Movember, Männer

Movember: 84 Prozent der Männer verbergen psychische Probleme im Job

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhebungen zeigen Lücken bei Früherkennung und psychischer Unterstützung; Projekte sollen den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.
Ein ruhiger Waldweg in der Morgendämmerung, der zur Selbstreflexion und Achtsamkeit einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Die weltweite Initiative Movember rückt im November die spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen von Männern in das öffentliche Bewusstsein. Neben körperlichen Erkrankungen wie Prostata- oder Hodenkrebs gewinnen dabei seelische Faktoren, Geschlechterrollen und die Inanspruchnahme präventiver Angebote zunehmend an Bedeutung.

Verschiedene Erhebungen und klinische Erfahrungen verdeutlichen erhebliche Defizite in der Vorsorge sowie bei der rechtzeitigen Behandlung psychischer Krisen.

Ungleiche Lebenserwartung und zögerliche Vorsorge

Statistische Erhebungen belegen ein deutliches Gefälle zwischen den Geschlechtern. Nach Angaben der Krankenkasse AOK sterben Männer weltweit im Schnitt fast fünf Jahre früher als Frauen; auch in Deutschland liegt die Lebenserwartung der Vereinigung Cockpit zufolge durchschnittlich rund fünf Jahre niedriger.

Nach einer Analyse der Urologischen Stiftung Gesundheit tragen hierzu ein ungesünderer Lebensstil mit höherem Konsum von Tabak und Alkohol, arbeitsbedingter Stress sowie Männerkrankheiten bei.

Eine Auswertung einer Lancet-Studienreihe ergab zudem, dass die Krankheitslast bei Männern weltweit um 16 Prozent höher liegt als bei Frauen, in Deutschland um 14 Prozent und in der Schweiz um 4 Prozent. Michael Mühlichen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verweist dabei auf körperlich belastende Berufe, Schichtarbeit und höhere Unfallrisiken.

Trotz dieser Risiken bleibt die Inanspruchnahme medizinischer Kontrollen gering. Wie die AOK ermittelte, nutzen lediglich 40 Prozent der Männer in Deutschland regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen, verglichen mit gut 67 Prozent bei den Frauen – obwohl rund drei Viertel der Männer wissen, dass die gesetzlichen Kassen derartige Leistungen anbieten.

In Deutschland besteht ab dem 45. Lebensjahr ein jährlicher Anspruch auf Prostatakrebs-Früherkennung und ab 50 Jahren auf Darmkrebs-Screenings. Seit April 2026 greift zudem eine Lungenkrebs-Früherkennung per Niedrigdosis-CT für starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, während eine Entscheidung über das Hautkrebs-Screening bis Ende 2027 ansteht.

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Krebsfrüherkennung und klinische Praxis

Prostatakrebs gilt als die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. In Deutschland werden jährlich knapp 80.000 Diagnosen gestellt, in Österreich über 8.000, davon 1.100 Fälle in der Steiermark.

Urologen empfehlen Kontrollen ab dem 45. oder 50. Lebensjahr, bei familiärer Vorbelastung bereits ab 40 Jahren. Die Med Uni Graz betont, dass bei fünf bis zehn Prozent der Krebserkrankungen eine erbliche Vorbelastung vorliegt, wobei etwa BRCA2-Veränderungen das Risiko erhöhen.

Während gesetzliche Kassen die Tastuntersuchung übernehmen, erfolgt die Bestimmung des PSA-Werts oft als Selbstzahlerleistung. Organisationen wie die Südtiroler Krebshilfe mahnen, nicht erst auf Symptome zu warten, da Tumoren im Frühstadium meist unbemerkt bleiben.

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Hohe Hürden bei psychischen Erkrankungen

Neben somatischen Erkrankungen gerät das psychische Wohlbefinden stärker in den Blick. Nach dem Suizidbericht 2025 des österreichischen Gesundheitsministeriums starben im Jahr 2024 in Österreich 1.219 Menschen durch Suizid, darunter 972 Männer und 247 Frauen – ein Männeranteil von knapp 80 Prozent.

Psychotherapeuten machen traditionelle Männlichkeitsnormen und den Druck, stets leistungsfähig zu sein, dafür mitverantwortlich, dass professionelle Unterstützung gemieden wird.

Depressionen bleiben bei Männern häufig unerkannt, da sie sich oft atypisch über Symptome wie Gereiztheit, Aggressivität, körperliche Beschwerden oder riskanten Alkoholkonsum äußern. Laut einer LiveCareer-Studie verbergen 84 Prozent der befragten Männer psychische Probleme am Arbeitsplatz; lediglich 15 Prozent fühlen sich wohl dabei, professionelle Hilfe zu suchen.

Um Barrieren abzubauen, entwickelt das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Projekt «Beyond the Barriers» der Fachhochschule OST ein gendersensibles digitales Screening-Tool für Hausarztpraxen, nachdem eine Onlinebefragung von 525 Erwachsenen in der Deutschschweiz eine deutliche Selbststigmatisierung bei Männern dokumentierte.

Parallel initiieren Berufsverbände wie die Vereinigung Cockpit Peer-Support-Programme, um Ängste vor beruflichen Nachteilen bei psychischen Belastungen zu mindern.

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