Mundstück statt Zahnbürste: Ultraschall soll bis zu 99 Prozent reinigen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Dresdner Start-up arbeitet unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik an einer grundlegenden Neuerung der Mundhygiene. Das Unternehmen entwickelt ein spezielles Mundstück, das nach dem Prinzip eines winzigen Hochdruckreinigers funktioniert und das herkömmliche Zähneputzen auf lange Sicht überflüssig machen soll.
Wie welt.de am 10. Oktober 2026 berichtete, setzt das System auf Ultraschalltechnik, um Zahnbelag schnell und berührungslos von den Zahnoberflächen zu entfernen.
Ultraschall und kollabierende Dampfbläschen
Das Funktionsprinzip der Neuentwicklung beruht auf physikalischen Effekten im Mikrobereich: Im Mundstück erzeugt Ultraschall mikroskopisch kleine Dampfbläschen innerhalb einer Reinigungsflüssigkeit. Wenn diese Bläschen kontrolliert in sich zusammenfallen, entsteht ein feiner, energetischer Flüssigkeitsstrahl. Dieser mechanische Impuls reicht nach Angaben der Entwickler aus, um Plaque und bakterielle Beläge wirkungsvoll von den Zähnen abzulösen.
Nach Angaben der Entwickler soll das System in der Lage sein, bis zu 99% der Zahnoberflächen zu reinigen. Dabei handelt es sich allerdings ausdrücklich um Laborwerte. Erste Tests mit einem funktionstüchtigen Prototyp wurden bereits durchgeführt. Das Unternehmen peilt einen regulären Marktstart des Systems für Anfang 2027 an.
Potenzial für Pflege und Medizin
Besonderes Interesse weckt das Konzept für Bereiche, in denen die eigenständige Mundhygiene stark erschwert ist. Als zentraler Vorteil gilt die einfache und zeitsparende Anwendung bei Menschen, die ihre Zähne nicht eigenständig oder nicht ausreichend gründlich putzen können.
Das Dresdner Mundstück soll Plaque berührungslos lösen und bis Anfang 2027 auf den Markt kommen — bislang aber nur mit Laborwerten. Wer als Pflegeentscheider oder Investor früh bewerten will, ob die Technik trägt, braucht eine klare Prüfroutine. Der kostenlose Leitfaden liefert eine Marktreife-Checkliste für Medizintechnik-Startups und fünf Kriterien zur Bewertung klinischer Studien. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Dazu zählen insbesondere Intensivpatienten im klinischen Umfeld sowie Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. In solchen Pflegesituationen stellt die tägliche Prophylaxe oft eine erhebliche personelle und praktische Herausforderung dar.
Zahnmedizinische Fachwelt äußert Vorbehalte
Trotz der vielversprechenden Ansätze stößt die Technologie bei Experten auf Zurückhaltung. Sebastian Paris, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin an der Berliner Charité, wies darauf hin, dass es für das System bislang an belastbaren klinischen Studien fehle.
Der Wert von bis zu 99% bereinigter Oberfläche spiegele lediglich Laborbedingungen wider und lasse sich nicht ohne Weiteres auf den menschlichen Mundraum übertragen.
In Klinik und Pflege scheitert die tägliche Mundhygiene oft am Personal, nicht am Willen — Zahnbürsten erreichen nicht jede Fläche, und bei eingeschränkten Patienten fehlt die Zeit. Ein Pflege-Protokoll macht die Prophylaxe planbar, unabhängig davon, wann neue Technik marktreif wird. Der kostenlose Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die Mundhygiene im Pflegealltag organisieren. Pflege-Protokoll jetzt herunterladen
Zudem äußerte Paris Zweifel an der physikalischen Reichweite des Verfahrens: Mit einem Abstand von etwa 1 cm zwischen dem Mundstück und dem Zahnbelag könnten die Zwischenräume schlicht zu groß sein, als dass der durch den Kollaps der Bläschen ausgelöste Flüssigkeitsstrahl seine volle Reinigungskraft entfalten könne.
Unabhängig von technischen Neuerungen blieben der regelmäßige Einsatz von Fluorid-Zahnpasta und eine zahngesunde Ernährung weiterhin die entscheidenden Säulen einer wirksamen Kariesprävention.

