Multi-Agenten-KI, SAP

Multi-Agenten-KI: SAP, Kore.ai und Workday stellen Plattformen vor

26.05.2026 - 09:06:19 | boerse-global.de

SAP, Kore.ai und Workday treiben mit neuen Plattformen das autonome Unternehmen voran. Multi-Agenten-Architekturen und Orchestrierung stehen im Fokus.

Multi-Agenten-KI: SAP, Kore.ai und Workday stellen Plattformen vor - Foto: über boerse-global.de
Multi-Agenten-KI: SAP, Kore.ai und Workday stellen Plattformen vor - Foto: über boerse-global.de

Die Unternehmens-KI erreicht diese Woche einen entscheidenden Wendepunkt: Statt einfacher Chatbots setzen Konzerne zunehmend auf komplexe Multi-Agenten-Architekturen. Branchengrößen wie SAP, Kore.ai und Workday haben in den letzten Tagen Plattformen vorgestellt, die hunderte spezialisierte KI-Agenten orchestrieren können. Das Ziel: das „autonome Unternehmen", in dem KI-Systeme nicht nur Informationen liefern, sondern komplette Geschäftsprozesse mit minimalem menschlichem Eingriff steuern.

Orchestrierung und Governance im Fokus neuer Plattformen

Eine Reihe großer Produkteinführungen am 25. Mai und in den vergangenen Wochen hat die Richtung vorgegeben. Kore.ai präsentierte die Artemis-Edition seiner Agentenplattform – eine KI-native Grundlage für den Aufbau und die Optimierung von Unternehmensagenten. Die Plattform führt eine proprietäre Agent Blueprint Language (ABL) ein, eine kompilierte deklarative Sprache mit sechs verschiedenen Orchestrierungsmustern.

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Herzstück ist eine „Dual-Brain"-Architektur, die agentisches Reasoning mit deterministischen Workflows kombiniert. Damit sollen die strengen Governance-Anforderungen von Global-2000-Kunden erfüllt werden. Die zunächst auf Microsoft Azure gestartete Artemis-Edition verfügt über Compliance-Zertifizierungen wie SOC 2 Typ II, ISO 27001 und HIPAA. Die Botschaft ist klar: Die „dritte Welle" der Unternehmens-KI wird von Vertrauen und regulatorischer Reife bestimmt.

Parallel dazu enthüllte SAP auf der Sapphire 2026 seine Vision des autonomen Unternehmens. Der Softwarekonzern stellte eine einheitliche Business-AI-Plattform vor, die auf dem SAP Knowledge Graph und Joule Studio basiert – einer eigenen Umgebung für den Bau von Agenten. Der Umfang ist gewaltig: mehr als 50 domänenspezifische Joule-Assistenten und über 200 spezialisierte Agenten. Um die Einführung in seinem Ökosystem zu beschleunigen, legte SAP einen 100-Millionen-Euro-Fonds für Partner auf und kündigte strategische Kooperationen mit NVIDIA, Microsoft, AWS und Anthropic an.

Dass die operative Umsetzung dieser Agenten bereits konkrete Formen annimmt, zeigt ein weiteres Beispiel: Ein Big4-Digitalisierungsteam entwickelte das Framework „Agentic Advantage for Salesforce". Das System setzt rollenspezifische Agenten in der Salesforce Service Cloud ein. Durch die Nutzung von Salesforce Shield für Compliance und die Integration von Human-in-the-Loop-Workflows konnten die Lösungsdesign- und Einführungszyklen für Unternehmenskunden um bis zu 30 bis 40 Prozent verkürzt werden.

Wettlauf um die Vorherrschaft beim KI-gestützten Programmieren

Während sich die Back-Office-Automatisierung weiterentwickelt, tobt im entwicklerorientierten Segment des KI-Marktes ein intensiver Wettbewerb zwischen etablierten Tech-Giganten und spezialisierten Startups.

Am 25. Mai gab xAI bekannt, dass das Training von Grok V9-Medium abgeschlossen sei. Das neue Modell verfügt über 1,5 Billionen Parameter – eine Verdreifachung gegenüber der Vorgängerversion. Speziell für Programmieraufgaben optimiert, nutzt es Daten der Cursor-Plattform. Die Veröffentlichung ist für Mitte Juni geplant. Aktuelle Benchmarks bescheinigen konkurrierenden Modellen wie GPT-5.5 hohe Erfolgsquoten bei Codierungsaufgaben – xAI will mit Grok V9 zu den Branchenführern aufschließen.

Auch Google hat seine Position gestärkt. Nach dem Launch von Antigravity 2.0 Anfang Mai räumte die Google-Führungsspitze ein, bei entwicklerzentrierten Produkten für Datenflüsse hinter Konkurrenten wie Cursor oder Anthropic zurückzuliegen. Antigravity 2.0 ist Googles Antwort: eine Desktop-Anwendung mit SDK, die bis zu fünf parallele Agenten unterstützt. Die Plattform führt aktuell bei Metriken zur Tool-Orchestrierung, und die interne Nutzung verdoppelt sich wöchentlich.

Ende Mai kommt mit Reasonix ein weiterer Akteur hinzu – ein Open-Source-, terminalbasierter Codierungsagent, der nativ mit DeepSeek-Modellen arbeitet. Durch Prefix-Caching sollen die Kosten langer Entwicklungssitzungen drastisch sinken. Interne Studien deuten darauf hin, dass die täglichen Betriebskosten von etwa 57 Euro auf rund 11 Euro fallen könnten.

Das Startup Cysic wiederum launchte im Mai CyOps, eine browserbasierte Plattform, die adversarial KI-Reviews zur Code-Überprüfung einsetzt. Dabei generiert ein KI-Modell Code, während ein unabhängiges „Prüfer"-Modell die Verifikation übernimmt – eine autonome Schleife, die verifizierte GitHub-Pull-Requests ausgibt.

Integration und Interoperabilität treiben das autonome Unternehmen an

Mit der wachsenden Zahl spezialisierter Agenten in einem Unternehmen steigt der Bedarf an standardisierten Protokollen für die Kommunikation zwischen den Agenten.

Informatica hat seine Partnerschaft mit Google Cloud ausgeweitet, um das natürliche Sprachdaten-Management-Tool CLAIRE GPT zu integrieren. Ein zentraler Bestandteil: Informatica wird das Agent2Agent (A2A)-Protokoll von Google in seiner Herbstversion 2026 unterstützen. Damit können Informaticas Agenten in Multi-Agent-Workflows auf Gemini Enterprise agieren – Agenten verschiedener Anbieter arbeiten dann gemeinsam an Aufgaben.

Der Trend zum „Multiplayer-KI" zieht auch Risikokapital an. Dust, eine Plattform für kollaborative Unternehmensagenten, sicherte sich kürzlich 37 Millionen Euro in einer Series-B-Finanzierungsrunde unter Führung von Sequoia. Die Plattform ist mit über 100 Datenquellen verbunden, verwaltet mehr als 300.000 bereitgestellte Agenten und berichtet, dass 70 Prozent der Nutzer das System wöchentlich einsetzen. Diese hohe Bindungsrate zeigt den Wandel vom experimentellen KI-Einsatz zur täglichen operativen Abhängigkeit.

Im Bereich Ausgabenmanagement übernahm Coupa am 25. Mai Tonkean – die vierte Akquisition des Unternehmens zum Aufbau eines „agentischen Handelsnetzwerks". Durch die Integration von Tonkeans No-Code-Prozess-Builder und seinen über 250 Konnektoren in ein Netzwerk mit 10 Millionen Lieferanten und einem Datensatz im Wert von 10 Billionen Euro will Coupa komplexe Intake- und Orchestrierungsprozesse automatisieren, die zuvor umfangreiche manuelle Überwachung erforderten.

Neuro-Symbolische KI und spezialisierte Forschungssysteme

Die Entwicklung agentischer Systeme erreicht auch stark regulierte Sektoren und die wissenschaftliche Forschung.

Expert.ai und die Fincons Group haben ihre Partnerschaft zur Förderung neuro-symbolischer KI verstärkt. Dieser Ansatz kombiniert die Mustererkennung neuronaler Modelle mit der transparenten Logik symbolischer KI. Die Partnerschaft zielt speziell auf den Banken- und Versicherungssektor ab, wo die mangelnde Transparenz von Standard-LLMs – das „Black-Box-Problem" – bisher ein Hindernis für die Einführung von Multi-Agenten-Architekturen war.

Die praktischen Anwendungen dieser fortschrittlichen Architekturen zeigen sich bereits in akademischen Umgebungen. Forscher der Princeton University präsentierten kürzlich Qumus, ein „verkörpertes KI"-System. Qumus nutzt eine Multi-Agenten-Plattform, um physikalische Laborexperimente autonom zu planen und durchzuführen. Durch die Koordination von Robotik, Computer Vision und großen Sprachmodellen hat das System erfolgreich atomar dünne Transistoren hergestellt und Graphen erzeugt – ein Beweis, dass autonome Agenten Closed-Loop-Reasoning und Fehlerkorrektur in den Naturwissenschaften bewältigen können.

Analyse: Vom Chatbot zum spezialisierten Agenten

Die rasche Abfolge von Plattform-Launches von SAP, Kore.ai und Workday deutet darauf hin, dass sich der Unternehmensmarkt von generischen KI-Chat-Oberflächen hin zu spezialisierten, aufgabenorientierten Agenten bewegt. Die Einführung von Workdays drei autonomen Agenten im Mai – für Personalwesen, Reisen und ITSM – fordert etablierte Anbieter wie ServiceNow direkt heraus. Branchenanalysten erwarten innerhalb der nächsten 60 bis 90 Tage eine Reaktion der großen Wettbewerber.

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Die Betonung von Orchestrierungs-Frameworks wie n8n, das kürzlich Produktionserfahrungen aus über 50 Multi-Agenten-Implementierungen teilte, offenbart die technischen Herausforderungen dieser neuen Ära. Best Practices priorisieren nun „Dead Letter Queues" für die Fehlerbehandlung und Human-in-the-Loop (HITL)-Kontrollpunkte für regulatorische Ausgaben. Der Fokus hat sich von der rohen Intelligenz des Modells auf die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Workflows verlagert.

Ausblick: Kosteneffizienz und Spezialisierung als Schlüssel

Blickt man auf die zweite Jahreshälfte 2026, wird der Schwerpunkt wohl auf der Verfeinerung der Multi-Agenten-Orchestrierung und der Senkung der Betriebskosten liegen. Die Veröffentlichung von Grok V9 Mitte Juni und die anschließende Einführung von Informaticas A2A-kompatiblen Tools im Herbst werden als kritische Benchmarks für die Branche dienen.

Mit der Expansion der SAP Autonomous Suite durch den neuen Partnerfonds wird die Entwickler-Community voraussichtlich einen Schub spezialisierter Assistenten für Nischenbranchen erleben. Gleichzeitig deutet das Aufkommen von Open-Source-Alternativen wie Reasonix darauf hin, dass Kosteneffizienz und lokale Ausführung für Entwicklungsteams zentrale Anliegen bleiben – insbesondere wenn sie agentische Workflows skalieren wollen, ohne prohibitive Token-Kosten zu verursachen.

Die Branche fragt nicht mehr, ob KI Aufgaben erledigen kann. Die entscheidende Frage ist: Wie effizient können Dutzende von Agenten zusammenarbeiten, um ganze Unternehmensabteilungen zu managen?

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