Mülheim Kreativ Kids: 17 Jugendliche unterstützen Senioren samstags
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Struktur der nachbarschaftlichen Unterstützung befindet sich im Wandel, wobei verstärkt generationenübergreifende Ansätze in den Fokus rücken. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das Projekt der Mülheimer Kreativ Kids, bei dem seit Februar 2026 rund 17 Kinder und Jugendliche samstags Senioren in Mülheim bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen.
Die Initiative, die unter der Leitung des Nachbarschaftshauses und der Projektleiterin Isabelle Wojcicki steht, zielt darauf ab, die soziale Teilhabe älterer Menschen zu sichern und gleichzeitig junge Menschen für bürgerschaftliches Engagement zu sensibilisieren.
Praktische Unterstützung im Alltag von Senioren
Die Aufgaben der Kinder im Rahmen des Mülheimer Projekts umfassen klassische Erledigungen, die für Senioren wie Marianne Lelleck eine Entlastung darstellen. Dazu gehören Einkäufe sowie die Entsorgung von Abfällen oder Altpapier.
Diese Form der informellen Hilfeleistung erfährt derzeit auch auf nationaler Ebene Anerkennung. Das Projekt Kreativ Kids hat sich für den Deutschen Nachbarschaftspreis beworben; eine Entscheidung über die Auszeichnung wird für den 31. August 2026 erwartet.
Ähnliche Konzepte finden sich auch in anderen Regionen. In Schweich sind seit März 2026 insgesamt 16 Männer in der Nachbarschaftshilfe aktiv, die unter der Koordination von Bruno Christmann bereits 50 Einsätze für 15 Hilfsbedürftige absolviert haben. Ein Schwerpunkt liegt hier auf Fahrdiensten, die rund 90 Prozent der Anfragen ausmachen und mit einer Pauschale von 30 Cent pro Kilometer abgerechnet werden.
Finanzielle Rahmenbedingungen und organisatorische Hürden
Die Einbindung der Nachbarschaftshilfe in das professionelle Pflegesystem ist ein wesentlicher Faktor für die Verstetigung solcher Angebote. Pflegebedürftige können Unterstützungsleistungen über den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 131 Euro pro Monat mit der Pflegekasse abrechnen. Der dabei zulässige Stundensatz orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn, der ab dem 1. Januar 2025 bei 12,82 Euro liegt.
Die regionalen Unterschiede bei der Vergütung sind jedoch erheblich. Während in Hessen Sätze zwischen 12 und 13 Euro üblich sind, beträgt der Satz in Sachsen 10 Euro. In Niedersachsen werden maximal 85 Prozent des Mindestlohns erstattet, was rechnerisch etwa 10,89 Euro entspricht.
Wer sich mit der Organisation von Unterstützung im Alter befasst, sollte auch die eigene körperliche Verfassung im Blick behalten. Ein spezialisierter Physiotherapeut zeigt in diesem kostenlosen Trainingsplan, wie Sie mit nur wenigen Minuten täglich Ihre Muskelkraft und Stabilität für einen sicheren Alltag erhalten. 7 Übungen gegen Muskelabbau kostenlos herunterladen
Ein konkretes Rechenbeispiel zeigt, dass bei Pflegegrad 2 beispielsweise acht Stunden Unterstützung zu je 10 Euro vollständig durch das Pflegegeld gedeckt werden könnten.
Trotz der hohen Nachfrage stehen viele Projekte vor finanziellen Herausforderungen. Der Neckarstadt-Treff „Alter“ in Mannheim verzeichnete zwischen April und Juli 2026 rund 53.000 Besucher.
Obwohl die Stadt das Projekt in den Jahren 2025 und 2026 mit jeweils 50.000 Euro förderte, wurde eine Fortführung für das Jahr 2027 abgelehnt. Zudem läuft die Finanzierung einer Sozialarbeiter-Stelle Ende 2026 aus.
Innovative Ansätze zur Bekämpfung von Einsamkeit
Der Bedarf an solchen Initiativen wird durch statistische Erhebungen untermauert. Daten des Wiener Hilfswerks zeigen eine deutliche Diskrepanz in der sozialen Vernetzung: Während im ländlichen Raum rund 75 Prozent der Bewohner ihre Nachbarn kennen, liegt dieser Wert in städtischen Gebieten bei lediglich 20 Prozent.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, startete die Initiative „Wien niemand allein – 500 Geschichten“. Bürger können hierbei bis zum 31. Oktober 2026 Beiträge einreichen, wobei eine Jury Preisgelder von bis zu 4.000 Euro auslobt.
Zusätzlich gewinnen Zeitvorsorgemodelle an Bedeutung. In der Steiermark leisten 80 Helfer im Rahmen des Projekts „Zeitpolster“ Unterstützung; im ersten Halbjahr 2026 wurden dabei 1.074 Stunden für 231 betreute Personen dokumentiert. Das Besondere an diesem System ist, dass die Helfer Zeitguthaben für ihre eigene Zukunft sammeln.
Neben der sozialen Unterstützung spielt die körperliche Mobilität eine entscheidende Rolle für ein selbstbestimmtes Leben in der Nachbarschaft. Erfahren Sie in diesem Ratgeber eines Orthopädie-Professors, wie Sie sich ein effektives Heim-Fitnessstudio für unter 50 Euro einrichten, um schmerzfrei und kraftvoll aktiv zu bleiben. Gratis-Report für ein fittes Leben im Alter sichern
Technologische Unterstützung erfährt die Zielgruppe zudem durch digitale Lösungen wie die App „SilberKompass“, die von Nicolas Rosenhahn entwickelt wurde. Diese soll die Verbindung zwischen Senioren und ihren Angehörigen stärken und die Organisation des Alltags vereinfachen.
Ergänzt werden diese Bestrebungen durch präventive Maßnahmen: In Yangpyeong wurden im Sommer 2026 unter der Leitung von Kim Chung-nyeon 21 Sicherheitsschulungen für 550 Senioren durchgeführt, die Themen von der Sturzprävention bis zur Ersten Hilfe abdeckten.
