Morbus Crohn: Fastenkur lindert Symptome bei zwei Dritteln
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 07:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Fastenähnliche Diäten und personalisierte Ernährung verbessern die klinischen Ergebnisse deutlich – parallel liefern Genetik und Pharmaindustrie neue Ansätze.
Fastenkur hilft zwei Dritteln der Patienten
Eine Studie der Stanford Medicine vom Juli 2026 belegt die Wirksamkeit des sogenannten Scheinfastens bei Morbus Crohn. Bei rund zwei Dritteln der Patienten linderte eine zeitlich begrenzte Fastenkur die Symptome. Als zentraler Faktor gilt das Protein BHLHE40 – eine Art Steuermann im Immunsystem, das Entzündungsprozesse reguliert.
Die Personalisierung der Ernährung rückt ebenfalls in den Fokus. Eine Untersuchung der Tufts University mit rund 1.800 US-Patienten zeigt: Individuell zugeschnittene Mahlzeiten senkten die Krankenhausaufenthalte innerhalb von sechs Monaten um 31 Prozent. Die Notaufnahmebesuche gingen um 20 Prozent zurück. Bei chronischer Niereninsuffizienz sparten die Patienten netto bis zu 12.000 Dollar.
Industrie reagiert auf Ernährungstrend
Der Gesundheitskonzern Fresenius eröffnete Anfang Juli ein neues Innovationszentrum für medizinische Ernährungslösungen. Die Branche erkennt das Potenzial: Medizinische Ernährung wird zum eigenen Geschäftsfeld.
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Genforschung identifiziert Auslöser
Die Universität Oxford veröffentlichte im Frühjahr 2026 eine Studie im New England Journal of Medicine. Forscher identifizierten Autoantikörper gegen das Zytokin Interleukin-10 (IL-10) als Auslöser für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Genvariante HLA-DRB1*01:03 spielt dabei eine entscheidende Rolle. Künftig könnten Risikopatienten frühzeitig erkannt werden – und neue Angriffspunkte für Immuntherapien entstehen.
Forscher der Universität Kiel und des UKSH fanden zudem reduzierte Spiegel von Tryptophan und Cholin im Blut von CED-Patienten. Maßgeschneiderte Diäten könnten das Mikrobiom positiv verändern und systemische Entzündungen reduzieren. Eine universelle Diät für alle Betroffenen gibt es allerdings nicht.
Pharmaindustrie liefert neue Wirkstoffe
Das Unternehmen Abivax veröffentlichte im Juli 2026 Ergebnisse der Phase-3-Studie ABTECT für den Wirkstoff Obefazimod. Bei Colitis-ulcerosa-Patienten, die zuvor auf andere Therapien nicht ansprachen, erreichten 37,2 Prozent nach 44 Wochen eine klinische Remission. Eine Dosiserhöhung auf 50 mg steigerte die Rate auf 45,5 Prozent. Abivax plant die Zulassung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA für das vierte Quartal 2026.
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Der IL-23-Inhibitor Guselkumab (Tremfya) von Janssen ist bereits für moderat bis schwer aktiven Morbus Crohn zugelassen. Klinische Daten aus den QUASAR-Studien belegen signifikante Raten von endoskopischem Ansprechen – auch bei subkutaner Gabe.
Langzeittherapie und Prävention
Das deutsche TARGET-Register bestätigt die Langzeitakzeptanz moderner Therapien. Über fünf Jahre zeigten Immunmodulatoren wie JAK-Inhibitoren Persistenzraten von über 90 Prozent. Die Daten wurden auf einem Fachkongress in Leipzig präsentiert.
Ballaststoffreiche Ernährung gewinnt an Bedeutung. Studien der Universität Granada bestätigten 2026 die langfristige Wirksamkeit des Intervallfastens (16:8) für den Gewichtsverlust. Seit Juni 2026 empfehlen medizinische Leitlinien – etwa für Rheuma-Patienten – eine tägliche Zufuhr von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen. Das „Plant Points“-System, basierend auf Daten des American Gut Project, unterstreicht die Bedeutung pflanzlicher Vielfalt für ein stabiles Mikrobiom.
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