Muskelkraft: Stärkster Sterblichkeits-Prädiktor für Frauen ab 63
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 06:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Longevity gilt als eines der vielversprechendsten Wachstumsfelder – angetrieben durch den demografischen Wandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein.
Von Liegestützen bis zur Krähe-Pose
Pilates-Trainerin Christina Busse lebt vor, was viele anstreben. Die 59-Jährige verzichtet konsequent auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten. Stattdessen stehen Beeren, Gemüse und regelmäßiger Sport auf ihrem Programm.
Noch ambitionierter ist Bill Kober. Der 98-Jährige absolviert täglich 40 Liegestütze, Pilates und Yoga – inklusive der anspruchsvollen Krähe-Pose. Sein Credo: Wer körperliche Fähigkeiten nicht nutzt, verliert sie.
Krafttraining senkt Sterberisiko deutlich
Die Wissenschaft untermauert diese individuellen Ansätze mit harten Daten. Eine aktuelle Studie im British Journal of Sports Medicine mit 150.000 US-Krankenschwestern zeigt: Wer wöchentlich 90 bis 120 Minuten Krafttraining macht, senkt sein allgemeines Sterberisiko um 13 Prozent.
Besonders beeindruckend sind die Detailergebnisse:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: minus 19 Prozent
- Demenz: minus 27 Prozent
- Kombination mit 150 Minuten Ausdauertraining: bis zu 45 Prozent weniger Risiko
Forschungsergebnisse vom Februar 2026 belegen zudem: Muskelkraft ist der stärkste Sterblichkeits-Prädiktor für Frauen zwischen 63 und 99 Jahren. 90 Minuten Krafttraining pro Woche verjüngen die Telomere – die Schutzkappen der Chromosomen – um rechnerisch vier Jahre. Und schon eine halbe Stunde wöchentlich senkt das Diabetes-Risiko um 42 Prozent.
Fitness-Expertin Jessica Bock rät deshalb: „Der Fokus sollte stärker auf Muskelaufbau liegen, nicht nur auf Ausdauer." Muskeln erhöhen den Ruheenergieverbrauch und formen den Körper.
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Milliardengeschäft mit Risiken
Für Investoren ist Longevity ein Traummarkt. Dr. Alexandra Bause von Apollo Health Ventures sieht in hochwertigen Längsschnittdaten am Menschen den „größten bisher unentdeckten Wert der Branche". Künstliche Intelligenz helfe zudem bei der Entdeckung neuer Zielmoleküle und Biomarker.
Doch Bause warnt: „Der größte Risikofaktor sind übermäßiger Hype und unzureichend geprüfte Unternehmen."
Der Deutsche Wellness-Verband (DWV) geht noch weiter. Er warnt vor einer „impliziten Irreführung" durch den Longevity-Begriff. Viele Geschäftsmodelle entbehrten einer wissenschaftlichen Grundlage. Stattdessen empfiehlt der Verband eine Rückbesinnung auf Bewegung, Stressreduktion, gesunde Ernährung und soziale Bindungen.
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Krankenkassen investieren in Prävention
Die gesetzlichen Krankenkassen geben jährlich rund 218,4 Millionen Euro für Präventionskurse aus. Versicherte erhalten Zuschüsse zwischen 75 und 200 Euro pro Kurs – vorausgesetzt, die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) hat ihn zertifiziert. Besonders gefragt: Rückenfitness, Stressmanagement und Yoga.
Gesundheitsökonomen sehen diese Ausgaben als notwendige Investition, um langfristige Behandlungskosten zu senken.
Neue Trainingskonzepte entstehen parallel. In Singapur gibt es Parkour-Kurse speziell für 50- bis 70-Jährige. Ziel: Gleichgewicht schulen und Stürze vermeiden. Teilnehmer berichten von verbesserter Mobilität. Wissenschaftler mahnen jedoch zur Vorsicht – bei Vorerkrankungen wie Osteoporose müssten individuelle Risiken beachtet werden.
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