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MS-Forschung: Kognitive Defizite treten früher auf als gedacht

05.05.2026 - 01:43:14 | boerse-global.de

Studien belegen: Denkstörungen treten bei MS oft vor körperlichen Symptomen auf. Digitale Biomarker und Frühtherapie rücken in den Fokus.

MS-Forschung: Kognitive Defizite treten früher auf als gedacht - Foto: über boerse-global.de
MS-Forschung: Kognitive Defizite treten früher auf als gedacht - Foto: über boerse-global.de

Neue Studien aus dem Frühjahr 2026 zeigen: Kognitive Beeinträchtigungen sind nicht nur ein häufiges Begleitsymptom, sondern oft das erste Anzeichen der Krankheitsaktivität. Sie treten auf, bevor körperliche Einschränkungen überhaupt messbar werden.

Lange galt die Annahme, dass Denkstörungen erst in späten Krankheitsstadien auftreten. Eine Untersuchung mit über 230 Patienten über fünf Jahre korrigiert dieses Bild nun grundlegend. Die Ergebnisse, die bereits auf dem ECTRIMS-Kongress Ende 2025 in Barcelona diskutiert wurden, zeigen: Verschlechterungen der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und des Gedächtnisses sind im Schnitt nach 2,7 Jahren nachweisbar. Messbare Einschränkungen der Gehfähigkeit folgen erst rund 3,9 Jahre nach Diagnose.

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Kognitive Leistung als sensibler Indikator

Die Erkenntnisse stützen die These: Die kognitive Leistungsfähigkeit ist ein hochsensibler Indikator für neurodegenerative Prozesse. Prof. Dr. Menno Schoonheim vom MS Center in Amsterdam betonte im März 2026 auf einem Fachsymposium, dass dieser schleichende Prozess oft unabhängig von akuten Schüben verläuft. In der Fachwelt heißt dieses Phänomen PIRA – Progression Independent of Relapse Activity. Die Botschaft: Kognitive Parameter müssen von Beginn der Diagnose an systematisch überwacht werden.

Digitale Biomarker revolutionieren die Überwachung

Ein entscheidender Fortschritt ist die Etablierung digitaler Biomarker. Herkömmliche Tests wie der Symbol Digit Modalities Test (SDMT) sind zwar valide, binden aber viel Zeit und Personal. Neuere Ansätze setzen auf die kontinuierliche Erfassung von Leistungsdaten im Alltag der Patienten.

Eine Validierungsstudie in der Fachzeitschrift Frontiers in Digital Health vom Februar 2026 belegt die Wirksamkeit adaptiver Smartphone-Apps. Diese Programme nutzen spielerische Elemente, um kognitive Funktionen regelmäßig zu prüfen. Die Ergebnisse korrelieren eng mit dem Volumen bestimmter Hirnstrukturen, die für die Denkfähigkeit kritisch sind.

Parallel gewinnen Technologien an Bedeutung, die Augenbewegungen als Biomarker nutzen. Bereits auf Fachtagungen 2024 und 2025 vorgestellte Analysen zeigen: Veränderungen in Blickmustern können eine Verschlechterung der kognitiven Leistung Monate im Voraus vorhersagen. Diese nicht-invasiven Methoden ermöglichen eine engmaschige Überwachung, die mit klassischen MRT-Untersuchungen kaum umsetzbar wäre.

Die graue Substanz im Fokus

Die Forschung hat die Bedeutung der grauen Substanz für die kognitive Prognose weiter präzisiert. Während MS traditionell als Erkrankung der weißen Substanz galt, zeigen Langzeitbeobachtungen: Der frühe Volumenverlust in der grauen Substanz – insbesondere im Thalamus, Precuneus und Hippocampus – ist ein verlässlicher Prädiktor für kognitive Einschränkungen, die erst Jahrzehnte später voll zum Tragen kommen.

Eine italienische 20-Jahres-Studie, deren Ergebnisse Ende 2024 breite Beachtung fanden, konnte nachweisen: Atrophieprozesse in diesen Regionen entscheiden bereits in den ersten zwei Jahren nach der Diagnose über den kognitiven Status nach zwei Jahrzehnten. Das unterstreicht die Relevanz einer hochwirksamen Therapie unmittelbar nach der Erstdiagnose.

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Arbeitsunfähigkeit durch „Brain Fog“

Die Auswirkungen kognitiver Störungen auf die Lebensqualität sind massiv. Eine Studie vom Herbst 2025 mit über 500 Betroffenen stellte fest: Eine reduzierte kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und Wortfindungsstörungen – oft „Brain Fog“ genannt – führen signifikant häufiger zur Arbeitsunfähigkeit als rein motorische Defizite. Oft bleiben diese Symptome unbehandelt. Das offenbart eine Versorgungslücke in der neuropsychologischen Rehabilitation.

Therapeutisch rücken neben medikamentösen Ansätzen wie BTK-Inhibitoren auch Lebensstilfaktoren in den Fokus. Eine hohe „kognitive Reserve“ – aufgebaut durch Bildung, komplexe berufliche Tätigkeiten und soziale Aktivitäten – kann die Auswirkungen der Hirnatrophie zeitweise kompensieren. Auch die Ernährung spielt eine Rolle: Untersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025 verknüpften die Mittelmeerdiät mit einem geringeren Verlust an Hirnvolumen.

KI soll personalisierte Therapie ermöglichen

Für die nähere Zukunft wird erwartet, dass künstliche Intelligenz die Diagnose und Therapieüberwachung weiter revolutionieren wird. Algorithmen sind bereits heute in der Lage, aus MRT-Bildern, genetischen Markern und digitalen Leistungsdaten individuelle Risikoprofile zu erstellen. Das Ziel: eine „Treat-to-Target“-Strategie, bei der die Erhaltung der kognitiven Funktion als primäres Therapieziel definiert wird.

Branchenexperten gehen davon aus, dass digitale Therapeutika (DTx) der nächste logische Schritt sind. Diese Anwendungen bieten nicht nur Monitoring, sondern auch gezieltes kognitives Training, das sich adaptiv an die Tagesform des Patienten anpasst. Damit könnte die Lücke zwischen der sporadischen klinischen Untersuchung und dem tatsächlichen Alltag der Betroffenen dauerhaft geschlossen werden.

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