München-Rechenzentrum, GPUs

München-Rechenzentrum: 10.000 GPUs steigern KI-Kapazität um 50%

19.06.2026 - 03:00:33 | boerse-global.de

Mehrere Staaten starten Mitte 2026 koordinierte Programme für eigene KI-Hardware, Cloud-Infrastruktur und Open-Source-Software.

EU, UK und Südkorea: Neue Initiativen für digitale Souveränität
München-Rechenzentrum - Glowing circuit board with data flows and subtle digital representations of national borders, symbolizing digital sovereignty and AI in public procurement. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die EU, Großbritannien und Südkorea setzen auf öffentliche Aufträge und Regulierung, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu brechen. Mehrere Großmächte starteten Mitte Juni 2026 koordinierte Initiativen für eigene KI-Hardware, Cloud-Infrastruktur und Open-Source-Software.

EU-Paket: Vier Stufen der Cloud-Souveränität

Am 17. Juni 2026 präsentierte die EU-Kommission ihr Tech-Souveränitätspaket – ein umfassendes Gesetzesvorhaben gegen die aktuelle dominance nicht-europäischer Digitalprodukte, die über 80 Prozent des Marktes ausmachen. Das Paket vereint den Chips Act 2.0, die EU-Open-Source-Strategie und den Cloud- und KI-Entwicklungsakt (CADA).

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Der bereits am 3. Juni vorgestellte CADA-Entwurf führt ein Cloud-Souveränitäts-Rahmenwerk mit vier „Union Assurance Levels" ein – von grundlegenden Datenstandort-Pflichten bis zur vollständigen europäischen Kontrolle. Entscheidend für die Praxis: Die öffentliche Auftragsvergabe darf künftig bis zu 15 von 120 Punkten für Souveränitätskriterien vergeben. Gleichzeitig beschleunigen Data-Center-Beschleunigungszonen den Infrastrukturausbau mit einer maximalen Genehmigungsdauer von zwölf Monaten.

Die Open-Source-Strategie peilt 30 Millionen Nutzer bis 2030 an – nach dem Prinzip: öffentlich finanzierte Software muss öffentlicher Code bleiben. Kritiker bemängeln die fehlende Verbindlichkeit, doch Kommunen ziehen bereits voraus. In Schleswig-Holstein sind rund 80 Prozent der öffentlichen Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt – eine Maßnahme, die laut Berichten vom 17. Juni 2026 rund 15 Millionen Euro an Lizenzkosten eingespart hat.

Deutschland und Frankreich: Gemeinsame Definition für digitale Souveränität

Am 18. Juni 2026 legten Berlin und Paris ein gemeinsames Positionspapier vor, das digitale Souveränität erstmals einheitlich definiert. Vorgestellt auf der VivaTech 2026, versteht das Dokument Souveränität als Fähigkeit, digitale Technologien in sechs Dimensionen eigenständig zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen und zu kontrollieren – inklusive Rechtsdurchsetzung und Infrastruktur-Resilienz.

Beide Länder betonen den Abbau kritischer Abhängigkeiten und modulare Architekturen. Die Zusammenarbeit soll das EU-Souveränitätspaket inhaltlich prägen und zeigt bereits praktische Wirkung, etwa in der Partnerschaft zwischen SAP und Mistral AI. Frankreich schnürte zudem am 17. Juni ein 655-Millionen-Euro-Investitionspaket für einen souveränen KI-Chatbot für rund eine Million Beamte sowie einen speziellen Gesundheits-Chatbot. Parallel ersetzt die französische Regierung ausländische Analyse-Tools durch heimische Alternativen von Firmen wie ChapsVision.

Großbritannien und Südkorea setzen auf den Staat als Kunden

Das britische Wissenschaftsministerium (DSIT) veröffentlichte am 17. Juni seinen KI-Hardware-Plan. Die Strategie nutzt die öffentliche Nachfrage als Treiber für heimische Hardware-Entwicklung. Der Etat umfasst 750 Millionen Pfund für den AIRR-Supercomputer, davon 400 Millionen allein für Chip-Beschaffung. Weitere 120 Millionen Pfund fließen in KI-Hardware-Innovation, darunter 18 Millionen für Sicherheitsforschung.

Südkoreas öffentliches Beschaffungswesen (PPS) positioniert sich ebenfalls als Hauptabnehmer für KI-Produkte, um die Industrie zu beflügeln. Bereits im Frühjahr 2026 startete die Behörde ein KI-gestütztes System zur Preisvorbereitung und senkte die Einstiegshürden für KI-Anbieter durch den Wegfall bisheriger Mindestumsätze. Bis 2027 soll eine vollständig intelligente Beschaffungsplattform entstehen.

Industrielle KI-Cloud und Rekord-Rechenzentrum in München

Am 18. Juni gaben T-Systems und SupplyOn eine Partnerschaft zur Integration einer Industrie-KI-Cloud in europäische Lieferketten bekannt. Herzstück ist ein seit Februar 2026 betriebenes Rechenzentrum in München mit 10.000 NVIDIA Blackwell GPUs und einer Rechenleistung von 0,5 Exaflops. Die Anlage steigert Deutschlands KI-Kapazität um 50 Prozent – bei voller Einhaltung europäischer Datenschutzvorgaben.

Im deutschen öffentlichen Sektor erreichte der „Deutschland-Stack" einen Meilenstein: Alle 16 Bundesländer verpflichteten sich am 17. Juni zum verbindlichen Anschluss grundlegender digitaler Komponenten wie der EUDI-Wallet und FIT-Connect. Auf lokaler Ebene startete das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) den Agentic AI Hub mit 18 Pilotprojekten in 17 Kommunen – KI-Agenten testen dort Aufgaben wie Transkriptionen und mehrsprachige Bürgerdienste.

Schattenseiten: „Souveränitäts-Wäscherei" und Sicherheitslücken

Trotz des Souveränitätsbooms warnen Experten vor „Sovereignty Washing" – Anbietern, die nur aufgrund des Datenstandorts Souveränität beanspruchen, ohne rechtliche oder operative Unabhängigkeit von ausländischen Jurisdiktionen. Ein Roundtable von OpenUK am 18. Juni betonte: Echte Souveränität braucht Resilienz und Kontrolle, nicht vollständige Autarkie.

Sicherheit bleibt die Achillesferse souveräner KI-Systeme. In Südafrika, wo digitale Bankbetrugsfälle zwischen 2023 und 2024 fast verdoppelt wurden, argumentieren Branchenexperten: KI-Souveränität ist ohne souveräne Cybersicherheit nicht erreichbar. Strategische KI-Workloads müssten hinsichtlich Verschlüsselungsschlüsseln und Telemetriedaten unter lokaler Kontrolle bleiben.

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Die Dringlichkeit der Initiativen untermauert eine Bitkom-Studie von Mitte Juni 2026: 41 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen bereits aktiv KI – eine Verdopplung zum Vorjahr. Allerdings berichten 33 Prozent der Firmen, dass die Implementierungskosten ihre ursprünglichen Erwartungen übertroffen haben.

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