Muskelabbau im All: EMS-Training schützt Astronauten auf der ISS
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Weltraummedizin stellt der kontinuierliche Abbau von Muskelmasse und Knochendichte unter den Bedingungen der Mikrogravitation eine der zentralen Herausforderungen für die bemannte Raumfahrt dar.
Aktuelle Untersuchungen der Berliner Charité auf der Internationalen Raumstation (ISS) fokussieren sich nun auf innovative Ansätze, um diesen Gewebeverlust während Langzeitmissionen zu begrenzen. Im Zentrum der Forschung steht dabei die Frage, inwieweit der Einsatz von elektrischer Muskelstimulation (EMS) das herkömmliche Trainingsprogramm der Astronauten effektiv unterstützen kann.
Die EasyMotion-2-Studie im wissenschaftlichen Kontext
Das Forschungsprojekt, das unter dem Namen EasyMotion-2 geführt wird, nutzt gezielt die Technologie der elektrischen Muskelstimulation. Bei diesem Verfahren werden Muskelkontraktionen durch elektrische Impulse ausgelöst, was auch in der terrestrischen Physiotherapie und im Fitnesstraining Anwendung findet.
Die Forschenden der Charité untersuchen im Rahmen dieser Studie, ob diese zusätzliche Stimulation den physischen Verfall von Muskelgewebe in der Schwerelosigkeit signifikant verlangsamen oder sogar verhindern kann.
Bisherige Erkenntnisse aus der Raumfahrt zeigen, dass konventionelle Trainingsmethoden an Bord der ISS zwar essenziell sind, den Muskelabbau jedoch oft nicht vollständig kompensieren können. Die Integration von EMS-Training in den straffen Zeitplan der Besatzungsmitglieder soll hier als potenzielle Lösung evaluiert werden.
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Einsatz der EMS-Technologie durch ESA-Astronauten
Ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung umfasst die praktische Erprobung spezieller Stimulationsanzüge. Die Astronautin der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Sophie Adenot, absolvierte in diesem Zusammenhang seit dem 17. Juli ein intensives Programm. Über einen Zeitraum von sechs Wochen trainierte Adenot mit dem Stimulationsanzug, um die Auswirkungen auf ihre Muskulatur im Rahmen der Charité-Studie dokumentieren zu lassen.
Die methodische Anlage von EasyMotion-2 sieht eine breitere Datenbasis vor, um belastbare wissenschaftliche Aussagen treffen zu können. Den Planungen zufolge sollen mindestens acht Mitglieder der ISS-Besatzung an dem Forschungsprogramm teilnehmen.
Durch die Einbeziehung mehrerer Probanden über einen längeren Zeitraum wird angestrebt, individuelle Unterschiede in der körperlichen Reaktion auf die EMS-Behandlung zu neutralisieren und allgemeingültige Daten zur Wirksamkeit zu gewinnen.
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Langfristige Auswertung und Relevanz für künftige Missionen
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der gesammelten Daten wird einen erheblichen Zeitraum in Anspruch nehmen. Laut den Verantwortlichen der Charité werden die vollständigen Ergebnisse der Studie erst in einigen Jahren erwartet.
Diese Verzögerung resultiert aus der Notwendigkeit, die auf der ISS gewonnenen Parameter nach der Rückkehr der Astronauten zur Erde umfassend zu analysieren und mit den Kontrolldaten der Vor- und Nachuntersuchungen abzugleichen.
Die Erkenntnisse aus EasyMotion-2 könnten die medizinische Versorgung und das physische Vorbereitungstraining für zukünftige Deep-Space-Missionen, etwa zum Mars, maßgeblich beeinflussen.
Da bei solchen Unternehmungen die Rückkehr zur Erde und die damit verbundene medizinische Rehabilitation erst nach Jahren erfolgt, ist die Entwicklung hocheffizienter Methoden zur Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit eine Grundvoraussetzung für den Erfolg künftiger Explorationsprojekte.
