Myokardinfarkt: Fünfte Definition ersetzt die bisherigen Typen 1 bis 5
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachgesellschaften haben die Kriterien zur Feststellung von Herzinfarkten grundlegend überarbeitet. Auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) stellte die Organisation gemeinsam mit dem American College of Cardiology (ACC), der American Heart Association (AHA) und der World Heart Federation (WHF) die fünfte universelle Definition des Myokardinfarkts vor.
Die Neufassung zielt darauf ab, den klassischen Myokardinfarkt und die reine Myokardschädigung im klinischen Alltag noch präziser voneinander abzugrenzen.
Drei neue Kategorien ersetzen frühere Subtypen
Die bisherige Einteilung in die Typen 1 bis 5 wird durch ein System aus drei übergeordneten Kategorien abgelöst.
Als primärer Myokardinfarkt werden künftig spontane Ereignisse klassifiziert. Hierzu zählen atherothrombotische Prozesse infolge einer Plaqueruptur oder Plaqueerosion, spontane Koronardissektionen, Embolien, Vasospasmen sowie Restenosen. Ebenso fallen Stentthrombosen und Bypassverschlüsse darunter, sofern diese mehr als 30 Tage nach einer vorangegangenen Revaskularisation auftreten.
Die zweite Kategorie bildet der sekundäre Myokardinfarkt. Dieser entsteht durch eine akute Erkrankung, die zu einem gravierenden Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf führt. Für diese Diagnose sind zwingend zusätzliche klinische Hinweise auf eine Ischämie erforderlich.
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Die dritte Kategorie umfasst prozedurbezogene Myokardinfarkte, die als Komplikationen im Rahmen kardialer Eingriffe innerhalb eines Zeitfensters von 30 Tagen auftreten. Eine wesentliche Neuerung in diesem Bereich ist der Verzicht auf starre Troponinschwellenwerte für die Diagnose.
Diagnostische Kriterien und geschlechtsspezifische Biomarker
Pathophysiologisch bleibt der Infarkt als das Absterben von Myokardzellen infolge einer anhaltenden Ischämie definiert. Der diagnostische Nachweis verlangt das Vorliegen einer akuten Myokardschädigung. Diese muss durch einen signifikanten Anstieg oder Abfall der Troponinwerte im Blut belegt sein, wobei mindestens ein Messwert die geschlechtsspezifische 99. Perzentile der oberen Referenzgrenze überschreiten muss.
Zusätzlich zu den Laborwerten muss mindestens ein klinisches Ischämiekriterium erfüllt sein. Dazu zählen typische Beschwerden, neu aufgetretene ischämische Veränderungen im EKG, pathologische Q-Zacken, der angiografische Nachweis einer akuten Koronarpathologie oder der bildgebende Nachweis eines neuen Verlusts vitalen Myokards beziehungsweise einer neu entstandenen regionalen Wandbewegungsstörung.
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Die Fachgesellschaften heben zudem die Bedeutung geschlechtsspezifischer Referenzwerte hervor. Bei Frauen liegt die 99. Perzentile für hochsensitives Troponin I und hochsensitives Troponin T auf einem niedrigeren Niveau als bei Männern, was bei der diagnostischen Bewertung zwingend berücksichtigt werden muss, um Unterdiagnosen zu vermeiden.
