MSI-Grafikkarten: Preisexplosion bei neuer Hardware, Schnäppchen bei alter
24.05.2026 - 17:30:55 | boerse-global.de
Während die Preise für aktuelle Modelle durch die Decke gehen, gibt es bei älteren Generationen teils massive Rabatte. Der Grund: Eine beispiellose Speicherknappheit treibt die Kosten für neue Komponenten in die Höhe.
MSI kündigt drastische Preiserhöhungen an
Bereits im März 2026 hatte MSI-Generalmanager Huang Jinqing in einer Investorenkonferenz eine düstere Prognose abgegeben. Das laufende Geschäftsjahr sei das schwerste seit der Gründung des Unternehmens. Die Folge: MSI will die Preise für Gaming-Hardware innerhalb von neun Monaten um 15 bis 30 Prozent anheben.
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Hintergrund ist ein massiver Lieferengpass. Die GPU-Versorgung liegt rund 20 Prozent unter dem Bedarf, gleichzeitig explodieren die Kosten für Basiskomponenten. MSI reagiert mit einer strategischen Neuausrichtung: Statt auf günstige Einstiegsmodelle setzt der Hersteller künftig auf mittel- und hochpreisige Hardware. Die Idee dahinter: Mit höheren Margen bei weniger Stückzahlen die Verluste ausgleichen, die ein schrumpfender PC-Markt verursacht. MSI rechnet für 2026 mit einem Rückgang von 10 bis 20 Prozent.
Die Folge ist bereits jetzt spürbar: Einsteigerkarten werden immer seltener, während Flaggschiff-Modelle zu Höchstpreisen gehandelt werden.
Alte Generationen im Ausverkauf
Während die neueste Hardware unbezahlbar wird, erleben Käufer mit Geduld ein goldenes Zeitalter für Gebraucht- und Restposten-Märkte. Eine Preisanalyse vom Februar 2026 zeigt dramatische Rückgänge bei älteren Modellen:
- RTX 3070: Über 60 Prozent Preisverfall, aktuell umgerechnet rund 410 Euro
- RTX 4070 Ti: 17,2 Prozent günstiger
- RTX 4070 Super: 13,1 Prozent Rabatt
Diese „Räumungsverkäufe“ erlauben es preisbewussten Spielern, leistungsfähige Hardware weit unter der ursprünglichen Preisempfehlung zu ergattern. Allerdings sind die Bestände begrenzt – wer zu lange zögert, geht leer aus.
Der „RAM-aggedon“: Speicher wird zum Luxusgut
Der Haupttreiber der aktuellen Preisexplosion ist eine dramatische Verknappung von DRAM und VRAM. Was 2025 noch rund 37 Euro für ein 16-GB-Modul kostete, schlug im März 2026 mit 157 Euro zu Buche. In Einzelfällen wurden auf dem Spotmarkt sogar 185 Euro fällig.
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Schuld daran ist der unstillbare Hunger der KI-Industrie. Große Technologiekonzerne kaufen Speicher in Massen für ihre Rechenzentren und überbieten dabei die Preise, die Hersteller wie MSI zahlen können. MSI zufolge macht Speicher inzwischen einen deutlich größeren Anteil an den Gesamtkosten einer Grafikkarte aus als in den Vorjahren.
Um gegenzusteuern, erwägt MSi offenbar, Teile der Mainboard-Produktion wieder auf den günstigeren DDR4-Standard umzustellen – ein Schritt zurück in die Vergangenheit, der die aktuelle Notlage unterstreicht.
Die RTX 5090: Vom Gaming-Flaggschiff zum KI-Werkzeug
Die Marktverschiebung zeigt sich nirgends deutlicher als bei der GeForce RTX 5090. Ursprünglich für 1.850 Euro geplant, wird die Karte im Handel selten unter 3.330 Euro gehandelt. Das entspricht einem Aufschlag von rund 80 Prozent über der Preisempfehlung.
Der Grund: Die Karte ist längst nicht mehr nur für Spieler interessant. KI-Startups und Unternehmen kaufen Consumer-Grafikkarten in großem Stil für Inferenz- und Trainingsaufgaben und treiben damit die Preise für alle in die Höhe. Der globale GPU-Markt soll laut Prognosen von 48 Milliarden Euro (2025) auf 296 Milliarden Euro (2033) wachsen – angetrieben nicht von Spielern, sondern von professionellen Anwendern.
Ausblick: Keine Entspannung in Sicht
Branchenexperten rechnen nicht vor dem vierten Quartal 2026 mit einer Beruhigung. Zwar könnten geduldige Käufer weiterhin Schnäppchen auf dem Gebrauchtmarkt machen – etwa die RTX 5060, die gelegentlich für rund 276 Euro auftaucht – doch der Gesamttrend bleibt inflationär.
Die entscheidende Frage ist, wann sich die Speicher-Lieferkette normalisiert. Solange KI-Konzerne die Produktion dominieren, wird sich an der Zwei-Klassen-Gesellschaft im Grafikkartenmarkt nichts ändern: tiefe Rabatte auf alte Technik, unerschwingliche Preise für alles Neue.
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