Morbus Crohn: Genetischer Marker HLA-DRB1*01:03 identifiziert
16.06.2026 - 07:23:30 | boerse-global.de
Gleich zwei Studien liefern neue Ansätze für eine präzisere Diagnostik und gezieltere Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Risikomarker für schwere Verläufe entdeckt
Eine großangelegte Studie in The Lancet Gastroenterology & Hepatology identifiziert den genetischen Marker HLA-DRB1*01:03. Das internationale Forscherteam analysierte Daten von 43.762 Patienten – darunter rund 21.800 Fälle von Morbus Crohn und 21.900 Fälle von Colitis ulcerosa.
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Der Marker tritt bei etwa jedem zwanzigsten IBD-Patienten auf. Seine Anwesenheit korreliert mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Operationen wie Kolonentfernungen, perianale Komplikationen und einem gesteigerten Bedarf an fortgeschrittenen Therapien. Genetische Tests könnten Hochrisikopatienten künftig direkt nach der Diagnose identifizieren.
Zellatlas zeigt molekulare Narben im Darm
Parallel dazu veröffentlichte Nature Genetics eine detaillierte Kartierung der Genaktivität bei Morbus Crohn. Die Forscher analysierten über eine Million Darmzellen von 111 Patienten und 232 gesunden Vergleichspersonen. Mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung identifizierten sie über 50 verschiedene Zelltypen.
Das zentrale Ergebnis: Eine molekulare Narbe in den Stammzellen der Darmschleimhaut. Bestimmte Gene bleiben auch nach dem Abklingen einer akuten Entzündung aktiv. Das könnte erklären, warum die Erkrankung häufig chronisch wiederkehrt.
Die Forscher identifizierten zudem spezifische Makrophagen mit dem ITGA4-Gen als wesentliche Treiber der Entzündungsprozesse. Gleichzeitig deuten Erkenntnisse der University of Glasgow auf bisher unbekannte Immunzellen hin, die als Schutzmechanismus fungieren könnten. Die Daten sind unter dem Namen IBDverse online zugänglich.
Neue Antikörper-Therapie zeigt vielversprechende Ergebnisse
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Auch in der klinischen Entwicklung gibt es Fortschritte. Spyre Therapeutics legte Topline-Daten aus Teil A der Phase-2-Studie SKYLINE vor. Der TL1A-Antikörper SPY002 soll Colitis ulcerosa behandeln.
Nach 12 Wochen erreichte die Studie ihren primären Endpunkt: Der Mayo-Score reduzierte sich im Durchschnitt um 10,7 Punkte. 33 Prozent der Teilnehmer erreichten eine klinische Remission, bei 42 Prozent zeigte sich eine endoskopische Verbesserung. Der Antikörper erwies sich als gut verträglich.
Bemerkenswert: 35 Prozent der Studienteilnehmer hatten bereits Vortherapien erhalten. Das unterstreicht die Relevanz für schwer behandelbare Patientengruppen.
