Multiples Myelom: 74% Ansprechrate bei neuer Wirkstoff-Kombination
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung des Multiplen Myeloms hat durch intensive klinische Forschung und die Verfügbarkeit innovativer Therapieansätze in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Während vor 20 Jahren die Überlebenszeit betroffener Patienten oft nur wenige Jahre betrug, hat sich die medizinische Prognose und die Lebensqualität durch neue Behandlungsformen signifikant verbessert.
Aktuelle Versorgungslage und Forschungstätigkeit
In Österreich sind nach Daten der Statistik Austria rund 2.500 Personen an einem Multiplen Myelom erkrankt. Die therapeutische Landschaft hat sich in diesem Bereich stark differenziert. Nach Angaben von J&J Innovative Medicine sind derzeit zirka 40 verschiedene Therapieoptionen in Österreich zugelassen.
Um diese Basis weiter zu verbreitern, treibt das Unternehmen die klinische Entwicklung voran und führt allein im Jahr 2025 mehr als 30 klinische Studien durch. Ziel dieser Bemühungen ist es, die Langzeitprognosen für Patienten weiter zu optimieren.
Erfolge bei hochresistenten Krankheitsverläufen
Ein im Jahr 2026 in den Annals of Hematology veröffentlichter Fallbericht dokumentiert die Wirksamkeit neuer Wirkmechanismen selbst bei komplexen Krankheitsbildern. Eine 73-jährige Patientin, die als triple-class refraktär galt und zudem eine leptomeningeale Beteiligung des zentralen Nervensystems aufwies, konnte erfolgreich behandelt werden.
Nach sechs vorangegangenen Therapielinien und zwei autologen Stammzelltransplantationen wurde eine Kombination aus dem BCMA-bispezifischen Antikörper Elranatamab und einer intrathekalen Therapie mit Methotrexat und Dexamethason eingesetzt.
Die Patientin erreichte eine komplette Remission, die über einen Zeitraum von 18 Monaten anhielt. Während der Behandlung traten laut dem Bericht weder ein Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) noch Neurotoxizitäten auf.
Ergebnisse aktueller klinischer Prüfphasen
Bei triple-class refraktärem Verlauf und leptomeningealer Beteiligung fehlen oft belastbare Optionen. Der Fallbericht zu Elranatamab plus intrathekaler Therapie und die CERVINO-Daten zu Etentamig zeigen, welche Kombinationen bei hochresistenten Verläufen greifen. Kostenlosen Fach-Report jetzt anfordern
Neue Daten aus der Phase-3-Studie CERVINO (NCT06158841) unterstreichen das Potenzial des Wirkstoffs Etentamig (ABBV-383). An der Untersuchung nahmen 393 Patienten teil, die im Median bereits drei Vortherapien erhalten hatten. Die Auswertung ergab eine objektive Ansprechrate (ORR) von 74,0 % für Etentamig im Vergleich zu 45,7 % in der Kontrollgruppe.
Die statistische Analyse der Studie zeigt eine Risikoreduktion hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens (PFS) von 60 % (HR 0,40). Nach einem medianen Follow-up von 11,4 Monaten lag die 12-Monats-Gesamtüberlebensrate bei 87,9 % gegenüber 72 % im Vergleichsarm.
Nebenwirkungen wie das Zytokin-Freisetzungssyndrom wurden bei 28,3 % der Probanden beobachtet, wobei diese überwiegend dem Schweregrad 1 zugeordnet wurden.
Parallel dazu liefert die Phase-1-Studie CT0590 (NCT05066022) Erkenntnisse zu allogenen CAR-T-Zelltherapien. In einer kleinen Kohorte von fünf Patienten sprachen drei Probanden auf die Behandlung an, zwei davon erreichten eine stringente komplette Remission.
Ein Patient mit einem rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM) verzeichnete eine Remissionsdauer von über 23 Monaten. Die CAR-T-Expansion erreichte Werte von über 280.000 Kopien pro Mikrogramm genomischer DNA, ohne dass Fälle von Transplantat-gegen-Wirt-Reaktionen (GVHD) auftraten.
Perspektiven der Diagnostik und Frühintervention
Unter rund 40 zugelassenen Therapieoptionen die passende für den einzelnen Patienten zu wählen, wird zunehmend komplex. Ein kompakter Leitfaden bündelt CERVINO-Daten, BCMA-Kombinationen und MRD-Diagnostik zu einer Entscheidungsgrundlage für Ihren Alltag. Leitfaden jetzt anfordern
Die künftige Entwicklung der Myelom-Therapie steht auch im Zentrum der Jahrestagung der Fachgesellschaften DGHO, OeGHO, SGMO und SGH, die vom 9. bis zum 12. Oktober 2026 in Wien stattfindet. Im Fokus der Experten stehen dabei moderne diagnostische Verfahren wie das Next-Generation Sequencing (NGS), Liquid Biopsy sowie die Messung der minimalen Resterkrankung (MRD).
Zudem werden Strategien zur Frühintervention bei Vorstufen der Erkrankung, wie der klonalen Hämatopoese oder dem schwelenden Multiplen Myelom (SMM), sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der klinischen Entscheidungsfindung diskutiert.
