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Multiple Sklerose: KI entdeckt 11.000 verborgene Hirnläsionen

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 20:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue KI-Technologie identifiziert über 11.000 versteckte Hirnläsionen bei MS-Patienten und ermöglicht präzisere Therapiekontrollen.

KI entdeckt tausende unsichtbare MS-Läsionen im Gehirn
Ein abstraktes Bild, das ein menschliches Gehirn mit einem darüber liegenden, leuchtenden neuronalen Netzwerk darstellt, das KI und medizinische Entdeckung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein neues Verfahren könnte die Diagnose und Therapie von Multipler Sklerose grundlegend verändern.

11.000 zusätzliche Läsionen aufgespürt

Ein Forscherteam der University at Buffalo präsentierte im Fachjournal Communications Medicine ein neues KI-Framework namens MMCLE. Die Wissenschaftler Michael Dwyer und Robert Zivadinov entwickelten eine generative KI, die subtile Unterschiede zwischen verschiedenen MRT-Sequenzen analysiert.

Das System kombiniert Daten aus herkömmlichen Aufnahmen wie FLAIR- und T1/T2-gewichteten Bildern mit KI-generierten Kontrasten. In der Untersuchung wertete das Team Daten der ORATORIO-Kohorte mit mehr als 700 Patienten aus. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die KI identifizierte über 11.000 zuvor unentdeckte Läsionen in der grauen Substanz des Gehirns.

Pro Patient wurden im Durchschnitt 15 bis 20 zusätzliche kortikale Läsionen sichtbar. Das ist klinisch hochrelevant – Schäden in der grauen Substanz hängen eng mit kognitivem Abbau und zunehmender Behinderung zusammen.

Neue Maßstäbe für die Pharmaforschung

Die Fähigkeit, kortikale Läsionen verlässlich zu quantifizieren, eröffnet der Pharmaindustrie neue Möglichkeiten. Die Studie wurde teilweise von Genentech finanziert – der Fokus liegt auf klinischen Prüfungen. Bisher war es schwierig, die Wirksamkeit von MS-Medikamenten spezifisch für die graue Substanz zu messen.

Das KI-Verfahren ermöglicht nun, historische Studiendaten neu zu bewerten und die Effektivität von Wirkstoffen präziser zu bestimmen. Ein entscheidender Vorteil: Das System funktioniert auf herkömmlichen MRT-Scannern. Keine neue Hardware nötig – das beschleunigt die Verbreitung in der klinischen Praxis massiv.

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Integration in die Kliniklandschaft

Die wirtschaftliche Umsetzung solcher Technologien läuft bereits. Am 9. Juli kündigte Viz.ai eine strategische Zusammenarbeit mit Cortechs.ai an. Ziel: Die Integration quantitativer MRT-Analyse-Tools wie NeuroQuant MS in die Viz.ai-Plattform.

Rund 2.000 Krankenhäuser in den USA sollen die Softwarelösungen nutzen. Sie liefern automatisierte Auswertungen bei neurodegenerativen Erkrankungen und helfen Ärzten, den Krankheitsverlauf objektiv zu überwachen. Therapieentscheidungen stehen damit auf einer breiteren Faktenbasis.

Neue Forschungsansätze jenseits der Bildgebung

Die Wissenschaft erweitert ihren Blickwinkel. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft schrieb eine Forschungsförderung für 2026 aus – speziell zum Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und MS. Seit 2016 hat die Organisation über drei Millionen Euro bereitgestellt, um die Darm-Immunsystem-Gehirn-Achse zu verstehen.

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Parallel dazu deutet das an der University of Michigan trainierte Modell „NeuroVFM“ auf eine zunehmende Generalisierung der KI-Diagnostik hin. Das System basiert auf über 560.000 radiologischen Studien und zeigt hohe Genauigkeit bei vielen Diagnosen. Es kommt ohne aufwendige manuelle Datenaufbereitung aus.

Neue physik-informierte KI-Modelle wie MR-AIV liefern zudem präzise Rekonstruktionen des Gehirnflüssigkeitsflusses. Das könnte tiefere Einblicke in die Entgiftungsprozesse des zentralen Nervensystems ermöglichen.

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