Multiple, Sklerose

Multiple Sklerose: Myelinpeptide stoppen Autoimmunreaktionen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Peptide und Pflanzenstoffe eröffnen medizinische Perspektiven, während Behörden vor Risiken bei Nahrungsergänzung, Werbung und Gewürzen warnen.

Pflanzenstoffe und Peptide: Forschung trifft auf strenge Kontrollen
Nahaufnahme von botanischen Pflanzenextrakten und Blättern auf einer strukturierten Labormaterialoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Einsatz von pflanzlichen Extrakten, Kräutern und Peptiden zur Unterstützung physiologischer Prozesse gewinnt in der aktuellen Forschung sowie in der Produktentwicklung zunehmend an Bedeutung.

Verschiedene Berichte und Studien aus der ersten Septemberwoche 2026 verdeutlichen dabei das breite Spektrum, das von klinischen Anwendungen bei Autoimmunerkrankungen bis hin zu hochpreisigen Kosmetik- und Nahrungsergänzungsmitteln reicht.

Während neue wissenschaftliche Erkenntnisse therapeutische Chancen aufzeigen, betonen Behörden gleichzeitig die Notwendigkeit einer strikten regulatorischen Überwachung.

Innovative Therapieansätze durch Peptid-Forschung

In der medizinischen Forschung zeichnen sich Fortschritte bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) ab. Ein internationales Wissenschafterteam der Universität Zürich, des Karolinska-Instituts und der Universität Innsbruck veröffentlichte in der Fachzeitschrift PNAS Ergebnisse einer klinischen Studie. Dabei wurden bei zehn Patienten rote Blutkörperchen mit speziellen Myelinpeptiden (pcRBCs) eingesetzt, um Autoimmunreaktionen zu stoppen.

Die Behandlung erwies sich als sicher und gut verträglich; nach drei Monaten konnten regulatorische T-Zellen nachgewiesen werden. Zur weiteren Entwicklung dieser Technologie wurde die Biotech-Firma Cellerys gegründet.

Auch im Bereich der Dermatologie finden Peptide vermehrt Anwendung. Das Unternehmen FOREO präsentierte ein spezielles Serum auf Basis von Meeresnarzissen-Peptiden und weiteren Wirkstoffen wie Hyaluronsäure und Cica.

In klinischen Tests über 28 Tage berichteten alle Teilnehmer von einer strafferen Haut und einer Verbesserung des Erscheinungsbildes von Narben. Auch die Hautelastizität habe sich laut Unternehmensangaben bei sämtlichen Probanden verbessert.

Forschung zu sekundären Pflanzenstoffen und Pflanzenextrakten

Die präklinische Forschung untersucht zudem intensiv die Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe auf schwere Krankheitsbilder. Eine chinesische Übersichtsarbeit in Phytotherapy Research analysierte Substanzen wie Curcumin, Quercetin und Resveratrol im Hinblick auf Bauchspeicheldrüsenkrebs.

In Laborversuchen zeigten diese Stoffe eine Hemmung der Proliferation von Krebszellen, wenngleich die klinische Evidenz aufgrund der problematischen Bioverfügbarkeit noch begrenzt bleibt.

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Parallel dazu untersuchen Forscher der University of Wisconsin-Madison die Auswirkungen von Protein- und Aminosäurenrestriktion auf den Stoffwechsel und die Lebensspanne. Ein im Journal Cell Reports Medicine veröffentlichter Artikel weist darauf hin, dass gezielte Einschränkungen bei der Aminosäurezufuhr die Gesundheitsspanne positiv beeinflussen könnten.

In der Onkologie zeigt zudem eine Mäusestudie des MD Anderson Cancer Center, dass Psilocybin das Potenzial besitze, durch Chemotherapie verursachte Nervenschäden zu verhindern.

Auf dem Rohstoffmarkt gibt es Bestrebungen zur Regionalisierung. Die Wasgau-Ölmühle Hauenstein verarbeitet in der laufenden Saison erstmals Schwarzkümmel von rund 30 bis 40 deutschen Landwirten, die das Gewächs auf einer Fläche von 150 Hektar anbauen. Bisher stammte die Saat überwiegend aus Ägypten. Jährlich werden dort etwa 350 Tonnen Saat verarbeitet, wobei eine Tonne Saat rund 350 Liter Öl ergibt.

Regulatorische Herausforderungen und Verbraucherschutz

Trotz der Innovationskraft der Branche mahnen Behörden zur Vorsicht bei der Vermarktung und Zusammensetzung von Produkten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnte Anfang September vor Lithium-Nahrungsergänzungsmitteln.

Da Lithium in der EU für diese Produktkategorie nicht zugelassen ist und bereits moderate Erhöhungen der Zufuhr zu Vergiftungserscheinungen wie Zittern oder neurologischen Störungen führen können, ist die Abgabe als Nahrungsergänzung unzulässig.

In Hamburg prüfen Behörden derzeit die Werbung für ein Ashwagandha-Präparat, nachdem die Organisation Foodwatch fehlende Risikohinweise und unzulässige Gesundheitsversprechen kritisierte.

Auch bei herkömmlichen Gewürzen bestehen Qualitätsrisiken: Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt beanstandete in mehreren Proben von Oregano, Kreuzkümmel und Basilikum Pyrrolizidinalkaloide, die über den gesetzlichen Höchstwerten lagen. Für die betroffenen Chargen, darunter eine Oregano-Probe mit 3500 µg/kg statt der erlaubten 1000 µg/kg, wurden Verkaufsverbote ausgesprochen.

Eigenverantwortung und Prävention im Fokus

Der STADA Health Report 2026 unterstreicht unterdessen ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. In Österreich sehen 71 Prozent der Befragten die Verantwortung für ihre Gesundheitsbildung bei sich selbst, was deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegt. Zudem nehmen 60 Prozent der Bevölkerung Vorsorgeuntersuchungen wahr.

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Gleichzeitig forderte die Österreichische Apothekerkammer eine bundesweite Präventionsstrategie, da Screenings in Apotheken teilweise hohe Auffälligkeiten zeigten. So wurden in Wien bei 51 Prozent der Teilnehmer kardiovaskuläre Risiken festgestellt, während in Salzburg bei 25 Prozent der Getesteten ein Vitamin-D-Mangel vorlag.

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