Mobilfunknetze: 84 kritische Sicherheitslücken in 4G und 5G
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftler der Nanyang Technological University in Singapur haben eine umfassende Sicherheitsanalyse zu Mobilfunkinfrastrukturen veröffentlicht. Die Untersuchung legt erhebliche Sicherheitsmängel in den Kernnetzen der Standards 4G und 5G offen. Insgesamt identifizierten die Experten 84 Schwachstellen, die tiefgreifende Auswirkungen auf die Stabilität und Vertraulichkeit der mobilen Kommunikation haben könnten. Besonders kritisch wird dabei eine Lücke bewertet, die Angriffe mittels Session-Hijacking ermöglicht.
Umfangreiche Validierung der Sicherheitsrisiken
Die Tragweite der Entdeckungen wird durch den hohen Grad der Verifizierung unterstrichen. Von den insgesamt 84 gemeldeten Schwachstellen wurden bereits 83 offiziell bestätigt. In der Folge erhielten 81 dieser Sicherheitslücken spezifische CVE-Kennungen, um eine systematische Erfassung und Behebung in der Branche zu ermöglichen. Diese Einordnung verdeutlicht, dass es sich nicht um theoretische Überlegungen, sondern um handfeste technische Defizite handelt, die weite Teile der aktuellen Netzarchitektur betreffen.
Die Forscher der Nanyang Technological University benannten zudem die konkreten Implementierungen der Kernnetze, die in den Tests als anfällig eingestuft wurden. Betroffen sind die Plattformen Open5GS, OpenAirInterface, free5GC sowie SD-Core und eUPF. Diese Systeme spielen eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung und Steuerung von Mobilfunkdiensten und werden in verschiedenen Szenarien der Netzwerkgemeinschaften eingesetzt.
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Ursachenforschung: Das Problem des impliziten Vertrauens
Als wesentliche Ursache für die hohe Anzahl an Schwachstellen identifizierten die Wissenschaftler ein grundlegendes strukturelles Problem innerhalb der Netzarchitekturen. Die Rede ist von einem impliziten Vertrauen zwischen den verschiedenen Kernnetzfunktionen. In der aktuellen Ausgestaltung gehen viele Komponenten davon aus, dass Anfragen innerhalb des geschlossenen Kernnetzes grundsätzlich legitim sind.
Diese mangelnde interne Absicherung führt dazu, dass Sicherheitsmechanismen zwischen den einzelnen Funktionen des Netzwerks oft nicht ausreichend greifen. Wenn ein Angreifer Zugriff auf einen Teil des Systems erlangt, kann dieses Vertrauensverhältnis ausgenutzt werden, um tiefer in die Infrastruktur einzudringen und weitere Funktionen zu manipulieren.
Gefahren durch Denial-of-Service und Session-Hijacking
Die praktischen Auswirkungen der entdeckten Lücken sind vielfältig und betreffen sowohl die Verfügbarkeit als auch die Integrität der Verbindungen. Ein zentrales Risiko stellen Denial-of-Service-Angriffe (DoS) dar. Durch das Ausnutzen der Schwachstellen könnten Angreifer Kernnetzfunktionen gezielt stören oder komplett überlasten, was zu weitreichenden Ausfällen in der Mobilfunkversorgung führen würde.
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Zudem ermöglicht eine der identifizierten Schwachstellen das sogenannte Session-Hijacking. Hierbei sind unbefugte Dritte in der Lage, aktive Kommunikationssitzungen zu übernehmen. Dies stellt eine massive Bedrohung für die Privatsphäre und Datensicherheit dar, da laufende Verbindungen manipuliert oder sensible Informationen während der Übertragung abgegriffen werden könnten. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit, das Sicherheitsmodell von Kernnetzen grundlegend zu überarbeiten, um den Schutz vor gezielten Angriffen auf die kritische Telekommunikationsinfrastruktur zu erhöhen.
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