Morbus Crohn: Eine Stuhltransplantation eliminierte AIEC in der Pilotstudie
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deChronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn stellen die Gastroenterologie weiterhin vor komplexe Herausforderungen. Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der chronischen Entzündungsprozesse spielt das intestinale Mikrobiom eine zentrale Rolle. Ein besonderer Fokus der wissenschaftlichen Forschung liegt auf adhärent-invasiven Stämmen von Escherichia coli (AIEC).
Diese Bakterien besitzen die Eigenschaft, sich an die Schleimhaut des Darms anzuheften, in Epithelzellen einzudringen und dadurch anhaltende Entzündungsschübe zu begünstigen. Neue therapeutische Konzepte setzen darauf an, diese bakteriellen Auslöser selektiv zu beseitigen oder ihre pathologische Wirkung gezielt zu neutralisieren.
Fäkale Mikrobiota-Transplantation zur Beseitigung von AIEC
Ein vielversprechender Ansatz zur Wiederherstellung eines gesunden mikrobiellen Gleichgewichts ist die Beeinflussung der Darmflora durch fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT). Ergebnisse einer klinischen Pilotstudie deuten darauf hin, dass dieser Transfer von aufbereiteten Mikroorganismen tiefgreifende Veränderungen in der bakteriellen Besiedlung bewirken kann.
Den Daten der Pilotstudie zufolge gelang es durch die Gabe einer einzigen Dosis einer fäkalen Mikrobiota-Transplantation, adhärent-invasive E. coli im Darm von Patienten mit Morbus Crohn vollständig zu eliminieren.
Während konventionelle antibiotische Therapien häufig das gesamte Mikrobiom schädigen und das Risiko von Resistenzbildungen bergen, zeigt die FMT-Intervention das Potenzial, pathogene Keime durch gezielte mikrobielle Verdrängung dauerhaft zurückzudrängen.
Bakteriophagen als zielgerichtete Alternative im Tiermodell
Ergänzend zu vollständigen Mikrobiom-Transfers gewinnen präzise biologische Werkzeuge wie Bakteriophagen an Bedeutung. Forscher der McMaster University untersuchten den Einsatz maßgeschneiderter Phagentherapien zur gezielten Bekämpfung von AIEC.
Antibiotika treffen das gesamte Mikrobiom — die Pilotstudie setzt dagegen auf gezielte Verdrängung: Eine einzelne FMT-Dosis eliminierte adhärent-invasive E. coli bei Morbus Crohn. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Datenlage ein und zeigt, welche Fragen Sie Ihrem Gastroenterologen stellen sollten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
In experimentellen Modellen konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass eine zielgerichtete Bakteriophagen-Therapie die Anheftung der AIEC-Bakterien an die Darmschleimhaut wirksam unterdrückt und in der Folge die Gewebeentzündung signifikant reduziert.
Von besonderem klinischem Interesse ist zudem das Potenzial zur Einsparung von Immunsuppressiva. Bei der Behandlung von Morbus Crohn sind Kortikosteroide zwar hochwirksam in der akuten Schubtherapie, jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.
In den Versuchen der McMaster University erwies sich eine Kombination aus einer niedrigeren Steroiddosis und der Phagentherapie als vergleichbar wirksam wie eine alleinige Therapie mit einer höheren Steroiddosis. Dieser Befund eröffnet Perspektiven für steroidsparende Behandlungsregime.
Nächste Schritte auf dem Weg zu Humanstudien
Trotz der vielversprechenden experimentellen Daten steht der breite klinische Einsatz von Phagen und mikrobiommodulierenden Verfahren bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen noch vor methodischen Hürden. Die biologische Vielfalt der AIEC-Stämme bei verschiedenen Patienten erfordert hochspezifische therapeutische Ansätze.
Kortikosteroide wirken im akuten Schub — doch die Nebenwirkungen belasten viele Betroffene dauerhaft. In experimentellen Modellen war eine niedrigere Steroiddosis in Kombination mit gezielter Phagentherapie vergleichbar wirksam wie eine höhere Dosis allein. Unser Leitfaden fasst die Ansätze zusammen und liefert eine Checkliste für steroidsparende Optionen. Checkliste steroidsparende Therapie sichern
Als nächste Schritte plant die McMaster University den Aufbau größerer Sammlungen von Bakterienstämmen sowie die Entwicklung differenzierter Phagen-Kombinationen. Ziel dieser weiterführenden Arbeiten ist es, standardisierte Rezepturen zu entwickeln, die in künftigen klinischen Studien an menschlichen Patienten überprüft werden können.
Die Kombination aus gezielter Erregerbekämpfung und immunologischer Entlastung könnte mittelfristig neue Optionen für Patienten eröffnen, bei denen bestehende Standardtherapien unzureichend greifen.
