Morbus Crohn: Kieler Studie zeigt Ursprung der Darmzerstörung
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 02:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Rund 70 Prozent des Immunsystems werden von der Darmflora beeinflusst. Aktuelle Studien belegen den Zusammenhang zwischen bakterieller Zusammensetzung und Erkrankungen wie Morbus Crohn, Divertikulitis oder Krebs.
Mikrobiomanalyse findet Ursachen
Immer mehr Ärzte setzen auf Mikrobiomanalysen. Bei chronischen Blähungen, Erschöpfungszuständen, Long COVID oder Autoimmunerkrankungen untersuchen spezialisierte Praxen die Bakterienzusammensetzung, Entzündungsmarker und die Schleimhautbarriere. Die Kosten liegen bei rund 240 Euro, Beratungen und personalisierte Therapien kommen hinzu.
Ziel der Behandlungen: die Barrierefunktion des Darms stärken und die Immunantwort regulieren. Einen völlig neuen Ansatz verfolgt das Verbundprojekt MEDphage, das das BMBF mit 970.000 Euro fördert. Es untersucht individualisierte Bakteriophagen als Alternative zu Antibiotika.
Durchbruch bei Morbus Crohn
Kieler Forscher erzielten einen wichtigen Erfolg. Ihre Studie, veröffentlicht am 14. Juli in Immunity, zeigt: Bestimmte Immunzellen (Th17-Zellen) entstehen ursprünglich in der Mundschleimhaut gegen den Hefepilz Candida albicans. Bei Morbus Crohn wandern sie in den Darm – und wirken dort gewebsschädigend statt schützend.
Die Erkenntnis eröffnet neue Therapiewege. Im Fokus stehen ?4?7-Integrin-Antagonisten oder Modulatoren des Botenstoffs Interleukin-23.
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Die Universität Ferrara präsentierte auf einer Fachkonferenz in Florenz einen überraschenden natürlichen Wirkstoff: Ein Extrakt aus der Pazifischen Auster, gewonnen aus Aquakultur-Abfällen, hemmte in Zellmodellen Entzündungen und schützte die Darmbarriere.
Joghurt gegen Darmkrebs?
US-Forscher werteten NHANES-Daten von über 9.000 Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Wer regelmäßig Joghurt sowie Prä- und Probiotika konsumiert, erkrankt seltener an Darmkrebs. Ein kausaler Beweis fehlt jedoch – die Konsumentengruppe pflegte insgesamt einen gesünderen Lebensstil.
Klarer sind die Daten zur pflanzlichen Ernährung. Das American Gut Project mit mehr als 11.000 Teilnehmern zeigt: Wer über 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche isst, erhöht die mikrobielle Diversität im Darm – unabhängig von veganer oder omnivorer Ernährung.
Neue Leitlinien für Divertikulitis
Die AWMF-Leitlinie hat die Empfehlungen geändert. Nach einer kurzen Akutphase mit Schonkost folgt ein schrittweiser Aufbau zu ballaststoffreicher Ernährung mit mindestens 30 Gramm Ballaststoffen täglich. Entgegen früherer Annahmen müssen Nüsse und Kerne nicht gemieden werden.
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Forderungen an die Gesundheitspolitik
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) fordert bessere Vorsorge für Bauchorgane. Über 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Fettleber. Experten plädieren dafür, Leberdiagnostik fest in den Gesundheits-Check-up zu integrieren.
Diskutiert wird zudem eine Zuckersteuer ab 2028. Sie könnte das Gesundheitssystem jährlich um bis zu 170 Millionen Euro entlasten.
Marathonläufer haben erhöhtes Risiko
Gastroenterologen raten Sportlern mit hoher Belastung zu frühzeitigen Darmkrebs-Kontrollen. Eine im Juli rezipierte ASCO-Untersuchung an Marathonläufern zeigte eine auffällig hohe Rate an Darmpolypen und Adenomen. Die Empfehlung: Koloskopien bereits ab 40 bis 45 Jahren in Erwägung ziehen.
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