Mundläsionen, KI-System

Mundläsionen: KI-System mit Gemini 2.5 Pro erreicht 97,1 Prozent Genauigkeit

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien prüfen KI und neue Bluttests für die Früherkennung; Kliniken nutzen zudem robotische Systeme und digitale Modelle.

KI in der Medizin: Studien zeigen Fortschritte bei Krebsdiagnostik und Früherkennung
Ein klinischer Untersuchungsraum mit medizinischer Ausstattung in einer sterilen, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Künstliche Intelligenz verändert zunehmend, wie Ärztinnen und Ärzte Krankheiten frühzeitig erkennen und behandeln. Von Mundschleimhautveränderungen über Hautkrebs bis zu Bauchspeicheldrüsenkarzinomen: Mehrere aktuelle Studien und klinische Projekte zeigen, dass KI-Systeme in der Diagnostik zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang menschlicher Erfahrung vorbehalten waren. Gleichzeitig setzen Kliniken verstärkt auf robotergestützte minimalinvasive Verfahren, um Eingriffe präziser zu gestalten.

KI erkennt Mundläsionen mit hoher Genauigkeit

Ein von der Universität Sassari koordiniertes internationales Forschungsteam hat einem Bericht vom 25. September 2026 zufolge ein multimodales KI-System auf Basis von Gemini 2.5 Pro zur Erkennung von Mundschleimhautveränderungen entwickelt.

In einer prospektiven, multizentrischen Studie mit 350 Patienten aus 20 Universitätskliniken und Krankenhäusern in Italien, Belgien, Frankreich, Spanien und Israel wurden die Diagnosen histologisch verifiziert.

Das System erreichte laut der in „Otolaryngology–Head and Neck Surgery" veröffentlichten Arbeit eine Gesamtgenauigkeit von 97,1 Prozent bei der Unterscheidung maligner und benigner Läsionen.

Ein explorativer Vergleich mit menschlichen Fachkräften ergab unterschiedliche Trefferquoten: Allgemeinmediziner erreichten 72,5 Prozent, Zahnärzte 78,2 Prozent, Spezialisten für orale Pathologie 87,4 Prozent und erfahrene Kopf-Hals-Chirurgen 99,4 Prozent.

Ziel der Forschenden ist eine frühere Erkennung und schnellere Überweisung von Patienten sowie perspektivisch die Integration in Telemedizin und Triage-Prozesse, sobald weitere Validierungen abgeschlossen sind. Finanziert wird das Projekt über das PNRR-Programm und NextGenerationEU im Rahmen des Vorhabens e.INS, bei dem die Universität Sassari als Spoke Leader fungiert.

Bluttests als neues Werkzeug gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Auch bei schwer diagnostizierbaren Tumoren zeichnen sich Fortschritte ab. Ein internationales Team unter Leitung des Krebszentrums City of Hope hat einem Bericht vom 25. September 2026 zufolge den Bluttest „Panxeon" entwickelt, der in einer Studie mit fast 1800 Teilnehmern aus den USA, Europa und Asien getestet wurde.

Der in „Nature Medicine" veröffentlichten Studie zufolge gelang der Nachweis von Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium 1 und 2 in knapp 87 Prozent der Fälle. Der Test kombiniert drei Marker: frei zirkulierende microRNAs, microRNAs aus Exosomen und das Protein CA19-9 als Risikoscore.

Hochgradige Dysplasien wurden in mehr als 64 Prozent der Fälle identifiziert, während die Falsch-positiv-Rate in Niedrigrisikogruppen bei rund 3 Prozent lag, in Hochrisikogruppen jedoch deutlich höher ausfiel. Die Forschenden betonen, dass der Test derzeit kein Ersatz für bildgebende Verfahren ist, sondern ein zusätzliches Diagnosewerkzeug darstellt.

Ein weiteres internationales Forschungsteam berichtete unabhängig davon von einem Bluttest, der eine Signatur aus zehn spezifischen microRNAs mit dem Tumormarker CA 19-9 kombiniert. In einer Studie mit 1.785 Teilnehmern aus vier Ländern habe sich Pankreaskrebs im Frühstadium mit hoher Genauigkeit nachweisen lassen – ein klinisch etablierter Bluttest zur Früherkennung dieser Krebsart habe bislang gefehlt.

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Hautkrebs, Lungenmetastasen und Vorhofflimmern im Fokus

An der Universitätsklinik für Dermatologie des AKH Wien und der MedUni Wien kommt ein Ganzkörper-Bildgebungssystem zum Einsatz, das in Sekunden fast die gesamte Hautoberfläche in Macro-Auflösung erfasst, ergänzt durch ein digitales Handgerät für Detailaufnahmen in 15- bis 200-facher Vergrößerung.

Ein integriertes KI-Bewertungssystem, trainiert mit mehr als 66.000 von Ärztinnen und Ärzten kommentierten Bildern, zeigte in klinischen Studien eine hohe Genauigkeit bei der Unterscheidung von Melanomen von anderen Hautläsionen. Das System lässt sich auch für Psoriasis, Vitiligo, Lymphödeme und Verbrennungen einsetzen.

Klaus-Robert Müller von der TU Berlin erforscht ein neuronales Netz, das epigenetische Methylierungsmuster der DNA liest, um bei Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Karzinom und späterem Lungenbefund zwischen Metastase und neu entstandenem Lungenkrebs zu unterscheiden.

Ohne KI-Unterstützung sei diese Unterscheidung kaum besser als der Zufall gewesen, mit KI gelinge sie in 92 Prozent der Fälle – die letzte Entscheidung liege jedoch weiterhin beim Tumor-Board. Eine Übertragung auf andere Krebstypen sei nur bedingt möglich, da bei seltenen Tumoren oft zu wenige Daten zum Trainieren der Modelle vorlägen.

An der Med Uni Graz erstellte ein internationales Forscherteam ein Computermodell, mit dem Screening- und Früherkennungsmethoden für Vorhofflimmern erforscht wurden. Es gilt als erstes Modell seiner Art, das Entwicklung und Progression der Erkrankung auf individueller und Bevölkerungsebene über die gesamte Lebenszeit simulieren kann und dabei pathophysiologische Mechanismen wie das durch Vorhofflimmern induzierte Remodelling integriert. Das Modell soll als Grundlage für die Analyse von Screeningstrategien und Behandlungsansätzen wie der Antikoagulationstherapie dienen.

Kanadische Forschende wiesen zudem darauf hin, dass Low-Dose-CT-Untersuchungen nicht nur Lungenkarzinome im Frühstadium erkennen, sondern gleichzeitig die Verkalkung der Koronararterien einschätzen können – ein unabhängiger Vorhersagefaktor für Todesfälle unterschiedlicher Ursachen, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Derzeit würden jedoch nur etwa 25 Prozent der Betroffenen im Frühstadium erkannt.

Robotik ergänzt die Diagnostik in der Klinik

Parallel zur diagnostischen KI setzen Kliniken verstärkt auf robotergestützte Verfahren. Am Uniklinikum Heidelberg ist eine neue „Robotic Surgery Suite" mit Kosten von rund 1,6 Millionen Euro im Einsatz, die Live-Bildgebung, digitale Navigation und robotische Unterstützung im Operationssaal verbindet. Sie kommt bei Eingriffen an Gehirn, Wirbelsäule und Schädelbasis zum Einsatz und ermöglicht millimetergenaue Planung sowie Echtzeit-Kontrolle.

Seit ihrer Inbetriebnahme wurde die Suite bei rund 150 Operationen eingesetzt und gilt als fest etabliert in der klinischen Routine; als Teil des Schädelbasiszentrums steht sie auch der HNO-Klinik sowie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zur Verfügung.

Seit September 2026 nutzt zudem die Paracelsus-Klinik Schöneck einem Bericht vom 24. September 2026 zufolge einen Operationsroboter auch bei kleineren Eingriffen am Knie, um die Versorgung von Teilprothesen genauer und individueller zu gestalten.

Digitale Transformation im Gesundheitswesen

Auf einer PwC-Veranstaltung in Berlin wurde deutlich, dass KI bereits breit für administrative und Dokumentationsaufgaben bei Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäusern und Arztpraxen genutzt wird.

ABDA-Präsident Preis berichtete, Apotheken setzten KI vor allem im Warenlagermanagement mit 10.000 bis 15.000 Produkten je Apotheke ein, jedoch nicht in Bereichen mit direktem Patientenkontakt. Laut KBV-Vertreter Stachwitz ist KI in radiologischen Praxen längst im Einsatz, wobei die letzte Kontrolle durch Menschen vorgeschrieben bleibt.

BKG-Vertreter Engehausen berichtete von KI-gestützter Abrechnung in Krankenhäusern und erwartet, dass die Branche in 12 Monaten sehr viel weiter sei. In Brandenburg ist bis 2030 ein digitaler Datenraum für rund 500.000 Patienten geplant, während die IKK Classic Testphasen von sechs bis zwölf Monaten vor der Einführung in die Regelversorgung durchläuft.

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Offene Fragen bei etablierten Screening-Programmen

Trotz technischer Fortschritte bleiben grundlegende Fragen zur Krebsfrüherkennung offen. Prof. Carola Berking vom DKFZ verweist darauf, dass heller Hautkrebs die häufigste Krebsart in Deutschland ist, während schwarzer Hautkrebs oft tödlich verläuft – die bestehenden Früherkennungsprogramme stünden auf dem Prüfstand, unter anderem hinsichtlich der Frage, wie KI künftig unnötige Operationen vermeiden könnte.

Prof. Peter Albers vom DKFZ hält die Tastuntersuchung der Prostata für ungeeignet zur Früherkennung und fordert ein organisiertes, risikoadaptiertes Screening auf Basis eines PSA-Tests ab dem 50. Lebensjahr.

Auch bei diabetischer Retinopathie zeigt sich Handlungsbedarf: Laut Deutschem Gesundheitsportal ist etwa jeder vierte Mensch mit Typ-1-Diabetes und 10 bis 15 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes betroffen; bei bis zu 16 Prozent aller Typ-2-Diabetiker bestehen bereits bei Diagnosestellung Netzhautveränderungen.

Moderne Fundusfotografie mit KI-Unterstützung kann behandlungsbedürftige Veränderungen frühzeitig identifizieren, ergänzend zu etablierten Kontrollintervallen und Risikofaktoren wie langer Diabetesdauer, Bluthochdruck oder Rauchen.

Die Vielzahl der Projekte zeigt: KI-gestützte Früherkennung entwickelt sich in nahezu allen medizinischen Disziplinen parallel weiter – von der Onkologie über die Kardiologie bis zur Ophthalmologie. Ob sich die vielversprechenden Studienergebnisse tatsächlich in den klinischen Alltag übertragen lassen, hängt jedoch von weiterer Validierung, regulatorischen Freigaben und der Integration in bestehende Versorgungsstrukturen ab.

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