MS-Fatigue, Patienten

MS-Fatigue: 75% der 200.000 Patienten leiden unter chronischer Erschöpfung

Veröffentlicht: 01.07.2026 um 02:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: MS beeinträchtigt Sozialleben und Beruf massiv. Achtsamkeit und digitale Tools gewinnen als Therapieergänzung an Bedeutung.

Multiple Sklerose: Psyche und Achtsamkeit als Therapiebausteine
Eine Person meditiert ruhig in einem hellen, minimalistischen Raum, symbolisiert Achtsamkeit und Stressabbau bei chronischer Krankheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) fokussiert sich zunehmend auf die Wechselwirkung zwischen Psyche und Krankheitsverlauf. Stress kann MS-Symptome zeitweise verstärken. Deshalb rücken Achtsamkeitstraining, digitale Tools und Präventionsprogramme in den Fokus.

Soziale Folgen der Erkrankung sind gravierend

Die SocialMS-Studie aus Italien zeigt die psychosozialen Auswirkungen. Die Ende Juni auf dem EAN-Kongress vorgestellte Untersuchung befragte 1.039 Betroffene. 51 Prozent berichten von erheblichen Einschränkungen ihres Soziallebens.

Fast jeder Zweite (48 Prozent) gibt an, dass die Erkrankung die berufliche Situation beeinflusst. 34 Prozent verzeichnen finanzielle Einbußen. Die Studie unter Leitung von Dr. Marta Ponzano zeigt aber auch: Rund 90 Prozent erhalten Unterstützung – vor allem durch die Familie.

Die Ergebnisse machen deutlich: Therapiekonzepte müssen über die reine Medikation hinausgehen. Die soziale und wirtschaftliche Teilhabe der Patienten muss gesichert werden.

Achtsamkeit und digitale Helfer im Alltag

Achtsamkeitsbasierte Verfahren gelten als wirksame Ergänzung zur Standardtherapie. Methoden wie die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) helfen laut Fachgesellschaften wie der AMSEL, Überforderung frühzeitig zu erkennen. Auch die typische MS-Fatigue (chronische Erschöpfung) lässt sich so lindern.

Empfohlen werden zudem Progressive Muskelentspannung und Yoga – auch in modifizierter Form im Sitzen oder für Rollstuhlfahrer.

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Digitale Anwendungen wie die Brisa-App erlauben Patienten, Symptome zu dokumentieren und Achtsamkeitsübungen in den Alltag zu integrieren. Auch die Natur hilft: Eine Studie der Medizinischen Universität Wien und der BOKU aus dem Jahr 2025 belegte, dass bereits 20 Minuten im Wald den Cortisolspiegel senken und negative Emotionen reduzieren.

Forschung zu Fatigue und Prävention

In Deutschland sind schätzungsweise 200.000 Menschen von MS betroffen. Rund 75 Prozent leiden unter Fatigue. An der Universitätsmedizin Magdeburg forscht Prof. Dr. Tino Zähle zu nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren (tDCS, tACS). Seine Professur für Medizinische Psychologie trat er Mitte 2026 an.

Der DMSG-Bundesverband fördert 2025 Projekte zur Tertiärprävention mit 225.000 Euro. Zwei Beispiele:

  • LUTiMS: Eine Internetplattform mit Chatbot bei Blasenfunktionsstörungen. Getestet über 24 Monate mit 50 Probanden.
  • HIIT-Studie: Untersucht hochintensives Intervalltraining über zwölf Wochen. Analysiert werden Effekte auf den Tryptophan-Stoffwechsel sowie auf Angst und Depression.

Unterstützt werden die Projekte von Pharmaunternehmen wie Bristol-Myers Squibb, Novartis und Roche.

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Technische Gadgets: Vorsicht geboten

Neben klassischen Verfahren drängen technologische Geräte auf den Markt. Sie versprechen Stressreduktion durch Vagusnerv-Stimulation. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit 15 randomisierten Studien bescheinigt ihnen moderate Wirksamkeit in klinischen Settings.

Prof. Kroemer von der Universität Tübingen mahnt jedoch zur Vorsicht. Viele Produkte haben keine medizinische Zulassung. Die Wirkung sei individuell sehr unterschiedlich.

Als evidenzbasierte Alternativen zur kurzfristigen Stressbewältigung gelten Atemübungen oder Kaltwasseranwendungen. Die langfristige Forschung an nicht-invasiven Stimulationsverfahren gegen Fatigue wird an akademischen Zentren fortgesetzt.

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