Morbus Verneuil: Tulisokibart erzielt 72 Prozent Ansprechen in Phase 2b
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Hidradenitis suppurativa, auch bekannt als Morbus Verneuil, steht vor neuen therapeutischen Entwicklungen. Der US-Pharmakonzern Merck untersucht mit dem Wirkstoff Tulisokibart einen monoklonalen Antikörper, der gezielt das Zytokin TL1A blockiert.
Laut Berichten vom 30. September 2026 erreichte das Prüfpräparat in der Phase-2b-Studie MK-7240-012 (NCT06956235) bei Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Ausprägung der Erkrankung sowohl die primären als auch wichtige sekundäre Endpunkte.
Die Ergebnisse wurden beim EADV 2026 Congress unter dem Abstract LB-26 vorgestellt. Hidradenitis suppurativa betrifft weltweit etwa einen von 100 Menschen.
Wirksamkeitsdaten im klinischen Vergleich
Den primären Endpunkt der Untersuchung bildete das klinische Ansprechen nach dem HiSCR50-Score in Woche 16. In der Gruppe mit einer hohen Dosierung von 480 mg alle zwei Wochen (Q2W) erreichten 72 Prozent der Teilnehmenden (n=42) diesen Endpunkt.
Bei einer mittleren Dosierung von 480 mg alle vier Wochen (Q4W) betrug die Ansprechrate 64 Prozent (n=42). Gegenüber der Placebogruppe, in der eine Rate von 35 Prozent (n=44) verzeichnet wurde, entspricht dies einem Zuwachs von 37 beziehungsweise 29 Prozentpunkten.
Zusätzlich untersuchte das Studienprogramm eine explorative niedrige Dosierung von 240 mg alle vier Wochen (Q4W). In diesem Studienarm erreichten 52 Prozent der Probanden (n=21) den HiSCR50, was einem Vorsprung von 17 Prozentpunkten gegenüber Placebo entspricht.
Beim sekundären Endpunkt HiSCR75 in Woche 16 lagen die Ansprechraten bei 41 Prozent unter der hohen Dosierung, bei 40 Prozent unter der mittleren Dosierung und bei 29 Prozent unter der niedrigen Dosierung, während der Placeboarm eine Rate von 15 Prozent erreichte.
Die Phase-2b-Daten zu Tulisokibart zeigen: 72 Prozent der Teilnehmenden mit hoher Dosierung erreichten in Woche 16 den HiSCR50 — gegenüber 35 Prozent unter Placebo. Was das für die Einordnung der Erkrankung bedeutet, fasst dieser kostenlose Leitfaden Schritt für Schritt zusammen. Leitfaden zu den Studiendaten jetzt anfordern
Lebensqualität und Sicherheitsprofil
Neben den Hautsymptomen erfasste die Studie Auswirkungen auf die Lebensqualität über den Dermatology Life Quality Index (DLQI). Die Reduktion betrug unter der hohen Dosierung -5,62 Punkte, was um 3,16 Punkte besser ausfiel als im Placeboarm.
Die mittlere Dosierung verzeichnete einen Rückgang um -3,50 Punkte (1,02 Punkte besser als Placebo), während im Placeboarm ein Wert von -2,46 ermittelt wurde. Bei der niedrigen Dosierung zeigte sich hingegen keine Verbesserung beim DLQI.
Hinsichtlich der Verträglichkeit erwies sich das Sicherheitsprofil laut den Studiendaten als vergleichbar mit Placebo. Unerwünschte Ereignisse traten bei 42,9 Prozent in der Hochdosisgruppe, bei 47,6 Prozent in der mittleren Dosisgruppe und bei 52,4 Prozent in der Niedrigdosisgruppe auf, verglichen mit 40,9 Prozent unter Placebo.
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 2,4 Prozent (hohe Dosis), 2,4 Prozent (mittlere Dosis) und 4,8 Prozent (niedrige Dosis) beobachtet, gegenüber 2,3 Prozent im Placeboarm. Schwere oder opportunistische Infektionen wurden nicht verzeichnet.
Ausbau der klinischen Entwicklungspipeline
Auf Basis dieser Ergebnisse kündigte Dr. Aileen Pangan von den Merck Research Laboratories an, dass Tulisokibart in die Phase-3-Entwicklung für Hidradenitis suppurativa überführt werden soll. Die erhobenen Daten dienen der Vorbereitung der anstehenden späten Entwicklungsphase.
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Darüber hinaus wird der Antikörper bereits in mehreren weiteren Indikationen klinisch geprüft: Phase-3-Studien laufen derzeit bei Colitis ulcerosa (ATLAS-UC, NCT06052059) sowie bei Morbus Crohn (ARES-CD, NCT06430801). Phase-2-Studien untersuchen den Wirkstoff zudem bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis sowie radiografischer axialer Spondyloarthritis.
