Morbus, Crohn

Morbus Crohn: Obst und Kaffee fördern klinische Remission

30.06.2026 - 17:09:25 | boerse-global.de

Neue Forschung belegt: Bestimmte Lebensmittel fördern Remission bei chronischen Darmerkrankungen. Auch pflanzliche Proteine zeigen positive Effekte.

Ernährungsstudie: Obst und Kaffee lindern Morbus Crohn
Morbus - Eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse, darunter Beeren, Blattgemüse und Zitrusfrüchte, auf einem Holztisch. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Studie liefert nun konkrete Daten.

Obst und Kaffee helfen bei Morbus Crohn

Eine großangelegte multizentrische Querschnittsstudie aus 40 Zentren in Frankreich und Belgien untersuchte den Zusammenhang zwischen Ernährung und Remission bei 2.514 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die im Juni 2026 veröffentlichte Analyse bezog Daten von 1.715 Morbus-Crohn-Patienten und 799 Colitis-ulcerosa-Patienten aus dem Jahr 2023 ein.

Bei Morbus Crohn erwiesen sich Obst- und Kaffeekonsum als signifikant mit klinischer Remission verbunden. Auch die mediterrane Ernährung zeigte positive Effekte. Colitis-ulcerosa-Patienten profitierten vor allem von Obst und Salat. Eine allgemein gesunde Ernährung ohne spezifische Ausrichtung hingegen zeigte keinen direkten Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität.

Proteinwahl prägt das Entzündungsgedächtnis

Die Wahl der Proteinquelle hat langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem des Darms. Tierisches Eiweiß kann über die Aktivierung von Gallensäuren Entzündungsreaktionen fördern. Pflanzliche Alternativen wie Erbsenprotein zeigten in Studien geringere Effekte auf diese Prozesse.

Forscher beobachteten, dass Darmstammzellen ein sogenanntes Entzündungsgedächtnis bilden können – und das über 100 Tage. Um diese Zusammenhänge weiter zu entschlüsseln, investiert die Universität Bielefeld seit Juni 2026 rund 3,4 Millionen Euro in das Projekt „MikrobiomProCheck“.

Parallel dazu weisen Daten aus deutschen Krebsregistern (2003 bis 2023) auf eine steigende Darmkrebs-Inzidenz bei unter 40-Jährigen hin. Als mögliche Ursachen diskutieren Experten Übergewicht und Veränderungen der Darmflora.

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Was gegen „Inflammaging“ hilft

Das Phänomen des „Inflammaging“ beschreibt chronische, niedriggradige Entzündungen im Alter. Ursachen sind unter anderem die Immunoseneszenz und eine Dysbiose des Darms. Bestimmte Inhaltsstoffe in hochverarbeiteten Lebensmitteln wie der Emulgator Carrageenan stehen im Verdacht, die Darmpermeabilität zu erhöhen.

Wissenschaftliche Daten deuten auf die Bedeutung gezielter Nährstoffe hin:

  • Magnesium: Ein Mangel wird bei über 51-Jährigen mit erhöhten Entzündungswerten assoziiert.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Carotinoide und Kurkumin zeigen anti-entzündliche Potenziale und schützen das Herz-Kreislauf-System.
  • Omega-3-Fettsäuren: Die Umwandlung von pflanzlicher Alpha-Linolensäure (ALA) in EPA und DHA ist beim Menschen oft ineffizient (unter 1 Prozent). Algenöl kann den Omega-3-Index effektiv erhöhen.

Ein weiterer kritischer Faktor: Antibiotika. Langzeitstudien mit knapp 15.000 Probanden belegen, dass sie das Mikrobiom noch Jahre nach der Einnahme beeinträchtigen können. In der Pädiatrie wird ein Zusammenhang zwischen früher Antibiotikaexposition und späterem Risiko für Adipositas oder CED beobachtet.

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Neue Technik und wachsender Probiotika-Markt

Biologika und ihre günstigeren Biosimilars gewinnen an Bedeutung, um Immunbotenstoffe bei Erkrankungen wie Morbus Crohn gezielt zu blockieren. Auch die Chirurgie entwickelt sich weiter: Anfang Juni 2026 wurde in Tirol erstmals in Europa ein neuer digitaler Klammernaht-Stapler bei Darmoperationen eingesetzt. Er liefert Echtzeit-Feedback über die Gewebebeschaffenheit.

Der Markt für Probiotika verzeichnet hohe Dynamik. Marktdaten bis Ende 2025 listen OMNi-BiOTiC als weltweit zweitstärkste Marke in diesem Segment. Eine Studie aus Japan zeigte, dass spezifische Bakterienstämme wie Clostridium butyricum das Risiko für erneute Frühgeburten senken konnten.

Berichte vom ASCO-Kongress 2025 untermauern die klinische Relevanz der Ernährung: Eine entzündungshemmende Diät konnte bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III die Überlebenswahrscheinlichkeit signifikant verlängern.

de | wissenschaft | 69662181 |