Moorforschung: 97 Prozent der Gencluster sind bislang unbekannt
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Mooren schlummern mikrobielle Ressourcen, deren genetisches Potenzial für biologische Naturstoffe bisher weitgehend unerschlossen ist. Eine wissenschaftliche Untersuchung von Forschenden der Universitäten Jena, Düsseldorf und Delaware sowie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) liefert nun detaillierte Einblicke in diese besonderen Biotope.
Im Mittelpunkt der in der Fachzeitschrift Nature Communications (2026, DOI: 10.1038/s41467-026-78121-8) veröffentlichten Studie stand Torf aus dem Schlöppnerbrunnen-Moor im Fichtelgebirge.
Wie aus Berichten vom 9. Oktober 2026 hervorgeht, identifizierte das Forschungsteam in den analysierten Proben knapp 9.700 biosynthetische Gencluster. Nach dem Ausschluss unvollständiger Fragmente blieben mehr als 8.000 Cluster als verlässlich eingestuft.
Hoher Anteil bislang unbekannter Gencluster
Die Auswertung der Daten verdeutlicht, wie wenig über die mikrobiellen Stoffwechselwege in Moorbiotopen bisher bekannt ist. Den beteiligten Forschenden der Universitäten Jena, Düsseldorf und Delaware sowie des iDiv zufolge ließen sich etwa 97 % der identifizierten Gencluster keiner bislang bekannten Gencluster-Familie zuordnen.
Dieser Befund belegt ein erhebliches Repertoire an biochemischen Bauplänen, die sich grundlegend von den bisher in Sequenzdatenbanken hinterlegten Einträgen unterscheiden. Für die Suche nach neuen Naturstoffstrukturen stellt dieses bisher unkartierte genetische Material ein vielversprechendes Reservoir dar.
Eingeschränkte Aktivität und die Rolle von Acidobacteriota
Trotz der Fülle an entdeckten Sequenzen ist in der intakten Moorumgebung nur ein Bruchteil davon funktionell aktiv. Das Forschungsteam ermittelte, dass unter den natürlichen Bedingungen des Moores lediglich etwa 9–27 % der untersuchten Cluster abgelesen wurden. Der überwiegende Teil der Gencluster verharrte somit in einem inaktiven Zustand.
Knapp 9.700 biosynthetische Gencluster fanden Forschende in einer Moorprobe — doch rund 97 % davon ließen sich keiner bekannten Gencluster-Familie zuordnen. Wer neue Naturstoffe sucht, findet hier ein weitgehend unkartiertes Reservoir. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie solche Cluster kartieren, ruhende Kandidaten identifizieren und gezielt aktivieren. Praxisleitfaden Naturstoff-Screening jetzt anfordern
Eine dominierende Stellung nahmen dabei Bakterien aus der Gruppe der Acidobacteriota ein: Sie stellten etwa zwei Drittel der gesamten gemessenen Naturstoffgen-Signale.
Die Aktivität dieser Bakteriengruppe war der Studie zufolge direkt mit dem Abbau von komplexem Pflanzenmaterial verbunden. Dies weist darauf hin, dass die Bildung entsprechender Naturstoffe im Ökosystem Moor eng an die Zersetzung schwer abbaubarer pflanzlicher Biomasse gekoppelt ist.
Bedeutung für die künftige Naturstoffforschung
Die Ergebnisse aus dem Schlöppnerbrunnen-Moor unterstreichen den Wert von Moorlandschaften als Quelle unentdeckter mikrobieller Vielfalt. Da die Mehrheit der biosynthetischen Cluster im natürlichen Habitat ruht, rückt die Frage nach den Auslösern für deren Aktivierung in den Fokus künftiger Arbeiten.
Im intakten Moor werden nur etwa 9–27 % der biosynthetischen Cluster überhaupt abgelesen — der Großteil ruht. Genau hier setzt die künftige Naturstoffforschung an: bei der gezielten Regulation inaktiver Gencluster. Der Leitfaden bündelt die wichtigsten Ansätze zur Aktivierung ruhender Cluster und ordnet ein, welche Signale im Ökosystem die Bildung von Naturstoffen auslösen. Ansätze zur Cluster-Aktivierung jetzt sichern
Fachleute sehen in der gezielten Regulation solcher inaktiven Gencluster einen wesentlichen Ansatzpunkt, um die verborgenen Naturstoffpotenziale dieser spezialisierten Mikroorganismen künftig systematisch zu erschließen.

