng/ml bei einem Normwert von unter 500 ng/ml sowie ein Rechtsherzversagen.

Nach einer systemischen Thrombolyse kombiniert mit Antikoagulation erreichte die Patientin wieder eine Sauerstoffsättigung von 95 % ohne zusätzliche Sauerstoffgabe. Als Ursache der Lungenembolie wurde das Fehlen jeglicher Mobilisation trotz verordneter Antikoagulation festgestellt.

Schätzungen von Dr. Fernando Gallardo von Quirónsalud Marbella und Campo de Gibraltar zufolge betrifft eine venöse Thromboembolie jährlich ein bis zwei Personen pro 1000 Einwohner. Zu den Risikofaktoren zählen neben Immobilisation und Traumata auch Krebserkrankungen, Adipositas, frühere Thrombosen, Schwangerschaften, Östrogeneinnahmen sowie Gerinnungsstörungen.

Für die Diagnose stehen Verfahren wie Doppler-Sonografie, D-Dimer-Tests und Angio-CT bereit, wobei ein erhöhter D-Dimer-Wert allein den Befund noch nicht bestätigt. Neben der Antikoagulation als Basistherapie kommen bei ausgedehnten iliofemoralen Thrombosen Verfahren wie die Katheterthrombektomie oder lokale Lysen zum Einsatz.

Bei relevanten Obstruktionen, etwa dem May-Thurner-Syndrom, erfolgen Angioplastien mit Stentimplantation. Die Nachsorge erfolgt klinisch und sonografisch, um die Offenheit des Stents zu kontrollieren und das Risiko eines postthrombotischen Syndroms zu überwachen.

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Auch regionale Daten unterstreichen das Ausmaß der Erkrankung: Nach Angaben des Ludwig Boltzmann Instituts für Kardiovaskuläre Forschung erleiden in Österreich jährlich rund 10.000 Menschen eine Thrombose.

Die Fälle treten im Winter gehäuft auf, wofür Faktoren wie Gefäßverengung, Blutdruckanstieg, Bewegungsmangel, Atemwegsinfektionen, Luftverschmutzung und der Flüssigkeitshaushalt eine Rolle spielen.

Forscherin Alice Assinger, die zu Blutplättchen-Immunzell-Interaktionen forscht, verweist auf Ansätze zur gezielten Hemmung krankhafter Gerinnung ohne Störung der Blutstillung. Sie hebt hervor, dass auch die innere Uhr mit gerinnungsfördernden Effekten in den frühen Morgenstunden sowie Alter und Geschlecht das Risiko beeinflussen, wobei Männer ein höheres Rezidivrisiko tragen.

Jeder Schritt senkt das Komplikationsrisiko

Welchen messbaren Nutzen körperliche Aktivität in der Erholungsphase bringt, belegt eine im Journal of the American College of Surgeons veröffentlichte Auswertung von 1965 erwachsenen stationär operierten Patienten. Den Daten zufolge führen je zusätzliche 1000 Schritte täglich nach der Operation zu einer um 18 % geringeren Komplikationswahrscheinlichkeit.

Zudem sinkt das Risiko einer erneuten Hospitalisierung um 16 %, während sich die Krankenhausverweildauer um 6 % verkürzt. Diese Effekte blieben auch nach einer statistischen Bereinigung um Alter, Geschlecht und das individuelle Operationsrisiko bestehen.

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Prof. Timothy Pawlik vom Ohio State University Wexner Medical Center ordnete die Resultate ein und betonte, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keinen Kausalnachweis liefere. Eine Frühmobilisation finde in der klinischen Praxis meist innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff statt, hänge jedoch stets vom konkreten Zustand des Patienten ab.

Auf dem 80. Nationalkongress der italienischen Anästhesiegesellschaft Siaarti, dem Icare 2026, rückte ebenfalls die perioperative Betreuung in den Mittelpunkt. Laut Edoardo De Robertis von der Fachgesellschaft trage die perioperative Medizin maßgeblich dazu bei, Komplikationen zu reduzieren.

Als Kernpunkte nannte er das Konzept des Patient-Blood-Management zur Verringerung von Transfusionen, Prähabilitationsprogramme vor dem Eingriff, ein präziseres hämodynamisches Monitoring sowie den Einsatz zielgerichteter Anästhetika.

Vor dem Hintergrund anhaltend kritischer postoperativer Komplikationen könnten eine adäquate prä- und intraoperative Steuerung sowie eine engmaschige Überwachung die Inzidenz spürbar verringern.

Verhaltensempfehlungen für die häusliche Nachsorge

Neben der Frühmobilisation im Krankenhaus spielen klare Verhaltensregeln in der häuslichen Pflege eine wesentliche Rolle. Ein Ratgeber zur Fußpflege nach einer Hüftoperation empfiehlt Patienten, Zehennägel keinesfalls in einer bewegungswidrigen Haltung selbst zu schneiden, sondern frühzeitig Angehörige oder eine professionelle Fußpflege hinzuzuziehen.

Da es für die Wiederaufnahme der eigenständigen Fußpflege keine universelle Tagesangabe gibt, gelten die jeweiligen Vorgaben der behandelnden Klinik. Zu den ernsten Warnzeichen zählen neue einseitige Schwellungen, Wadenschmerzen, Auffälligkeiten an der Operationswunde, plötzlich kalte Füße, Fieber oder starke Ruheschmerzen.

Bei Symptomen wie Atemnot oder Brustschmerzen sollte unverzüglich der Notruf gewählt werden. Zudem wird geraten, Zehenzwischenräume gründlich zu trocknen, direkte heiße Wärmequellen zu meiden und das Operationsgebiet nicht selbst zu rasieren.

Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten nach Fußoperationen. Nach einer Hallux-valgus-Operation bestimmen die angewandten Verfahren wie Osteotomie, Arthrodese oder perkutane Techniken die zulässigen Belastungsregeln, für die der jeweilige Entlassungs- oder Operationsbericht verbindlich ist. Dabei bedeutet ein Vermerk über erlaubte Belastung häufig lediglich eine eingeschränkte Belastung.

Spezielle postoperative Schuhe müssen hinsichtlich Sitz, Verschluss und Sohlenstabilität regelmäßig überprüft und dürfen nicht eigenmächtig durch andere Modelle ersetzt werden.

Die Rückkehr zu normalem Schuhwerk erfolgt erst nach ärztlicher Freigabe. Bei Warnzeichen wie plötzlich kalten, blassen oder bläulich verfärbten Zehen, zunehmenden Schwellungen sowie einer erwärmten oder geröteten Wade ist umgehend ärztliche Hilfe einzuholen. Treten akute Brustschmerzen oder Atemnot auf, ist sofort der Notruf zu wählen.

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