Multiple, Sklerose

Multiple Sklerose: Remibrutinib senkt Schubrate um 35 Prozent

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Phase-3-Studien zeigen weniger Schübe und MRT-Aktivität als Teriflunomid; Novartis plant weltweite Zulassungsanträge.
Moderne, minimalistische Laborumgebung mit Glasgeräten auf einer Edelstahloberfläche in kühlem, hellem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der klinischen Entwicklung neuer Therapien gegen schubförmige Multiple Sklerose (RMS) liegen neue Daten vor: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis verzeichnete in den beiden Zulassungsstudien REMODEL-1 und REMODEL-2 das Erreichen des primären Endpunkts für den Wirkstoff Remibrutinib (Rhapsido).

Die am 23. Oktober 2026 im Fachjournal The Lancet veröffentlichten und auf dem Fachkongress MSToronto2026 präsentierten Ergebnisse belegen eine messbare Dämpfung der Krankheitsaktivität im Vergleich zum etablierten Standardmedikament Teriflunomid.

Signifikante Reduktion von Schüben und Krankheitsaktivität

Die von Novartis finanzierten Studien umfassten jeweils rund 2.000 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose und einem Behinderungsgrad (EDSS) von 0,0 bis 5,5 an 407 Zentren in 46 Ländern. Getestet wurde eine Dosierung von 100 mg Remibrutinib gegenüber Teriflunomid.

Remibrutinib senkte die jährliche Schubrate gegenüber dem Vergleichspräparat in den beiden Untersuchungen um 35,2 Prozent beziehungsweise 31,2 Prozent. Dies entspricht rechnerisch einer Rate von etwa einem Schub alle 13 Jahre. Die absoluten Schubraten lagen in REMODEL-1 bei 0,073 gegenüber 0,112 und in REMODEL-2 bei 0,080 gegenüber 0,116 unter Teriflunomid.

Auch bei den Bildgebungsmarkern im MRT zeigten sich deutliche Unterschiede: Neue oder vergrößerte T2-Läsionen verringerten sich um 65 Prozent beziehungsweise 70 Prozent (0,94 gegenüber 2,71 in REMODEL-1 sowie 0,82 gegenüber 2,77 in REMODEL-2). Kontrastmittelanreichernde Gd+T1-Läsionen gingen um 66 Prozent zurück (0,08 gegenüber 0,24 sowie 0,07 gegenüber 0,21).

Den Status NEDA-3, der das Ausbleiben von Schüben, Behinderungsprogression und MRT-Aktivität beschreibt, erreichten 55,0 Prozent der Behandelten unter Remibrutinib im Vergleich zu 32,1 Prozent unter Teriflunomid. Der Biomarker sNfL sank um 9,0 Prozent (11,57 gegenüber 12,73) beziehungsweise um 7,0 Prozent (12,05 gegenüber 13,00).

Zudem blieben über 92 Prozent der Patienten unter Remibrutinib über einen Zeitraum von 24 Monaten frei von einer Krankheitsprogression. Bei der über sechs Monate bestätigten Behinderungsprogression (CDP) ergab sich eine nominell signifikante Reduktion um 29,2 Prozent, während die 3-Monats-CDP mit einem Minus von 20,5 Prozent keine statistische Signifikanz erreichte.

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Verträglichkeit und Leberwerte im klinischen Profil

Ein zentraler Fokus bei Brutontyrosinkinase-Inhibitoren (BTK-Hemmern) liegt auf der Sicherheit. Bei Remibrutinib lag die Quote für erhöhte Leberenzymwerte (ALT über dem Dreifachen des oberen Normalwerts) bei 2,0 Prozent, verglichen mit 7,4 Prozent im Teriflunomid-Arm. Fälle nach Hy's Law traten bei den rund 1.000 behandelten Patienten nicht auf.

Insgesamt wurden bei 79,5 Prozent der Teilnehmenden unter Remibrutinib unerwünschte Ereignisse verzeichnet, gegenüber 81,5 Prozent unter Teriflunomid. Schwere unerwünschte Ereignisse betrafen 6,0 Prozent gegenüber 7,0 Prozent der Patienten.

Zu einem Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen kam es bei 3,1 Prozent unter Remibrutinib und bei 5,8 Prozent unter dem Vergleichspräparat. Im Remibrutinib-Arm wurden zwei Todesfälle infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung und eines Suizids registriert, die von den Prüfärzten als nicht behandlungsbedingt eingestuft wurden.

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Marktreaktion und geplante Schritte zur Zulassung

Für die Behandlung der Multiplen Sklerose ist Remibrutinib bislang noch nicht zugelassen. Novartis plant auf Basis der vorgelegten Phase-3-Daten weltweite Zulassungsanträge für schubförmige MS.

Am Kapitalmarkt reagierten Marktteilnehmer verhalten auf die Detailergebnisse. Die Aktie von Novartis verlor an der Börse Zürich im frühen Handel zeitweise bis zu 2 Prozent, da Branchenanalysten im Vorfeld eine Reduktion der Schubrate in einer Spanne von 45 bis 60 Prozent erwartet hatten.

In Reaktion auf die Daten senkte Barclays die langfristige Umsatzprognose für das Medikament von 5 auf 3,5 Milliarden US-Dollar und passte das Kursziel an. Marktbeobachter trauen Remibrutinib insgesamt weiterhin einen Spitzenumsatz von rund 4 Milliarden US-Dollar zu.

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