Musikstudium: 30% leiden unter Schmerzen, 27% unter Auftrittsangst
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Langes, intensives Üben, monotone Haltungen am Instrument und ein ausgeprägter Leistungsdruck auf der Bühne prägen häufig den Alltag in der professionellen Musikausbildung. Um den spezifischen Belastungen durch körperliche Überlastung und starkes Lampenfieber entgegenzuwirken, rückt die Universität Osnabrück die präventive Betreuung angehender Musikerinnen und Musiker in den Mittelpunkt.
Mit gezielten Maßnahmen sollen Studierende bereits während ihrer universitären Ausbildung Strategien erlernen, um ihre physische und psychische Gesundheit nachhaltig zu bewahren.
Belastungen im Musikstudium: Schmerzen und Auftrittsangst
Die Notwendigkeit systematischer Präventionsangebote lässt sich anhand empirischer Daten verdeutlichen. An der Universität Osnabrück dient eine Befragung von Musikstudierenden aus den Jahren 2016/2017 als wissenschaftliche Grundlage für entsprechende Initiativen. Wie Prof. Dr. Christoph Louven vom Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik darlegte, wiesen die damaligen Erhebungen auf deutliche gesundheitliche Risiken hin.
Demnach gaben in der Untersuchung rund 30 Prozent der befragten Studierenden an, unter musizierbedingten körperlichen Schmerzen zu leiden. Zudem berichteten rund 27 Prozent von einer leistungseinschränkenden Auftrittsangst.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass neben Muskel-Skelett-Problemen, hervorgerufen durch stundenlanges Proben, auch psychische Belastungen wie Versagensängste und Lampenfieber weit verbreitet sind und die Leistungsfähigkeit sowie das Wohlbefinden der Betroffenen spürbar beeinträchtigen können.
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Das Forschungsprojekt „Gesund musizieren“
Vor diesem Hintergrund entstand an der Universität Osnabrück das Forschungsprojekt „Gesund musizieren“. Das Vorhaben ist auf eine Laufzeit von rund 2,5 Jahren angelegt und wird von der Techniker Krankenkasse mit einer Fördersumme von 75.000 Euro unterstützt.
Inhaltlich bündelt das Projekt unterschiedliche Fachdisziplinen, um den komplexen Anforderungen an Musikergesundheit gerecht zu werden. Die Leitung liegt bei Prof. Dr. Christoph Louven.
Zum interdisziplinären Projektteam gehören darüber hinaus die Physiotherapeutin Heike Schemmann, die Expertise für den Bereich der körperlichen Prävention und Bewegungsausführung einbringt, sowie Dr. Judith Zimmermann, die sich auf die Schwerpunkte Stressmanagement und den konstruktiven Umgang mit Auftrittsangst spezialisiert hat.
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Gezielte Angebote und curriculare Verankerung
Im Rahmen der Initiative wird für rund 250 Musikstudierende der Universität Osnabrück ein breites Spektrum an Unterstützungsmöglichkeiten aufgebaut. Das Programm umfasst spezialisierte Lehrveranstaltungen, praktische Workshops und individuelle Beratungsangebote.
Die Teilnehmenden sollen auf diese Weise frühzeitig ergonomische Bewegungsabläufe verinnerlichen, körperlichen Fehlhaltungen vorbeugen und wirksame Methoden zur mentalen Stressbewältigung bei Konzerten und Prüfungen erlernen.
Ein zentrales Ziel des Vorhabens besteht darin, diese präventiven Maßnahmen nicht als temporäre Hilfestellung zu belassen. Die entwickelten Konzepte sollen dauerhaft im Curriculum der Studiengänge verankert werden, damit künftige Jahrgänge standardmäßig von Beginn ihrer universitären Laufbahn an für die berufsspezifischen Gesundheitsrisiken sensibilisiert und geschult werden.
