Myelom-Therapie, CD38-Antikörper

Myelom-Therapie: CD38-Antikörper senken Risiko um 40-43%

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 01:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Heidelberg Pharma plant neue Studiendaten, während Dänemark VRd priorisiert und Analysen Vorteile moderner CD38-Kombinationen zeigen.

Multiples Myelom: Neue Therapiedaten und Streit um Standards
Ein modernes, steriles medizinisches Forschungslabor mit hochpräzisen Laborgeräten und gläsernen Gefäßen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung und Behandlung des Multiplen Myeloms, einer Krebserkrankung der Plasmazellen, steht im Fokus umfangreicher klinischer Bemühungen. In der medizinischen Fachwelt werden im Spätsommer und Herbst 2026 neue Erkenntnisse zur Therapie dieser Erkrankung erwartet, insbesondere für Patienten, bei denen bisherige Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg zeigten.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf innovativen Wirkstoffklassen und der Bewertung von Kombinations-therapien im Hinblick auf deren Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit.

Klinische Studien zu pamlectabart tismanitin

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Forschung betrifft die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Heidelberg Pharma plant im Rahmen der 23. Jahrestagung der International Myeloma Society (IMS), die vom 23. bis zum 26. September 2026 in Glasgow stattfindet, neue klinische Daten zu präsentieren. Das Unternehmen wird dabei Ergebnisse der Phase-I/IIa-Studie zum Wirkstoff pamlectabart tismanitin (HDP-101) vorstellen.

Die Daten, die unter anderem in einem Poster mit der Bezeichnung PA-216 am 23. September 2026 veröffentlicht werden, beziehen sich auf den Einsatz des Wirkstoffs bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom (RRMM).

Berichten zufolge wurde der erste Teil der Studie bereits abgeschlossen. Dabei konnte die empfohlene Dosis für die anschließende Phase-II-Untersuchung ermittelt werden. Die bisherigen Ergebnisse deuten auf eine Wirksamkeit bei Patienten hin, die bereits mehrere Vorbehandlungen erhalten haben.

Forschungsförderung und Kooperationen

Neben der industriellen Entwicklung spielen öffentlich geförderte Forschungsverbünde eine wesentliche Rolle bei der Erarbeitung neuer Therapieansätze. Der Zukunftscluster curATime befindet sich in seiner zweiten Förderphase, für die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) insgesamt 15 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren bereitstellt.

An diesem Vorhaben sind verschiedene Partner beteiligt, darunter die Universitätsmedizin Mainz, das Institut TRON sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Ein Schwerpunkt der Kooperation liegt auf der Verbindung von medizinischer Forschung und technologischer Expertise, wobei auch die Standortentwicklung am DFKI Kaiserslautern im Rahmen von Auftaktveranstaltungen der Förderphase thematisiert wurde.

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Kontroversen um Richtlinien und Kosten-Nutzen-Bewertungen

In der klinischen Praxis führt die Einführung neuer, hochpreisiger Therapien zunehmend zu Debatten über die Priorisierung von Behandlungsstandards. In Dänemark hat das Medicinrådet eine Neuregelung angekündigt, die ab dem 1. Oktober 2026 wirksam wird.

Das Gremium sieht vor, für mindestens 60 Prozent der Patienten, die nicht für eine Hochdosis-Therapie geeignet sind, eine Dreier-Kombination aus den Wirkstoffen Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (VRd) als Erstlinien-Behandlung zu priorisieren.

Diese Entscheidung trifft auf Kritik seitens Patientenvertretungen wie der Dänischen Myelom-Vereinigung (DMSG). Vertreter der Organisation, wie Ida Bruun Kristensen, weisen darauf hin, dass bei dieser Entscheidung wirtschaftliche Erwägungen gegenüber dem klinischen Nutzen im Vordergrund gestanden hätten.

Fachliche Analysen zeigen, dass modernere Vierer-Kombinationen, die auf CD38-Antikörpern basieren, das Risiko für Patienten deutlicher senken könnten. So wird die Risikoreduktion bei einer Kombination mit Isatuximab (Isa-VRd) auf 40 Prozent und bei Daratumumab (Dara-VRd) auf 43 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen VRd-Therapie beziffert.

Marktkontext und ökonomische Rahmenbedingungen

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Das Multiple Myelom bleibt eine Erkrankung mit erheblichem medizinischem Bedarf. Schätzungen für Österreich gehen von etwa 2.500 betroffenen Personen aus. Dies spiegelt sich auch in den Forschungsaktivitäten großer Pharmaunternehmen wider.

Branchenanalysen zufolge investiert beispielsweise Johnson & Johnson weltweit rund 13 Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung, was etwa 23 Prozent des Konzernumsatzes entspricht. Diese Investitionen unterstreichen die hohe Bedeutung, die der Entwicklung neuer Onkologika im aktuellen Marktumfeld beigemessen wird.

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