Mundbakterien: Paare teilen 44% ihrer Mundflora durchs Küssen
18.06.2026 - 08:53:23 | boerse-global.de
Das belegt eine Studie der Universität Trient, die Mitte Juni im Fachjournal „Cell Press Blue“ erschienen ist. Die Forscher analysierten 1.644 Proben von 808 Personen aus 207 Haushalten in Italien und auf den Fidschi-Inseln. Ergebnis: Wer unter einem Dach lebt, hat durchschnittlich 19 Prozent der Darmmikroben und 26 Prozent der Mundmikroben gemeinsam.
Besonders Paare tauschen Bakterien aus
Die Übertragung läuft vor allem über engen sozialen Kontakt. Bei Paaren liegt die Übereinstimmung der Mundbakterien bei rund 44 Prozent – die Forscher führen das unter anderem aufs Küssen zurück. Zum Vergleich: Bei getrennt lebenden Personen beträgt die Gemeinsamkeit der Darmmikroben nur sechs Prozent. Im Mundbereich gibt es dann praktisch keine Übereinstimmungen mehr.
Anzeige: Wer mit seinem Partner zusammenlebt, teilt nicht nur den Alltag, sondern auch 44% der Mundbakterien – darunter krankheitsassoziierte Stämme wie Sellimonas intestinalis. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bakterien besonders ansteckend sind und wie Sie Ihr Mikrobiom aktiv stärken. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
Die zeitliche Dynamik unterscheidet sich je nach Körperregion. Mundbakterien ersetzen sich mit einer Rate von 14,7 Prozent schneller, Darmbakterien mit 5,8 Prozent deutlich langsamer. Ein Nebenbefund: Die Forscher identifizierten eine neue Unterart im Mundraum namens B. longum subsp. nexti. Zudem wandern Mundbakterien wie Streptococcus salivarius regelmäßig in den Darm.
Diese Bakterien sind besonders ansteckend
Die Studie identifizierte 27 von 197 untersuchten Darmbakterien-Arten als hochgradig übertragbar. Besonders relevant ist Sellimonas intestinalis – diese Spezies ist mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Generell stehen leicht übertragbare Darmmikroben häufig mit Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang. Bei Mundmikroben fanden die Forscher eine Assoziation mit Darmkrebs.
Anzeige: Wussten Sie, dass nützliche Bakterien weniger übertragbar sind als schädliche? Die aktuelle Studie identifiziert 27 hochgradig übertragbare Darmbakterien – darunter solche, die mit Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen. Erfahren Sie in 3 Schritten, wie Sie Ihr Mikrobiom schützen. Mikrobiom-Schutz jetzt herunterladen
Ein interessanter Nebenbefund: Nützliche Bakterien sind tendenziell weniger übertragbar als jene mit gesundheitlichen Risiken. Die Autoren betonen jedoch, dass es sich um Assoziationen handelt – nicht um einen direkten Beleg für Kausalität.
Neue Therapieansätze in Sicht
Die Erkenntnisse könnten die Medizin voranbringen. Experten sehen Potenzial für Stuhltransplantationen: Wer versteht, welche Mikroben sich stabil ansiedeln, kann Spenderprofile gezielter auswählen. Auch Probiotika der nächsten Generation könnten profitieren. Wenn bekannt ist, welche Bakterienstämme hohe Übertragungsraten haben, lassen sich Therapien entwickeln, die das Mikrobiom langfristig verändern. Die Studie liefert dafür die wissenschaftliche Grundlage.
