MS-Therapie: Darm-Hirn-Achse stärker als gedacht bei Entzündungen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forscher aus Bonn, Basel und München haben einen bislang unbekannten Mechanismus gängiger MS-Therapien identifiziert. Die im Juli 2026 in Science Translational Medicine veröffentlichte Studie zeigt: Eine Therapie zur Reduktion von B-Zellen setzt einen überraschenden Prozess in Gang.
Regulatorische B-Zellen wandern aus dem Darm in den Blutkreislauf und schließlich ins zentrale Nervensystem. Dort wirken sie entzündungshemmend und sind mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden. Die Forschung unter Leitung einer Professorin des Universitätsklinikums Bonn legt nahe, dass die Darm-Hirn-Achse eine aktivere Rolle bei der Kontrolle der MS spielt als gedacht.
Die Immun-Schaltzentrale im Darm
Neben der Zellwanderung untersuchen Wissenschaftler die biochemischen Signalwege im Darm. Eine Studie von Weill Cornell Medicine identifizierte das Protein STING in bestimmten Immunzellen (ILC3s) als Schlüsselfaktor für die Immun-Toleranz gegenüber der Darmflora. Moderate Aktivierung fördert die Toleranz, Überaktivierung steht im Verdacht, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu begünstigen.
Forscher der Universitäten Saarland und Münster entschlüsselten zudem einen Mechanismus für überschießende Entzündungsreaktionen. Die Hyperphosphorylierung eines bestimmten Botenstoff-Gegenspielers (IL-1Ra) wurde als Ursache für Hyperinflammation identifiziert – ein Prozess, der auch bei Autoimmunerkrankungen wie der axialen Spondyloarthritis eine Rolle spielt.
Vitamin B3 gegen Entzündungen?
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Die gezielte Beeinflussung der Darmflora bleibt ein zentrales Forschungsfeld. Im Juni 2026 wurde ein Projekt zur Freisetzung von Vitamin B3 (Nicotinamid) im Dickdarm mit einem Innovations-Transfer-Preis ausgezeichnet. Die Technologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Universität Kiel zielt darauf ab, das Mikrobiom zu modulieren.
In klinischen Studien zeigte sich eine beschleunigte Erholung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach Infektionen. Aktuell läuft eine Phase-II/III-Studie zu Colitis ulcerosa. Parallel dazu weisen Analysen auf den Nutzen einer mediterranen Ernährung hin: Polyphenole aus Beeren, Olivenöl und Tee entfalten über die Darmflora entzündungshemmende Wirkung und stabilisieren das Immunsystem.
Wenn Krebsmedikamente gegen Nervenerkrankungen helfen
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In Jena behandelten Mediziner zwei Patientinnen mit einer autoimmunen Nervenerkrankung erfolgreich mit Teclistamab – einem Antikörper aus der Onkologie. Die Anfang Juli 2026 in Nature Communications veröffentlichte Behandlung führte zu einer signifikanten Verbesserung der Nervenfunktion.
Ein japanischer Forschungsansatz nutzt künstlich hergestellte extrazelluläre Vesikel, um die Produktion regulatorischer T-Zellen zu steigern. Das Ziel: eine antigenspezifische Immun-Toleranz induzieren und die Zerstörung der Myelinscheiden stoppen. Nach Angaben der AMSEL e.V. leben in Deutschland rund 280.000 Menschen mit MS, weltweit sind es etwa 2,9 Millionen.
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