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Multiple Sklerose: Ocrelizumab stoppt Progression um 52%

30.05.2026 - 16:48:52 | boerse-global.de

Ocrelizumab senkt Progressionsrisiko bei PPMS um 30 Prozent. Neue Ansätze mit Zelltherapie und Neuroprotektion zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Multiple Sklerose: Ocrelizumab stoppt Progression um 52% - Bild: über boerse-global.de
Multiple Sklerose: Ocrelizumab stoppt Progression um 52% - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland leben mit Multipler Sklerose, rund 15.000 Neudiagnosen kommen jedes Jahr hinzu. Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Mai 2026 zeigen nun Fortschritte besonders bei der Behandlung progressiver Krankheitsformen – jener Verläufe, die bislang als besonders schwer behandelbar galten.

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Ocrelizumab: Deutliche Erfolge bei fortgeschrittener PPMS

Eine am 28. Mai im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studie liefert belastbare Daten zur Wirksamkeit von Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus) bei der primär progredienten MS (PPMS). Die Phase-III-Studie ORATORIO-HAND mit über 1.000 Patienten aus 22 Ländern belegt: Das Medikament senkt das Risiko einer Behinderungsprogression um 30 Prozent im Vergleich zu Placebo.

Besonders beeindruckend sind die Ergebnisse für die obere Körperhälfte. Die Forscher dokumentierten eine 41-prozentige Reduktion der Verschlechterung von Hand- und Armfunktion bereits nach zwölf Wochen Behandlung. Noch deutlicher: Das Risiko, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, sank um 52 Prozent. Bei Patienten mit entzündlicher Aktivität im MRT fiel der Effekt mit einer Progressionsreduktion von 55 Prozent sogar noch stärker aus. Professor Gavin Giovannoni von der Queen Mary University London betonte die Bedeutung dieser Resultate für Patienten mit fortgeschrittener progressiver MS.

Neuroprotektion: Neuer Wirkstoff zeigt Potenzial

Neue Analysen der Phase-2-Studie CALLIPER zu Vidofludimus Calcium (IMU-838) deuten auf neuroprotektive Effekte hin. Die am 28. Mai auf der CMSC-Konferenz in Charlotte, North Carolina, vorgestellten Daten basieren auf einer speziellen CDC-Endpunkt-Analyse. Sie legen nahe, dass der Wirkstoffkandidat neurologische Funktionen erhalten könnte.

Das Sicherheitsprofil überzeugt: Über einen Zeitraum von 120 Wochen blieb die Nebenwirkungsrate bei den 467 Studienteilnehmern vergleichbar mit Placebo. Zudem berichteten die Patienten über keine Verschlechterung depressiver Symptome während des gesamten Beobachtungszeitraums.

Zelltherapie: Tübingen wagt neuen Ansatz

Die klinische Forschung beschreitet auch völlig neue Wege. Das Universitätsklinikum Tübingen berichtete am 28. Mai über individuelle Behandlungsversuche mit CAR-T-Zelltherapie bei vier MS-Patienten. Der Prozess von der Zellentnahme bis zur Infusion dauert zwölf Tage. Bei den behandelten Patienten traten keine kurz- oder mittelfristigen Nebenwirkungen auf, und die Krankheit zeigte keine weitere Progression. Eine Phase-1/2-Studie zur vertieften Untersuchung dieses Ansatzes ist bereits in Planung.

In Münster sind das Universitätsklinikum (UKM) und die Universität aktuell an 25 verschiedenen klinischen Studien beteiligt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von BTK-Inhibitoren, die gezielt das Fortschreiten der Erkrankung bremsen sollen. Professor Sven Meuth betont: Ein früher Therapiebeginn ist entscheidend für die Verbesserung des langfristigen Krankheitsverlaufs. Zwar stehen rund 20 Medikamente für die MS-Behandlung zur Verfügung, doch der Bedarf an Therapien, die die Symptomprogression wirksam stoppen, bleibt hoch.

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Langzeitdaten: Ofatumumab zeigt anhaltende Vorteile

Am 29. Mai veröffentlichte Daten zur Erstlinientherapie mit Ofatumumab bei früh diagnostizierter schubförmiger MS (innerhalb von drei Jahren nach Diagnose) zeigen nachhaltige Vorteile. Über sechs Jahre hinweg erlebten die Patienten klinisch bedeutsame kognitive Verbesserungen und eine Reduktion der Schubrate – bei guter Verträglichkeit.

Grundlagenforschung: Den Mechanismen auf der Spur

Neben pharmazeutischen Ansätzen untersuchen spezialisierte Forschungsinitiativen die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen. Aktuelle Berichte aus Hamburg heben ein Projekt zu Signalwegen während der Schwangerschaft hervor. Die Universität Helsinki wiederum erforscht Wirkstoffkandidaten zur Myelin-Regeneration. Obwohl weniger als fünf Prozent der MS-Fälle innerhalb weniger Jahre zu schwerer Behinderung führen, zielen diese Forschungsarbeiten darauf ab, gezieltere Interventionen für die verschiedenen Stadien der „Krankheit der tausend Gesichter" zu entwickeln – passend zum Welt-MS-Tag am 30. Mai 2026.

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