Mobilfunk-Sicherheitslücke: IMEI-Daten bei Telekom und o2 übermittelt
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den Mobilfunknetzen führender deutscher Anbieter ist eine Sicherheitslücke identifiziert worden, durch die sensible Geräteinformationen während gewöhnlicher Telefonate übertragen wurden.
Wie jüngste Testanrufe des Bayerischen Rundfunks (BR) belegen, wurden bei über 70 durchgeführten Verbindungen spezifische Kennnummern und technische Details der genutzten Smartphones übermittelt. Die betroffenen Daten umfassen unter anderem die International Mobile Equipment Identity (IMEI), die eine eindeutige Identifizierung jedes Mobilgeräts weltweit ermöglicht.
Umfang der Datenübertragung bei den Netzbetreibern
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen unterschiedliche Ausmaße der Datenexposition je nach Provider. In den Netzen der Telekom und von Telefónica (o2) wurde die Übertragung der IMEI-Nummern nachgewiesen. Bei der Telekom sowie bei Vodafone kam es darüber hinaus teilweise zur Übermittlung konkreter Gerätemodelle und der installierten Versionen des Betriebssystems.
Technische Analysen deuten darauf hin, dass die Schwachstelle im Zusammenhang mit sogenannten SIP-Anrufen (Session Initiation Protocol) steht. Hierbei wurden neben der IMEI auch detaillierte Softwarestände übertragen.
Branchenbeobachter der GSMA wiesen darauf hin, dass Konfigurationen für Voice over LTE (VoLTE) dazu führen könnten, dass solche Gerätekennungen offenliegen. Es wurde jedoch klargestellt, dass ein gewöhnlicher Anrufer diese Daten nicht ohne Weiteres einsehen kann; die Informationen sind primär innerhalb der technischen Protokolle der Netzwerkebene sichtbar.
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Politische Einordnung und Sicherheitsbewertung
Die Entdeckung der Sicherheitslücke hat Behörden und die Politik auf den Plan gerufen. Der Verfassungsschutz stufte den Vorfall als sicherheitsrelevant ein. Auch Mitglieder des Bundestages sind unmittelbar betroffen.
So wurde bekannt, dass das Gerät des CDU-Politikers Roderich Kiesewetter ebenfalls von der Lücke betroffen war. Kiesewetter bezeichnete den Umstand als eine eklatante Sicherheitslücke, die den Schutz vertraulicher Kommunikation gefährde.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gab bezüglich der aktuellen Netzstandards eine teilweise Entwarnung. Den Angaben der Behörde zufolge seien moderne LTE- und 5G-Netze zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr von diesem spezifischen Problem betroffen.
Reaktionen der Mobilfunkanbieter
Die betroffenen Unternehmen haben unterschiedlich auf die Erkenntnisse reagiert. o2-Telefónica betonte, dass man die eigentliche Ursache für die Datenübertragung nicht bei den Anbietern selbst sehe. Dennoch habe das Unternehmen umgehend Maßnahmen ergriffen, durch die das Problem inzwischen gelöst worden sei. Auch die Telekom erklärte, dass die entsprechende Sicherheitslücke in ihrem Netz bereits geschlossen wurde.
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Vodafone teilte mit, dass das Unternehmen im Einklang mit den Richtlinien der GSMA handele, um die Sicherheit der Kommunikation zu gewährleisten. Während die drei großen Netzbetreiber Anpassungen vornehmen mussten oder bereits vorgenommen haben, gab es bei einem weiteren Marktteilnehmer keine Beanstandungen: Der Anbieter 1&1 ist nach vorliegenden Informationen nicht von der Sicherheitslücke betroffen.
Die Vorfälle verdeutlichen die Komplexität der Sicherung moderner Mobilfunkprotokolle, bei denen technische Metadaten tiefe Einblicke in die verwendete Hardware der Nutzer ermöglichen können, sofern die Konfigurationen der Netzbetreiber nicht lückenlos abgesichert sind.
