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Multiple Sklerose: Neue Zelltherapie stellt Immuntoleranz wieder her

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue MS-Forschungsdaten zeigen verträgliche Zelltherapie, ein geplantes Myelinpflaster und den möglichen Nervenschutz durch Komplementfaktor H.

Multiple Sklerose: Zelltherapie, Wirkstoffpflaster und Nervenschutz
Ein steriles, modernes biomedizinisches Labor mit wissenschaftlichen Geräten in einer ruhigen, hellen Arbeitsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) steht vor neuen technologischen Entwicklungen, die von modifizierten Zelltherapien bis hin zu neuartigen Applikationsformen reichen. Aktuelle Ergebnisse aus der klinischen Forschung und der Grundlagenwissenschaft deuten auf Ansätze hin, die über die reine Symptombekämpfung hinausgehen und gezielt die immunologische Toleranz sowie den Schutz der Nervenzellen adressieren.

Zellbasierte Ansätze und immunologische Toleranz

Ein internationales Forschungsteam, bestehend aus Wissenschaftlern der Universität Zürich (UZH), des Karolinska-Instituts und der Universität Innsbruck, hat Ergebnisse einer klinischen Phase-1-Studie zur Therapie mit modifizierten roten Blutkörperchen vorgelegt.

In der im Fachjournal PNAS veröffentlichten Untersuchung wurden zehn MS-Patienten mit sogenannten pcRBCs behandelt. Dabei handelt es sich um rote Blutkörperchen, an die sieben spezifische Myelinpeptide gekoppelt wurden.

Ziel dieses Verfahrens ist es, das Immunsystem des Körpers wieder an die körpereigenen Strukturen zu gewöhnen, die bei einer MS-Erkrankung angegriffen werden. Wie aus Berichten von Anfang September 2026 hervorgeht, erwies sich die Therapie in der kleinen Patientengruppe als sicher und gut verträglich.

Ein wesentlicher Befund der Studie war der Nachweis von regulatorischen T-Zellen bei den behandelten Personen drei Monate nach der Anwendung. Diese Zellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterdrückung von überschießenden Immunreaktionen. Zur kommerziellen und klinischen Weiterentwicklung dieses therapeutischen Ansatzes wurde die Biotech-Firma Cellerys gegründet.

Alternative Applikationsformen und Reparaturmechanismen

Parallel zu den Fortschritten in der Zelltherapie werden an anderen Forschungsstandorten alternative Methoden zur Verabreichung von Wirkstoffen erprobt. Die Universität Mainz arbeitet an der Entwicklung eines Wirkstoffpflasters, das speziell darauf ausgelegt ist, die bei Multipler Sklerose geschädigten Nervenhüllen zu reparieren.

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Für dieses Vorhaben erhielt das Projekt eine Förderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro durch die ForTra gGmbH. Während bisherige Therapien primär darauf abzielen, die Entzündungsschübe zu reduzieren, fokussiert sich dieser Ansatz auf die Regeneration der Myelinschicht. Eine klinische Studie mit gesunden Freiwilligen ist bereits in Planung, um die Grundlage für spätere Tests an Patienten zu schaffen.

Neue Erkenntnisse zum Schutz der Nervenzellen

Ergänzend zu den klinischen Studien liefert die Grundlagenforschung neue Ansätze für den Neuroschutz. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) identifizierten einen bisher unbekannten Mechanismus in Nervenzellen, der Schutz vor entzündungsbedingten Schäden bieten könnte.

In einer Studie, die am 2. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, belegten die Forscher die Rolle des Komplementfaktors H. Dieser Faktor schützt die Nervenzellen vor den Auswirkungen der chronischen Entzündungsprozesse, die für MS charakteristisch sind. Die Wirksamkeit dieses Mechanismus konnte bereits in Zellkulturen und in Tiermodellen nachgewiesen werden.

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Ob und wie diese Erkenntnisse in eine Therapie für den Menschen überführt werden können, bleibt Gegenstand zukünftiger Untersuchungen. Die Identifizierung dieses Schutzfaktors markiert jedoch einen wichtigen Schritt im Verständnis der zellulären Resilienz gegenüber Autoimmunprozessen.

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