MUSICA: Österreich startet Supercomputer mit 45,11 Petaflops
04.07.2026 - 05:05:59 | boerse-global.de
Der neue Hochleistungsrechner zählt zu den Top 100 der Welt und soll Forschung und Wirtschaft beflügeln.
Österreich hat am 3. Juli 2026 seinen leistungsstärksten Supercomputer offiziell in Betrieb genommen. Das MUSICA genannte System bietet die achtfache Rechenleistung seiner Vorgänger VSC-4 und VSC-5 und katapultiert das Land in die Spitzengruppe der europäischen Forschungsinfrastruktur.
Technische Daten: Was MUSICA leistet
Die Hardware des neuen Supercomputers liest sich beeindruckend: 1.088 NVIDIA H100 SXM5-GPUs und 880 AMD EPYC-Prozessoren arbeiten auf 440 Rechenknoten zusammen. Die Spitzenleistung liegt bei 45,11 Petaflops – das sind 45,11 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.
Das System ist für zwei Welten ausgelegt: klassisches Hochleistungsrechnen und moderne KI-Anwendungen. Ein 12-Petabyte-NVMe-Flash-Speicher von MEGWARE und ein ultraschnelles NDR200 InfiniBand-Netzwerk sorgen für den rasanten Datentransfer zwischen den Komponenten.
Die Abwärme der dicht gepackten Hardware wird durch eine Direkt-Wasserkühlung von Lenovo abgeführt – eine Technologie, die den Energieverbrauch deutlich senkt.
Verteiltes Rechnen: Drei Standorte, ein System
Eine Besonderheit von MUSICA: Die Rechenleistung ist nicht zentralisiert, sondern auf drei österreichische Forschungsstandorte verteilt. Wien beherbergt 184 Knoten, Linz und Innsbruck jeweils 128 Knoten.
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Hinter dem Projekt steht ein Konsortium führender akademischer Einrichtungen: die TU Wien, die Universität Wien, die Universität Innsbruck, die TU Graz, die JKU Linz, die Universität für Bodenkultur (BOKU) und das Institute of Science and Technology Austria (ISTA).
Während Universitäten den Rechner kostenlos nutzen können, steht er auch Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen offen – allerdings gegen Nutzungsgebühr.
Quantenintegration und Finanzierung
Die Gesamtinvestition beträgt rund 36 Millionen Euro. Davon stammen 20 Millionen Euro von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms „Quantum Austria" und der EU-Aufbau- und Resilienzfazilität. Weitere 16 Millionen Euro steuerte das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) bei.
Spannend ist die Kopplung mit dem OTTER-Quantencomputer in Innsbruck. Das 20-Qubit-System erhielt neun Millionen Euro Fördermittel für die Integration in die HPC-Umgebung. Die Kombination klassischer und quantenbasierter Rechenleistung gilt als zukunftsweisend.
Forschungspolitischer Meilenstein – mit offenen Fragen
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Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner bezeichnete die Inbetriebnahme als „Meilenstein für den Forschungsstandort Österreich". Doch die Begeisterung ist nicht ungetrübt. Andreas Rauber, Leiter des Austrian Scientific Computing (ASC), mahnte: „Wir brauchen verlässliche Betriebsmittel, damit das System sein volles Potenzial entfalten kann."
Auch Gregor Weihs warnte vor möglichen Budgetkürzungen, die die Weiterentwicklung der Quantenkomponenten gefährden könnten. Die Frage nach der langfristigen Finanzierung bleibt also vorerst offen – ein bekanntes Problem in der Hochleistungsrechner-Landschaft.
