Möbelindustrie: 7,7 Mrd. Euro Umsatz im H1 2026, minus 2,7 Prozent
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Möbelindustrie verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen weiteren Rückgang der Umsätze. Laut aktuellen Branchendaten belief sich der Gesamtumsatz in diesem Zeitraum auf 7,7 Milliarden Euro. Dies entspricht einem nominalen Minus von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich eine negative Entwicklung fort, die bereits im Jahr 2023 einsetzte und bis 2026 zu einem Umsatzverlust von insgesamt 20 Prozent führte. Das Jahr 2025 markierte dabei bereits das dritte Rückgangsjahr in Folge und wies den niedrigsten Stand seit 2009 auf.
Divergierende Entwicklungen in den Branchensegmenten
Innerhalb der Industrie zeigt sich ein gespaltenes Bild. Während das Segment der Küchenmöbel im ersten Halbjahr 2026 ein leichtes Umsatzplus von 1 Prozent sowie ein Auftragsplus von 0,9 Prozent verzeichnete, gerieten andere Bereiche unter erheblichen Druck. Besonders betroffen waren Polstermöbel, deren Umsatz um 10 Prozent und deren Auftragseingänge um 10,5 Prozent zurückgingen.
Das Inlandsgeschäft schwächelte mit einem Rückgang von 4,1 Prozent deutlicher als das Exportgeschäft. Die Exportquote der Branche lag zuletzt bei 35,2 Prozent, wobei Küchen mit 47 Prozent eine deutlich stärkere internationale Ausrichtung aufweisen. Parallel dazu stieg der Importanteil am deutschen Markt auf 60 Prozent an, nachdem dieser im Jahr 2019 noch bei 44 Prozent gelegen hatte.
Strukturwandel und internationaler Wettbewerb
Die Branche durchläuft einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die Anzahl der Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten sank von 480 im Jahr 2018 auf 398 im Jahr 2025. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten von 84.600 auf 68.300. Angesichts der aktuellen Marktlage planen laut dem Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) rund 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen die Einführung von Kurzarbeit.
Der VDM fordert vor diesem Hintergrund politische Maßnahmen wie Schutzzölle. Als Grund wird unter anderem der starke Anstieg von Importen aus China genannt, die im ersten Halbjahr 2026 ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro erreichten. Seit 2017 entspricht dies einem Zuwachs von 81 Prozent. Ein weiterer bedeutender Importeur ist Polen mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro.
Konsumklima und Einflüsse des Wohnungsmarktes
Als wesentliche Ursachen für die Absatzschwierigkeiten gelten hohe Produktionskosten, ein schwaches Konsumklima und der stockende Wohnungsbau. Das Konsumklima für September 2026 wird von Marktforschern des NIM mit minus 26,6 Punkten angegeben. Trotz leicht steigender Einkommenserwartungen blieb die Kauflust mit minus 9,8 Punkten im negativen Bereich, während die Sparneigung mit 15,5 Punkten hoch ausfiel.
Zudem belasten gestiegene Wohnkosten das Budget der Verbraucher. Laut Erhebungen des Deutschen Mieterbundes (DMB) meldeten 58 Prozent der Mieter innerhalb der letzten zwölf Monate gestiegene Wohnkosten. Dies führte dazu, dass 50 Prozent der Befragten ihre Ausgaben für Kleidung und Möbel reduzierten.
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Der Mietenreport 2026 verdeutlicht die angespannte Lage: 2025 mussten 11,2 Prozent der Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden.
Die stagnierende Bautätigkeit verschärft die Situation zusätzlich. Studien zufolge fehlen derzeit etwa 1,35 Millionen Wohnungen. Zwar stiegen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 um 15,1 Prozent auf 126.300 an, doch Experten erwarten für das Gesamtjahr 2026 mit lediglich 185.000 Fertigstellungen ein 15-Jahres-Tief.
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Strategische Reaktionen im Handel
Auf die Konsumzurückhaltung reagieren große Marktakteure mit unterschiedlichen Strategien. Ikea kündigte Preissenkungen für 1.500 Produkte an und plant dadurch Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro. Im Möbelhandel deutet sich zudem eine weitere Konsolidierung an, da XXXLutz beabsichtigt, den Wettbewerber Porta zu übernehmen.
Gleichzeitig wird die finanzielle Spielraum vieler Haushalte durch politische Weichenstellungen beeinflusst. Eine geplante Wohngeldreform ab 2027 sieht vor, dass rund 238.000 Haushalte ihren Anspruch komplett verlieren.
Durch den Wegfall von Kleinstansprüchen unter 15 Euro monatlich wollen Bund und Länder jeweils eine Milliarde Euro jährlich einsparen. Dies könnte die Kaufkraft für langlebige Konsumgüter wie Möbel in den kommenden Jahren weiter einschränken.
