Multiple Sklerose: Neue Diagnose-Kriterien ermöglichen frühe Erkennung
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) unterliegt einem stetigen Wandel, der primär durch technologische Fortschritte in der Bildgebung und Labormedizin vorangetrieben wird.
Ein zentraler Meilenstein in dieser Entwicklung ist die Implementierung der neuen McDonald-Kriterien aus dem Jahr 2024. Diese Aktualisierung zielt darauf ab, die Zeitspanne bis zur Diagnosestellung signifikant zu verkürzen und eine Behandlung in einem Stadium zu ermöglichen, in dem klinische Symptome unter Umständen noch gar nicht manifest sind.
Früherkennung und die Neubewertung des Radiologisch Isolierten Syndroms
Ein wesentlicher Aspekt der überarbeiteten Kriterien ist die Einbeziehung von Patienten, die zwar keine typischen neurologischen Ausfälle zeigen, bei denen jedoch in der Magnetresonanztomografie (MRT) MS-typische Läsionen entdeckt wurden.
Prof. Dr. Thomas Skripuletz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das sogenannte Radiologisch Isolierte Syndrom (RIS) künftig unter definierten Voraussetzungen direkt als Multiple Sklerose diagnostiziert werden kann.
Diese Neuerung markiert eine Abkehr von der bisherigen Praxis, bei der eine Diagnose meist erst nach dem Auftreten klinischer Symptome oder eines ersten Schubs gesichert wurde. Durch die Berücksichtigung von RIS als eigenständigem Diagnosepfad wird der Weg für eine frühzeitige therapeutische Intervention geebnet, was für die langfristige Prognose der Patienten von entscheidender Bedeutung sein kann.
Der Sehnerv als neue anatomische Region für den Nachweis
Für die gesicherte Diagnose einer MS ist der Nachweis einer räumlichen Dissemination (Dissemination in Space, DIS) erforderlich. Dies bedeutet, dass Läsionen in verschiedenen Bereichen des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden müssen. Mit den McDonald-Kriterien 2024 wurde das Spektrum dieser relevanten Regionen erweitert.
Prof. Dr. Thomas Skripuletz erläuterte, dass der Sehnerv nun offiziell als fünfte Region für den Nachweis der räumlichen Dissemination in die Kriterien aufgenommen wurde.
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Zuvor stützte sich die Diagnose primär auf periventrikuläre, kortikale/juxtakortikale, infratentorielle und spinale Lokalisationen. Die Einbeziehung des Sehnervs trägt der klinischen Realität Rechnung, da Entzündungen in diesem Bereich oft zu den ersten Anzeichen einer MS gehören.
Innovative MRT-Marker und Fortschritte in der Liquordiagnostik
Neben der anatomischen Erweiterung integrieren die neuen Kriterien auch spezifische bildgebende Marker, welche die diagnostische Spezifität erhöhen sollen. Hierzu zählen das Central Vein Sign (CVS) sowie die Paramagnetic Rim Lesions (PRL).
Diese Marker erlauben es Medizinern, MS-typische Läsionen präziser von anderen pathologischen Veränderungen des Gehirns abzugrenzen. Laut Skripuletz stellen diese technischen Ergänzungen einen wichtigen Fortschritt dar, um Fehldiagnosen zu vermeiden und die Sicherheit der Befunde zu erhöhen.
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Ergänzt wird die bildgebende Diagnostik durch neue Standards im Bereich der Liquoranalyse. Hier findet der sogenannte KFLC-Index (Kappa-Freie Leichtketten) verstärkt Anwendung. Dieser Index dient als ergänzender Parameter in der Untersuchung der Gehirnrückenmarksflüssigkeit und unterstützt den Nachweis einer intrathekalen Immunglobulin-Synthese, was ein klassisches Merkmal der Multiplen Sklerose darstellt.
Zusammenfassend ermöglichen die McDonald-Kriterien 2024 durch die Kombination aus anatomischen Erweiterungen, neuen MRT-Markern und präziserer Labordiagnostik eine deutlich frühere und fachlich fundiertere Identifikation der Erkrankung.
