MS-Therapie: Preisverfall um 40 Prozent zwingt Hersteller zur Umgestaltung
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 19:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Biologika wie Ocrelizumab jahrelang dominierten, zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab.
Teva sichert sich Rechte an Ocrelizumab-Biosimilar
Anfang Juli 2026 schlossen Teva Pharmaceuticals und Polpharma Biologics eine umfassende Lizenzvereinbarung. Teva sicherte sich die exklusiven globalen Vermarktungsrechte für einen Biosimilar-Kandidaten des Wirkstoffs Ocrelizumab (Referenzprodukt: Ocrevus).
Die Vereinbarung umfasst sowohl die intravenöse als auch die subkutane Formulierung. Polpharma Biologics bleibt für Entwicklung und Produktion verantwortlich. Teva übernimmt Zulassungsverfahren und kommerzielle Verwertung in den USA, Europa, Kanada und Australien. Große Pharmaunternehmen ergänzen so ihre Portfolios mit kosteneffizienteren Alternativen, sobald der Patentschutz für etablierte Präparate endet.
Preisverfall in Australien setzt Hersteller unter Druck
Der Einzug von Zweitanbietern erhöht den Druck auf Erstattungssysteme und Originalhersteller. Besonders deutlich zeigt sich diese Dynamik in Australien. Dort gerieten Verhandlungen über die Aufnahme von Ocrevus (Roche) und Kesimpta (Novartis) ins staatliche Subventionsprogramm PBS unter Druck.
Auslöser war ein Preisnachlass von 40 Prozent, den Neuraxpharm für das Medikament Briumvi akzeptierte. Diese Entscheidung löste eine Kaskade in den Preisbewertungen aus. Ohne Einigung zwischen Gesundheitsministerium und Herstellern drohen Patienten erhebliche jährliche Therapiekosten. Experten sehen darin den typischen Übergang von Monopolstellungen zu einem wettbewerbsorientierten Umfeld.
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Dünnfilmtechnologie und Elektrostimulation als neue Ansätze
Neben der Wirkstoffentwicklung gewinnen neue Verabreichungsplattformen an Bedeutung. BioNxt Solutions entwickelt eine Dünnfilmtechnologie für Cladribin (BNT23001). Ziel ist es, die Applikation von MS-Medikamenten zu vereinfachen und die Bioverfügbarkeit zu optimieren.
Parallel konsolidiert sich der Markt für unterstützende Technologien. Ottobock übernahm im Juli 2026 das spanische Unternehmen Fesia Technology. Fesia ist auf funktionelle Elektrostimulation (FES) spezialisiert – etwa für die Rehabilitation von MS-Patienten mit Gangstörungen. Die Akquisition soll innerhalb von sechs Monaten vollzogen sein. Ottobock festigt damit seine Position in der neurologischen Rehabilitation.
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Neue Ambulanzen und bessere Diagnostik in Deutschland
Die flächendeckende Versorgung von MS-Patienten wächst. Das St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter eröffnete eine neue MS-Ambulanz unter der Leitung von Sophia Lades. Angeboten werden Diagnostik mittels MRT und Elektrophysiologie sowie verlaufsmodifizierende Immuntherapien.
Am Asklepios Klinikum Harburg baut PD Dr. Franziska Scheibe die Klinik für Neuromedizin aus. Schwerpunkt ist die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV). Sie soll eine nahtlose Behandlung zwischen stationärem Aufenthalt und ambulanter Betreuung gewährleisten.
Ergänzt werden diese Maßnahmen durch präzisere Diagnostik. Bestimmte Biomarker-Tests gehören inzwischen zum Standardkatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Dazu zählen die Untersuchung auf oligoklonale Banden und die Bestimmung der freien Leichtketten (kFLC) im Liquor. Diese Fortschritte verkürzen die Zeit bis zum Therapiebeginn und verbessern die Überwachung von Behandlungsverläufen.
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