Multitasking im Job: Aufgabenwechsel bremsen die Arbeit um bis zu 60 Prozent
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Fachberichte verdeutlichen die gravierenden Auswirkungen ständiger Aufgabenwechsel auf die kognitive Leistungsfähigkeit.
Entgegen der Annahme, mehrere komplexe Tätigkeiten gleichzeitig bewältigen zu können, verarbeitet das menschliche Gehirn anspruchsvolle Anforderungen sequenziell. Das fortwährende Hin- und Herschalten zwischen Projekten mindert die Arbeitsqualität, verlangsamt die Abläufe und erhöht das Risiko für chronischen Stress sowie Burnout.
Neurologische Hürden und kognitive Überlagerung
Das Gehirn ist darauf ausgelegt, stets nur eine geistig fordernde Aufgabe zur selben Zeit zu bearbeiten. Was im Arbeitsalltag häufig als Multitasking bezeichnet wird, erweist sich neurobiologisch als rasches Umschalten zwischen verschiedenen Reizen. Dieser Prozess bindet neuronale Ressourcen, verringert die Reaktionsgeschwindigkeit und führt zu schnellerer Ermüdung sowie einer höheren Fehleranfälligkeit beim Lösen von Problemen.
Eine am 10. September 2026 im Fachjournal Nature Neuroscience erschienene Untersuchung unter der Leitung von Marlene Cohen und Erstautor Cheng Xue von der University of Chicago untermauert diese Einschränkungen.
Die von der Simons Foundation und den National Institutes of Health geförderte Studie zeigte, dass die kognitive Genauigkeit sinkt, sobald Unsicherheit über anzuwendende Handlungsregeln besteht. In solchen Situationen kommt es zu einer Überlagerung, bei der irrelevante Informationen die relevanten Reize im Gehirn überdecken.
Zeitverluste durch ständige Unterbrechungen
Dass wiederholte Ablenkungen die Produktivität beeinträchtigen, belegen auch langjährige Vorarbeiten. Bereits im Jahr 2009 wiesen Forscher der Stanford University in den Proceedings of the National Academy of Sciences nach, dass Personen mit starkem Hang zum Multitasking bei der Informationsfilterung, im Arbeitsgedächtnis und beim Aufgabenwechsel schlechter abschnitten als Vergleichsgruppen. Die American Psychological Association stellte zudem fest, dass jeder Tätigkeitswechsel messbare Zeit kostet – insbesondere bei komplexen Inhalten.
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Erhebungen der University of California, Irvine unter Beteiligung von Gloria Mark veranschaulichen das Ausmaß im Büroalltag: Demnach werden Wissensarbeiter durchschnittlich alle elf Minuten in ihrer Arbeit unterbrochen.
Nach einer solchen Störung dauert es rund 25 Minuten, bis wieder eine tiefe Konzentrationsphase erreicht wird. Die Neurowissenschaftlerin Sahar Yousef von der University of California, Berkeley erläuterte Mitte Oktober 2026, dass ständige Aufgabenwechsel die Arbeitsgeschwindigkeit um bis zu 60 Prozent reduzieren können.
Mentale Belastung und Methoden für mehr Fokus
Der permanente Fokuswechsel belastet vor allem den dorsolateralen präfrontalen Cortex, der für die Steuerung der Aufmerksamkeit zuständig ist. Eine parallele Aktivierung der Amygdala kurbelt zudem die Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin an. Aus diesem Zusammenspiel kann ein Kreislauf aus sinkender Leistungsfähigkeit und Anspannung entstehen, der langfristig Erschöpfungszustände und Schlafprobleme begünstigt.
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Um kognitiver Überlastung vorzubeugen, raten Fachleute zu einer bewussten Arbeitsorganisation mit klar definierten Prioritäten. Sahar Yousef empfiehlt, den Arbeitstag auf ein bis drei zentrale Hauptaufgaben zu fokussieren, mindestens sieben Stunden Schlaf einzuhalten und gezielte Konzentrationsphasen zu nutzen, die den Arbeitsertrag verdoppeln können.
In Laborexperimenten zeigte sich zudem, dass die Umstellung des Smartphones auf Graustufen über einen Zeitraum von drei Wochen zu einem Rückgang der täglichen Gerätenutzung um durchschnittlich eine Stunde führte. Weitere Entlastung schaffen feste Zeitfenster für E-Mails, das bewusste Platzieren digitaler Geräte außerhalb des Blickfelds sowie kurze Bewegungspausen im Tagesverlauf.
