Myna in Ubuntu 26.10: Transkription läuft lokal und ohne Cloud-Uploads
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 04:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deCanonical hat die neue Zwischenversion Ubuntu 26.10 mit dem Codenamen „Stonking Stingray“ freigegeben. Die Distribution erhält als reguläre Interim-Veröffentlichung neun Monate lang Unterstützung bis Juli 2027. Ein zentraler Schwerpunkt der neuen Ausgabe liegt auf der Einführung von Myna, einem optionalen Speech-to-Text-Agenten, der für Transkriptionen auf lokal ausgeführte Sprachmodelle setzt und vollständig ohne Cloud-Uploads auskommt.
Lokale KI-Spracherkennung und Zugänglichkeit
Mit Myna stellt Canonical eine erste Technologie-Vorschau für desktopbasierte Spracherkennung vor. Das System steht für amd64-Systeme unter GNOME und Wayland bereit und lässt sich auch unter Ubuntu 24.04 LTS sowie Ubuntu 26.04 LTS nutzen. Standardmäßig soll die Funktion ab der für Frühjahr 2028 geplanten Langzeitversion Ubuntu 28.04 LTS integriert sein.
Jon Seager, VP Ubuntu Engineering bei Canonical, bezeichnete Myna am 15. Oktober 2026 als ersten Meilenstein der hauseigenen KI-Roadmap und hob dabei die Barrierefreiheit als vorrangiges Entwicklungsziel hervor.
Myna ist in den Paketquellen enthalten, gehört jedoch nicht zum vorinstallierten Basissystem. Die Einrichtung lädt fast 1 GB an Abhängigkeiten und Sprachmodell-Dateien nach; das vollständige ISO-Abbild der Distribution umfasst 6? GB.
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In Testläufen mit LibreOffice 26.8 Writer unter Verwendung des Tastenkürzels Super+J zeigte sich die Erkennungsgenauigkeit bei der Nutzung eines USB-Headsets deutlich zuverlässiger als bei einem internen Laptop-Mikrofon. Satzzeichen oder weiterführende Sprachkommandos verarbeitet der Agent derzeit noch nicht.
Neuer Kernel, Desktop-Updates und modernisierte Basis
Ubuntu 26.10 wird mit GNOME 51 ausgeliefert, das unter anderem einen neuen Assistenten für das Fensterkacheln bietet. Als Unterbau dient der Linux-Kernel 7.3, der zum Releasezeitpunkt noch als Release Candidate 7 vorlag; ein Update auf die finale Kernel-Version soll folgen.
Der Kernel erweitert die Plattformunterstützung um Treiber für Intel Xe3P (Nova Lake), AMD Zen 6 sowie NVIDIA 615.x und liefert standardmäßige Unterstützung für das Lustre-Dateisystem.
Zusätzlich treibt Canonical die Modernisierung der Systembasis voran. Die Distribution vollzieht die Migration auf Rust-basierte uutils coreutils, während dbus-broker den bisherigen dbus-daemon als Standard ablöst.
Bei der Paketsignierung für APT-Repositories setzt Canonical nun auf das in Rust entwickelte Sequoia PGP anstelle von GnuPG. Quantensichere Token werden über openCryptoki nach dem Standard PKCS #11 V3.2 mit ML-DSA und ML-KEM unterstützt.
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Im Bereich der Unternehmensinfrastruktur bietet das System Integration für Microsoft Entra ID inklusive Multifaktor-Authentifizierung und passwortloser Anmeldung. Das auf Trusted Platform Modules basierende TPM-FDE wurde auf Geräte ohne Hardware Root of Trust ausgeweitet, bei denen nun PINs oder Passphrasen eingesetzt werden können.
Entwicklerwerkzeuge und Ausblick
Für KI- und Grafikanwendungen wurde ROCm auf Version 10.0 aktualisiert, was neuere Architekturen von AMD-Grafikprozessoren sowie vLLM und SGLang einschließt.
Die Software-Toolchain umfasst GCC 15.2.0, LLVM 22.1.6, Python 3.14.7, Rust 1.97.1 sowie Go 1.27. Für alternative Plattformen stellt das Projekt optimierte Desktop-Abbilder für RISC-V bereit, darunter für den SpacemiT K3 (RVA23), sowie ein angepasstes amd64v3-Installationsprogramm.
Die offizielle Variante Kubuntu 26.10 nutzt KDE Plasma 6.7.5, die letzte Version der Desktop-Umgebung mit X11-Unterstützung. Standardmäßig wird Wayland genutzt, während separate X11-Sitzungen nicht mehr vorinstalliert sind. Das folgende Release Ubuntu 27.04 mit dem Codenamen „Tenacious T-Rex“ ist für April 2027 geplant.
Mehr zum Thema bei Neowin: „Ubuntu 26.10 debuts Myna, a local AI voice agent named after a talking bird“
