Mode 2026: Eigenmarken überholen Premium um 47 Prozent
05.06.2026 - 06:16:15 | boerse-global.de
Die Modebranche erlebt 2026 ein Spannungsfeld aus hochpreisigem Minimalismus, funktionalen Basics und einem radikalen Wandel im Kaufverhalten. Konsumenten setzen zunehmend auf Technik, Ethik und digitale Entscheidungshilfen.
Der Seidenrock als Trend-Phänomen
Der Seidenrock gilt aktuell als das am häufigsten gesuchte Kleidungsstück. Marken wie Réalisation Par, Maison Cléo oder Vince bedienen diesen Bedarf. Der sogenannte Boudoir-Stil wird oft mit kontrastierenden Elementen wie übergroßen Pullovern kombiniert.
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Auch bei Schuhen zeigt sich ein klarer Trend: minimalistische Zehentrenner. Phoebe Philo bietet Modelle mit breiten Stoffriemen für 480 Euro an, Prada Varianten aus gebürstetem Kalbsleder für 650 Euro.
Parallel bleibt die Nachfrage nach funktionalen Basics hoch. Das AIRism T-Shirt von Uniqlo kostet 14 Euro. Es nutzt ultradünne Fasern zur Feuchtigkeitsaufnahme und bietet desodorierende sowie Stretch-Eigenschaften.
Eigenmarken auf dem Vormarsch
Das Konsumverhalten in Deutschland hat sich deutlich zugunsten von Eigenmarken verschoben. Laut YouGov stieg ihr Marktanteil von 41 Prozent (2021) auf 47 Prozent (2025). Premium-Eigenmarken verzeichneten 2025 ein Wachstum von 11 Prozent.
Markenprodukten messen 57 Prozent der Konsumenten weiterhin hohe Bedeutung bei – doch bei jüngeren Zielgruppen sinkt dieser Wert.
Der Online-Handel legt weiter zu. Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert für 2026 ein nominales Umsatzwachstum von 4,3 Prozent im Online-Bereich. Der stationäre Handel soll nur um 1,6 Prozent wachsen. 2025 erreichte der Online-Umsatz bereits 92 Milliarden Euro.
KI verändert die Kaufentscheidung
Technologie wird zum entscheidenden Faktor: 60 Prozent der Befragten vertrauen KI-Assistenten mehr als herkömmlichen Kundenrezensionen. Rund 65 Prozent der Konsumenten kaufen Bekleidung und Schuhe inzwischen überwiegend digital.
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Ethische Botschaften – Chance und Risiko
Politische Haltung wird für Modemarken zentral, aber auch risikobehaftet. Das Label Manomama erzielte mit seiner FCKAFD-Jeans hohe Resonanz. Ein erstes Ziel von 200 Bestellungen wurde mit rund 500 Aufträgen deutlich übertroffen – nachdem ein Entwurf auf einem Karrierenetzwerk bereits 150 Vorbestellungen ausgelöst hatte.
Gleichzeitig geraten etablierte Fair-Fashion-Akteure unter Druck. Recherchen des Spiegel deuten auf mögliche Defizite bei sozialen Kriterien und Probleme in der Unternehmenskultur bei Armedangels hin. Die Berichte werfen Fragen zur Vereinbarkeit von Performance-Kultur und postulierten Sozialstandards auf.
Funktionale Innovationen für Stadt und Beruf
Neben Ästhetik rückt Funktionalität in den Fokus. Freitag hat mit der Serie Easy Riders multifunktionale Taschen aus LKW-Plane eingeführt – nutzbar als Crossbody-Tasche oder am Fahrrad.
Ein neues Klimatisierungssystem für Arbeitsschutzkleidung steht vor der Präsentation. Das Projekt StAirS, eine Kooperation der DITF und der Hero Textil AG, nutzt eine kompressible Einlegesohle. Durch die Gehbewegung erzeugt sie Druckluft zur Kühlung der Kleidung. Die Entwicklung wird durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert und Mitte Juni 2026 in Berlin vorgestellt.
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